19.10.2020 - 11:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

NS-Zeitzeuge Ernst Grube spricht im Café Mitte

Ernst Grube (links) ist einer der letzten Zeitzeugen des NS-Regimes. Helga Hanusa (rechts) ist die Ehefrau von Ernst Grube.
von Externer BeitragProfil

„Erinnern und Handeln“, das ist seit vielen Jahren das Lebensprogramm von Ernst Grube (88), einem der Zeitzeugen der dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte. Eingeladen von „Weiden ist bunt“, erzählt er im „Interkultureller Herbst“ von den Lebensumständen und Erniedrigungen, die er und seine Familie erfahren haben. Seine Mutter ist deutsche Jüdin, sein Vater ist kein Jude, aber Kommunist, von Beruf Malermeister. Die zahlreichen Gäste hören von den bedrückenden Erlebnisse ab 1938, die der junge Ernst in München, seiner Heimatstadt, erfahren hat.

In den letzten Kriegsmonaten werden seine Mutter, seine beiden Geschwister und er dann nach Theresienstadt deportiert, erleben dort die Schrecken und die düstere Atmosphäre bis zur rettenden Befreiung durch die russische Armee. Nach dem Schulbesuch erlernt Grube das Malerhandwerk und wird später Berufsschullehrer. Seine politischen Aktivitäten in der FDJ, sein Einsatz gegen die Wiederaufrüstung der BRD und seine Parteinahme für die Ziele der KPD bringen ihn im konservativen Bayern in Isolationshaft und Gefängnis. In den 70er Jahren trifft ihn das Berufsverbot, er aber setzt sich weiter politisch ein, engagiert sich in der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN), wird Mitglied in der „Lagergemeinschaft Dachau“, deren Präsident er heute ist. Er arbeitet mit am Aufbau des „NS-Dokumentationszentrum“ in München. Der Verfassungsschutz hat ihn lange Zeit im Blick. 2017 erhält Grube den Georg-Elser-Preis. Seit Jahren ist er mit seiner Frau Helga Hanusa unterwegs, erinnert, klärt auf und mahnt.

Einen visuellen Einstieg in den Abend brachte der 20-minütige Film „Im Ghetto“, der die Familie Grube in der Zeit nach 1938 beleuchtete. Moderator Veit Wagner dankte Ernst Grube und seiner Frau. Auf die letzte Frage aus dem Publikum, welches Vermächtnis er hinterlassen möchte, antwortete Grube: „Frieden, ja, Frieden, und nie wieder Krieg. Kein Geld für Rüstung.“

Ernst Grube (links) ist einer der letzten Zeitzeugen des NS-Regimes.
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