09.11.2018 - 16:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ein Offizier und Weiden-Fan

Seine Offiziersausbildung hat er an der Royal Military Academy Sandhurst absolviert, wie die Prinzen William und Harry. Denn Robert McCubbin ist Brite, inzwischen aber auch deutscher Staatsbürger - mit Hang zur Oberpfalz.

Robert McCubbin ist britischer Offizier und seit kurzem auch deutscher Staatsbürger. Als er ein Jahr alt war, kam der heute 35-Jährige mit seinen Eltern nach Deutschland, im Alter von zwei Jahren kam er in die Oberpfalz, die für ihn zur Heimat wurde.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

"Ich bin stolz, britischer Armeeoffizier zu sein", betont der 35-Jährige. Er sagt aber auch: "Die Oberpfalz ist meine Heimat." Am 31. Oktober erhielt er aus den Händen von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß die Einbürgerungsurkunde und besitzt damit nun zwei Staatsbürgerschaften. Wie übrigens immer mehr Briten, die in Deutschland leben. Der bevorstehende Brexit treibt viele dazu, sich die Staatsbürgerschaft ihres Gastlandes zu sichern.

Der Brexit war auch für Robert McCubbin mit ausschlaggebend, sich zu diesem Schritt zu entscheiden. "Er trägt zur Unsicherheit bei, weil nicht bekannt ist, ob für uns Briten nach dem Brexit noch die doppelte Staatsbürgerschaft möglich ist." Ausschlaggebend für seinen Antrag auf Einbürgerung waren aber noch andere Faktoren. "Vor fünf Jahren hätte ich nie daran gedacht. Aber in den letzten Jahren kommt der Populismus weltweit immer mehr zum Vorschein. Man weiß nicht, wie sich das weiterentwickelt. Auch das ist ein Unsicherheitsfaktor." Seit zweieinhalb Jahren ist der 35-Jährige außerdem mit Constanze, einer gebürtigen Weidenerin, verheiratet. Langfristig gesehen sei es ihm aus Gründen der Familienplanung wichtig, dass später mal alle den gleichen Pass haben. Denn der "worst case", also der schlimmste Fall, wäre, "wenn wir in Zukunft mal an eine Grenze kämen und einer aus der Familie hätte Schwierigkeiten wegen seiner anderen Staatsangehörigkeit."

Das alles erzählt McCubbin in perfektem Hochdeutsch. Immerhin lebt er hier seit seinem zweiten Lebensjahr - mit mehr oder weniger kurzen Unterbrechungen. Hier, das heißt, in der Oberpfalz. In der Bundesrepublik ist er noch ein Jahr länger. Denn seine Eltern, beide sind Schotten, die Oma mütterlicherseits ist eine Deutsche, entschlossen sich 1984 in die Bundesrepublik zu gehen. "Sie wollten einmal ein anderes Land kennenlernen. Nachdem meine Mutter Verwandte in Deutschland hatte, bot sich das an."

Die Familie zog zunächst ins Rheinland in die Nähe der Verwandtschaft, dann nach Hessen. Wenig später wurde dem Vater, einem Zahnarzt, angeboten, eine Praxis in Waidhaus zu übernehmen, und die Familie entschied sich für die Oberpfalz. "Ursprünglich wollten meine Eltern nur etwa fünf Jahre in Deutschland bleiben, inzwischen sind es 34."

Robert ging in Waidhaus in den Kindergarten, in die Grundschule und kickte dort im Fußballverein. Ab der fünften Klasse besuchte er das Kepler-Gymnasium, legte hier das Abitur ab. Er und seine beiden Schwestern wuchsen zweisprachig auf: In Kindergarten und Schule wurde Deutsch gesprochen, im Elternhaus Englisch. "Das ist überhaupt kein Problem. Wir kannten es ja nicht anders."

Das Studium im Gesundheitsmanagement absolvierte Robert McCubbin von 2005 bis 2008 in Bad Mergentheim mit Praktika in Berlin. Anschließend bewarb er sich für den Sanitätsdienst bei der britischen Armee. Für die einjährige Offiziersausbildung ging es - wie bereits erwähnt - an die Royal Military Academy Sandhurst. Dass dort auch die Prinzen William und Harry zur Ausbildung waren, ist kein Zufall. "Alle britischen Offiziere absolvieren ihre Ausbildung dort." Im Anschluss ging es für Robert McCubbin zurück nach Deutschland. Nicht nur, weil er das gerne wollte. "Die Armee hatte auch entsprechenden Bedarf."

Die Oberpfalz hat der 35-Jährige – trotz enger Bindung an die Verwandten in Schottland - dabei stets als seine Heimat empfunden. Und auch mit seiner Ehefrau Constanze hat er Weiden als Wohnsitz gewählt. Wobei er selbst für die British Army in der ganzen Bundesrepublik auf Achse ist, aktuell als Verbindungsoffizier zu den deutschen Streitkräften in Dresden. Aber auch Auslandseinsätze hat der Offizier bereits hinter sich, unter anderem in Afghanistan.

