09.11.2018 - 11:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Die Oberpfälzer sind wie die Schweizer"

Siegfried Bühner stammt aus Baden-Württemberg und lebt seit 1996 in Schirmitz. Er erzählt, warum der Oberpfälzer dem Schweizer ähnelt, was er am Zoigl mag ‒ und warum er trotzdem einen kleinen Kritikpunkt hat.

Siegfried Bühner hat die Agentur für Arbeit in Weiden geleitet.
von Julian Trager Kontakt Profil

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Siegfried Bühner: Nein. Der Oberpfälzer ist sehr hilfsbereit, durchaus aufgeschlossen, eine ehrliche Haut. Manchmal erinnert er mich da an einen Schweizer. Man kann ihm vertrauen, sich auf ihn verlassen. An meinem ersten Tag hier, als ich in mein Haus einzog, hat mir ein Nachbar sofort mehr als drei Stunden geholfen – der hat mich gar nicht gekannt. Das hätte ich woanders nicht erlebt.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Siegfried Bühner: Ich hatte keine Vorurteile. In meiner Arbeit habe ich bereits mit vielen Oberpfälzern zu tun gehabt, ich habe enge Freundschaften geschlossen, so dass ich eigentlich die Oberpfalz schon gut kannte.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Siegfried Bühner: Nie und nimmer. Ich bin da als 18-Jähriger davongelaufen. Ich habe in meinem jugendlichen Elan die Engstirnigkeiten nicht mehr ertragen. Im Gegenteil, ich bleibe hier, ich bin hier verwurzelt, habe viele Freunde hier. Ich gehe nicht mehr weg. Ein bis zwei Mal im Jahr fahre ich nach Baden-Württemberg zurück, um das Grab meiner Eltern zu pflegen und meine 93-jährige Tante zu besuchen.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Siegfried Bühner: Ich schwärme von der Lebensqualität, von der Landschaft. Von der Tatsache, dass man hier stundenlang wandern und sich erholen kann – ohne jemanden zu treffen. Und von der Herzlichkeit, wenn man unter Menschen geht. Zum Beispiel beim Zoigl. Da setzt man sich nicht dort hin, wo alles frei ist, sondern da hin, wo schon jemand sitzt.

ONETZ: Verstehen Sie Ihren Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihm nach Feierabend ein Bier trinken?

Siegfried Bühner: 99 Prozent der Fälle schon. Ich habe aber ein Problem, wenn ich mit guten Freunden aus Moosbach oder Eslarn zusammen bin und die dann mit ihrer Mutter reden. Da hört’s dann auf. Alles andere ist mir aber vertraut. Die Sprache ist mir bei weitem vertrauter als das Schwäbische. Das kann ich gar nicht mehr richtig.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Siegfried Bühner: Ich würde mich gern so fühlen, aber dafür muss man mindestens in der dritten Generation hier leben, um wirklich als Oberpfälzer akzeptiert zu werden. Das ist die einzige kleine Kritik. Wenn man hier nicht aufgewachsen ist, nicht zur Schule gegangen ist, habe ich ein bisschen das Gefühl, dass man doch noch nicht ganz dazugehört.

Alle Teile der Serie "Zugroast" finden Sie hier.

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