19.12.2019 - 08:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

In der Oberpfalz gut gelandet

Oberarzt am Klinikum St. Marien, Notarzt im Rettungshubschrauber "Christoph 80" und Fußballer bei den "Alten Herren": Der Schwabe Jens Schlör ist längst in der Oberpfalz zu Hause. Ein Porträt.

Oberarzt in Amberg, "Flying Doctor" in Latsch: Jens Schlör engagiert sich bei der DRF-Luftrettung.
von Christian LinglProfil

Der Schwabe Jens Schlör hat sich in der Oberpfalz längst eingelebt. Schlör ist Oberarzt für Anästhesiologie, Notfallmedizin und Intensivmedizin, hat am Klinikum St. Marien in Amberg seine berufliche und in Ursulapoppenricht (Kreis Amberg-Sulzbach) seine private Heimat gefunden. Bereits vor fast 20 Jahren verschlug es ihn als angehenden Mediziner in die Vilsstadt. Eingeschrieben war er zu dieser Zeit noch in Erlangen. Parallel dazu fuhr der heutige Notfallmediziner Rettungsdienst für das Rote Kreuz. Auf diese Weise konnte er sich sein Studium finanzieren und gleichzeitig wertvolle Erfahrungen sammeln – zunächst in seiner Heimat Friedrichshafen, später dann in Amberg.

„Mir war von Anfang an klar, dass ich in der Notfallmedizin zu Hause bin“, so der heutige Leiter der "Intermediate Care Station" am Klinikum St. Marien. Daher ist es auch kein Wunder, dass er sich bei der Musterung zur Bundeswehr hat umstufen lassen. „Eigentlich wäre ich ,untauglich' gewesen, ich wollte aber Zivildienst machen und habe mich hochstufen lassen, damit ich anschließend verweigern konnte.“ Beim Roten Kreuz blieb er auch nach dem Zivildienst. Dort absolvierte er die Ausbildung zum Rettungsassistenten und war hauptberuflich angestellt. Erst ein paar Jahre später hatte er dann das Studium der Medizin aufgenommen.

"Flying Doctor"

Der Notfallmedizin ist Jens Schlör bis heute treu geblieben. Er war von Anfang an dabei, als der Flugplatz Latsch (bei Weiden) im Jahr 2011 den Zuschlag als Standort für einen Rettungshubschrauber erhielt. Regelmäßig ist der Notfallmediziner seitdem als fliegender Arzt im Einsatz. Bevor der Hubschrauber hier stationiert wurde, war er schon als ärztlicher Begleiter bei Auslandsrückholflügen dabei gewesen. Bis zum Frühjahr pausiert Schlör vorübergehend bei der DRF-Luftrettung, zusammen mit seinem Engagement als Notarzt im Rettungswagen kommt er aber im Jahr dennoch auf rund 250 Einsätze.

Jens Schlör (links) ist Oberarzt am Klinikum in Amberg. Auf der Station Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin hat er mit seinen Kollegen (hier Daniel Bruta) häufig mit schweren Verletzungen und Erkrankungen zu tun.

Privates Glück gefunden

Vor allem auch in privater Hinsicht hat Schlör sein Glück in der Oberpfalz gefunden. Auf einem Konzert in Amberg lernte er seine Frau Shelby kennen. Obwohl sie ebenfalls im Klinikum St. Marien arbeitet, kannten sich die beiden nicht. Ein Jahr später läuteten dann die Hochzeitsglocken. Heute wohnen die beiden gemeinsam mit den Söhnen Yannick und Philipp und den zwei Golden-Doodle-Hunden Samy und Fluffy in Ursulapoppenricht.

Dort hat sich die Familie perfekt eingelebt. Alle vier sind fußballbegeistert. "Von den beiden Buben ist einer ein Gelb-Schwarzer, also Dortmund-Anhänger, und der andere ein Roter, also Bayern-Fan", erzählen die Eltern schmunzelnd. "Beide spielen aber bei den Sportfreunden Ursulapoppenricht." Mutter Shelby unterstützt den Verein als Betreuerin der Jugend-Mannschaften und spielt selbst in der wiederbelebten Damen-Hobbymannschaft. Auch Jens Schlör spielt immer noch Fußball, sofern es seine knappe Freizeit erlaubt. Bei den "Alten Herren" in Ursulapoppenricht ist auch er heimisch geworden.

Zusammen mit seiner Frau Shelby und seinen beiden Söhnen Philipp und Yannick wohnt Jens Schlör in Ursulapoppenricht im Landkreis Amberg Sulzbach.

Lieber Amberg als London

Diese Momente sind in jüngster Zeit rar geworden. Neben seinem normalen Alltag als Oberarzt auf der Station, seiner Tätigkeit im Rettungsdienst und bei der DRF-Luftrettung, hat er begonnen, noch einmal die Schulbank zu drücken. Seit vergangenem Jahr ist Schlör in London an der "Queen Mary University" in einem Aufbaustudium für "Trauma-Wissenschaften" eingeschrieben. Er hat sich dabei bewusst für die englische Metropole entschieden. Denn: „Während wir in Amberg vielleicht auf 200 Schwerverletzte im Jahr kommen, behandelt nur dieses eine Krankenhaus in London schon 3000 Fälle“, so der Anästhesist. „Das mag das aus menschlicher Sicht traurig klingen, es ist aber gut um zu lernen“, begründet er seine Wahl. Bis 2020 dauert das Studium noch. Lockt die Ferne? „An sich“, gesteht er, „würde mich eine Stelle in London zwar reizen, aber dafür sind wir mittlerweile zu fest in der Oberpfalz verwurzelt.“ Denn hier fühlt sich die Familie einfach wohl.

Als Oberarzt hat Jens Schlör auch administrative Tätikeiten zu erledigen. Gleichzeitig wird am Telefon seine medizinische Expertise benötigt.
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