"Obwohl ich britischer Offizier bin, habe ich mich immer eher als Europäer gesehen", erzählt er. "Wir haben Verwandte in Großbritannien, in Deutschland, in Spanien, machen Urlaub in Mallorca." Dass es seit 1945 in Europa weitgehend friedlich sei, liegt seiner Ansicht nach daran, dass die Nationen näher zusammengerückt sind. Umso erstaunter stellt er jetzt fest, dass viele EU-Staaten von Austritt reden. Seine beiden Staatsbürgerschaften seien auch gut geeignet, den europäischen Gedanken zu untermauern, meint er.

Für die britische Armee sei seine zweite Staatsbürgerschaft kein Problem. "Dort wird der Multikulturalismus fast schon zelebriert. In meinem Bataillon dienen Kräfte aus Afrika, Neuseeland oder von den Fidschi-Inseln." Im Vordergrund steht die Person mit ihrer Leistung, nicht die Frage, woher jemand kommt.

Beeinflusst worden sei seine Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft sicher auch durch seine Mutter. "Sie war die erste in der Familie, die den Antrag gestellt hat." Auch seine beiden Schwestern hätten nachgezogen. Was für den politisch interessierten jungen Mann ebenfalls eine Rolle spielt: Bisher war er auf Landes- und Bundesebene in Deutschland nicht wahlberechtigt. "Aber wenn ich sehe, wie gewählt wird und welche Entwicklungen es gibt, da möchte ich auch Einfluss nehmen und die Zukunft mitgestalten." Denn eins steht für Robert McCubbin fest: Er will auf jeden Fall in Deutschland bleiben. "Die Oberpfalz ist meine Heimat. Ich wurde hier immer willkommen geheißen, habe mich nie als ,der Andere' gefühlt, sondern schon immer als Teil der Gesellschaft."

Bei seiner Einbürgerung habe Oberbürgermeister Kurt Seggewiß daran erinnert, dass Weiden schon immer Menschen aus anderen Ländern und Regionen aufgenommen habe, wie zum Beispiel tausende von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg. "Das hat Weiden, glaube ich, auch zu dem gemacht, was Weiden heute ist." Eine liebenswerte Stadt, in der er sich Zuhause fühlt.

Ende Oktober überreichte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß die Einbürgerungsurkunde an Robert McCubbin. Für den ist die deutsche Staatsbürgerschaft zwar nur "eine Formsache. Aber eine wichtige Formsache."

Deutsches Abiturzeugnis macht's leichter:

Wer die deutsche Staatsbürgerschaft anstrebt, muss Sprachkenntnisse auf dem Level des Zertifikats B1 nachweisen sowie die Kenntnis der deutschen Gesellschafts- und Rechtsordnung in Form eines Tests. Für Robert McCubbin fiel das flach. Dank deutschem Abiturzeugnis und Diplom. Thomas Wührl: „Das Schulzeugnis belegt ja die Sprachkenntnisse sowie entsprechenden Geschichts-, Sozial- und Rechtskundeunterricht.“ Wer eine dreijährige Berufsausbildung in Deutschland nachweisen kann, könne ebenfalls von den Prüfungen befreit werden, erklärt der Sachbearbeiter für Staatsangehörigkeitsrecht im Weidener Rathaus.

McCubbin musste allerdings jede Menge Nachweise erbringen: über seinen jahrzehntelangen Aufenthalt in Deutschland, Arbeits-, Gehalts- und Rentennachweise. Letzteres alles ins Deutsche übersetzt, was einiges an Zeit und Geld kostete. Auch einige Gespräche mit Thomas Wührl waren nötig. Dem stellt der 35-Jährige das beste Zeugnis aus: „Die Betreuung durch Herrn Wührl war super: detailliert, kompetent und freundlich.“

Briten und Brexit:

Bundesweit berichten Nachrichtenagenturen von stark steigenden Einbürgerungszahlen von britischen Staatsbürgern. Als Auslöser gilt der bevorstehende Brexit. Eine drastische Steigerung gibt es in Weiden zwar nicht, aber immerhin einen leichten Anstieg. Denn 15 Jahre lang - von 2000 bis 2015 - wurde in der Max-Reger-Stadt kein einziger Brite eingebürgert, berichtet Thomas Wührl als zuständiger Sachbearbeiter im Neuen Rathaus. 2016 gab es eine Einbürgerung, 2017 dann 2, 2018 bisher eine (Robert McCubbin), und eine zweite Anfrage liegt vor.

Die Gesamtzahl der Einbürgerungen beträgt in Weiden 2018 aktuell 57 Fälle. Laut Wührl kommt da bis zum Jahresende noch einiges dazu. 2017 verzeichnete die Stadt 42 Einbürgerungen, 2016 waren es 54, 2015 insgesamt 56 Fälle. (ps)

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