26.09.2018 - 10:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nur Mut für eine bessere Gesellschaft

"Wir fahren den Planeten an die Wand" sind sich Matthias Matuschik und Stephan Lessenich sicher. Der Moderator und der Soziologe wollen was tun und engagieren sich in der Mut-Partei.

Sie meinen es ernst: Professor Stephan Lessenich, Matthias Matuschik und der Weidener Kandidat Reinhold Bortner (von links) wollen sich mit MUT für alle Menschen in Bayern einsetzen.
von Autor OTJProfil

Humorvoll sind sie. Die Pointen sitzen. Aber es ist ihnen ernst. Moderator Matthias "Matuschke" Matuschik und Stephan Lessenich präsentieren im "Neues Linda" Mut als eine Partei, die sich durchaus des Ernsts der Lage in Bayern, Deutschland und Europa bewusst ist. "Mir geht's gut", bemerkt Matthias Matuschik zu Beginn. "Ich könnte jetzt auch daheim auf dem Sofa sitzen." Trotzdem tue er sich das an. Eine Ochsentour durch Bayern, auf der er seine Partei in den Fokus der Wähler bringen möchte - ohne millionenschwere Wahlkampfhilfe. Der Auslöser, sich politisch zu engagieren, sei vor allem in der Feindseligkeit begründet, die den Flüchtlingen seit 2015 entgegenschlage.

Keine Ein-Themen-Partei

Dabei ist Mut keine Ein-Themen-Partei. Das 53 Seiten dicke Programm befasst sich darüber hinaus unter anderem mit Themen wie Umweltschutz, Gleichberechtigung, sozialer Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit in der Energiegewinnung oder Netzausbau. "Wenn sich die CSU um diese Themen kümmern würde, bräuchte es uns gar nicht", so der 53-jährige Moderator und Kabarettist.

Genauso sieht das auch der Soziologe Professor Stephan Lessenich. "Ich bin vorsichtig mit historischen Vergleichen. Aber wenn man bei unserem Verfassungsschutz nicht mehr wirklich weiß, wer hier wen schützt - da kann man schon ins Grübeln kommen." Aber auch ihm liegen noch ganz andere Dinge auf der Seele. Beispielsweise: "Mit unserem Konsumverhalten fahren wir gerade unseren Planeten an die Wand." Die Gleichgültigkeit gegenüber dieser Tatsache belastet den Wissenschaftler. "Dieses ,es geht uns am Arsch vorbei' hat mich bewogen, Mut mit zu begründen. Es ging mir nicht zuletzt um mein Seelenheil." Diese Gleichgültigkeit müsse ein Ende haben. "Dafür steht Mut." Diesen Punkt greift Matuschik auf: "Warum kommen denn die Flüchtlinge? Wir sind zu einem großen Teil dafür verantwortlich. Europäische Fangflotten fischen vor der nordafrikanischen Küste das Meer leer. Die Fischer dort haben keine Chance. Wen wundert es, dass die ihr Boot verkaufen, um ihr Glück in Europa zu suchen?"

Migration wird dramatisiert

Das Thema Migration werde zu Unrecht dramatisiert. "Deutschland steht in absoluten Zahlen bei der Flüchtlingsaufnahme auf Platz sechs. Davor liegen die Türkei und arme Länder wie Jordanien." Setze man die Zahlen pro Kopf an, läge Deutschland auf Platz 17. Was die Kosten in 2017 für die Aufnahme von Geflüchteten in Höhe von 20,8 Milliarden Euro angehe, könne man eine interessante Beziehung herstellen. In der selben Zeit hätten die Deutschen 74 Milliarden Euro für Urlaub ausgegeben. Für die, die es nach Deutschland schaffen, fordert Lessenich die Teilhabe an Bürgerrechten für Flüchtlinge. "Keine Abschiebungen. Das Recht auf eine Wohnung, anstatt der Unterbringung in Kasernen."

Gegen Ende praktizieren Matuschik und Lessenich praktische Bürgerbeteiligung - mit einem vorgezogenen Wahl-O-Mat. Sie fragen: "Bei Kommunalwahlen sollen alle dauerhaft in Bayern lebende Ausländer wählen dürfen." Es herrscht Einigkeit: Alle stimmen mit "Ja".

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