Stefan Ullrich ist in Weiden kein Unbekannter. Der Zahnarzt betreibt dort seit Jahrzehnten eine Praxis. Ullrich ist aber auch ein zeitgenössischer Maler, dessen Werk das Zusammenspiel von Erinnerung, Stille und Präsenz in Landschaften erforscht. Er malt seit seiner Kindheit und ist praktisch mit dem Geruch von Ölfarben aufgewachsen, da sein Vater Manfred ebenfalls Maler ist. Im Gegensatz zu seinem Vater, dem früheren Porträtmaler und heutigen abstrakten Expressionisten, hat sich der 59-Jährige der Landschaftsmalerei verschrieben.
Seine dargestellten Landschaften zeigen zwar reale Gegenden der Oberpfalz, doch sein Ziel formuliert er anders: „Ich will nicht die Realität darstellen, sondern ihre tieferen Strukturen und emotionalen Schichten sichtbar machen.“ Ihn interessiert das, was hinter dem Sichtbaren liegt – die Atmosphäre eines Ortes, die sich zwischen Erinnerung und Gegenwart entfaltet. Für ihn ist Farbe keine Dekoration, sondern eine Intensivierung. Durch Verdichtung und Steigerung erweitert sich die Landschaft über das Sichtbare hinaus. „Die Welt bleibt real, wird aber von einem gesteigerten Gefühl der Präsenz erfüllt“, erklärt er.
Ullrich ist Mitglied im Oberpfälzer Kunstverein (OKV). Seine Werke wurden international auf Kunstmessen und in Ausstellungen in Miami, London, Los Angeles, New York und Südkorea gezeigt. Die Arte-Globale-Gallery in London vertritt ihn dabei. Vom 3. bis 8. Dezember stellt er nun auf der renommierten Context Art Miami aus, einer der bedeutendsten internationalen Kunstmessen für zeitgenössische Kunst in den USA. Diese Messe findet parallel zur Art Basel Miami Beach statt und zieht jedes Jahr Sammler, Kuratoren und Kunstinteressierte aus aller Welt an. Für Stefan Ullrich ist die Teilnahme ein bedeutender Schritt in seiner künstlerischen Laufbahn und eine Möglichkeit, die Oberpfälzer Landschaft international sichtbar zu machen.
So tritt unter anderem sein Bild vom Naturschutzgebiet Doost nahe Diepoltsreuth die Reise über den großen Teich an. In dem Bild interessiert ihn weniger die Landschaft selbst als vielmehr das Gefühl des Geheimnisvollen und Mystischen, das der Doost in Legenden von Geistern und wandernden Steinen hervorruft.
In einem seiner jüngsten Bilder sitzt eine einsame Gestalt am Straßenrand in der Leuchtenberger Straße in Weiden, schwebend zwischen Bewegung auf der Straße und Stille. „Listening to the waiting of moments“ (auf Deutsch: „Dem Warten der Momente lauschen“) hat er es genannt. „Ich stieß am Straßenrand auf einen Klappstuhl, an dessen Lehne ein Paar Kopfhörer hingen, als würden sie auf jemanden warten“, erklärt er dazu. Er fühlte sich eingeladen, sich zu setzen und wartete. Er setzte die Kopfhörer auf und erwartete Geräusche oder eine Erklärung. Doch nichts geschah – nur vollkommene, unberührte Stille.
Ebenfalls ausgestellt wird eine Bilderserie, in der sich die wiederkehrende Gestalt einer schwarzen Katze durch verschiedene Landschaften bewegt – mal einsam, mal verspielt, mal in die Leere versunken. „Jede Szene wird zum Spiegel der Wahrnehmung: Was wir sehen und was wir uns vorstellen, was gegenwärtig ist und was entschwindet. Die Katze selbst bleibt rätselhaft, ein stiller Zeuge von Landschaften, die zwischen Realität, Erinnerung und Traum flackern“, beschreibt er in einem von ihm selbst auf Englisch erstellten Flyer zur Kunstmesse.
Als Sohn des in Neustadt an der Waldnaab und über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten Malers Manfred Ullrich führt Stefan Ullrich eine künstlerische Familientradition fort. Dabei entwickelt er eine eigenständige, zeitgenössische Bildsprache, die klassische Landschaftsmalerei mit modernen Einflüssen verbindet.



















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