31.05.2019 - 17:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ohrfeige gegen Lehrerin: "Hoffentlich nur ein Einzelfall"

Ein spontanes Gespräch zwischen einer Mutter und der Lehrerin ihres Sohnes endet mit einer Ohrfeige für die Lehrkraft. So geschehen an einer weiterführenden Schule in Weiden. Der Vorfall sorgt für viel Diskussion.

Lehrer müssen viel aushalten. Jetzt haben die Mutter eines 12-jährigen Schülers und ihr Begleiter in Weiden in einer weiterführenden Schule in Weiden eine Lehrerin attackiert. Die Polizei ermittelt.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil
Weiden in der Oberpfalz

Es ist eine Mischung aus Entsetzen und auch Erleichterung, die am Freitag manchen Schulleiter umtreibt. Entsetzen, dass eine junge Lehrkraft von einem Elternteil tätlich angegangen wurde, aber auch Erleichterung darüber, dass es solch ein Vorkommnis an der eigenen Schule bisher nicht gab und hoffentlich auch nicht geben wird. "Das war noch kein Thema bei uns an der Schule und wird auch hoffentlich eine Ausnahme bleiben", sagt Oberstudiendirektorin Sigrid Bloch vom Kepler-Gymnasium auf Nachfrage gegenüber Oberpfalz-Medien. Sie findet es traurig, was da passiert ist, möchte aber daraus auch nicht mehr machen, als es ist: ein Einzelfall.

Gesprächsthema ist die Ohrfeige auch am Augustinus-Gymnasium. "Ich kenne bisher keinen Fall, in dem Eltern handgreiflich geworden sind", sagt stellvertretender Schulleiter Thomas Kreuzer. Wortgefechte zwischen Eltern und Lehrern gebe es schon häufiger, aber mehr auch nicht. Solch ein Vorfall sei für Weiden eher untypisch, eine Randerscheinung, sagt Kreuzer.

Kollegen hätten schon mal davon berichtet, aber ihm sei das noch nicht passiert. "Gottseidank ein eher seltener Fall", sagt Reinhard Kausler, der ihn dennoch betroffen macht. Der Sonderschulrektor der Stötzner-Schule hat Erfahrung als Pädagoge, ist seit 30 Jahren im Beruf. Die betroffene junge Kollegin steht mit ihren 24 Jahren erst am Anfang. "Sie hat diese Berufserfahrung noch nicht. Ein solcher Vorfall prägt einen, das muss man erstmal verdauen", sagt Kausler. Jetzt sei entscheidend, was die Schulleitung leisten kann. "Das Kollegium muss in jedem Fall zusammenhalten und die junge Lehrerin stützen." Als Maßnahme für künftige Elterngespräche könnte er sich vorstellen, dass sich die Lehrerin Beistand an die Seite holt.

Kein Verständnis hat der Rektor für den Handyverstoß des 12-Jährigen. Der Schüler hatte während des Unterrichts seine Mutter angerufen. "Hier regelt das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) in Artikel 56, Absatz 5 ganz klar, dass die Nutzung von Mobilfunkgeräten auf dem Schulgelände und im Schulgebäude untersagt ist. Nur in Notfällen darf der Lehrer es erlauben." Aber der habe hier ja wohl nicht vorgelegen.

Eine "solche Eskalation" versteht auch Alois Schinabeck nicht. Der 74-jährige Stadtrat und pensionierte Lehrer war zuletzt Konrektor an der Hans-Schelter-Schule. "So was ist mir in meiner Schullaufbahn nie passiert." Eine Tätlichkeit bleibe eine Tätlichkeit, und deshalb sei es auch gut, dass die Polizei eingeschaltet wurde. Normalerweise sollten Eltern und Lehrer zum Wohle des Kindes an einem Strang ziehen. Er könne sich nur vorstellen, dass es im vorliegenden Fall eine Vorgeschichte gibt, die Ohrfeige der "unrühmliche Höhepunkt ist". Die 24-jährige Lehrerin täte ihm leid. "Hier muss das Schulamt nun seiner Fürsorgepflicht nachkommen und der jungen Kollegin helfen, dass sie seelisch keinen Schaden nimmt", meint Schinabeck.

Das Staatliche Schulamt Neustadt/WN-Weiden war am Freitag wegen einer Feier am Landratsamt für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Info:

Polizei: Schüler werden befragt

Die Ermittlungen der Polizeiinspektion Weiden nach dem Vorfall an einer weiterführenden Schule in Weiden dauern an, wie Polizeihauptkommissar Mario Schieder am Freitag bestätigt. Was war passiert? Ein 12-Jähriger ruft am Mittwoch während des Unterrichts mit dem Handy seine Mutter an und beschwert sich über eine Ermahnung durch seine Lehrerin. Die Mutter erscheint daraufhin in Begleitung eines Mannes in der Schule. Im Gesprächsverlauf soll die Lehrerin geschubst und geohrfeigt worden sein.

Ungeklärt sei nachwievor die Identität des Mannes. „Es werden sicher noch ein paar Tage vergehen, bis alle Beteiligten, darunter auch Schüler, vernommen wurden“, sagt Schieder. Fest steht jedoch: "Die Lehrerin hat die Mutter durchs Fenster über den Schulhof kommen sehen“, sagt der Polizeisprecher. Man kannte sich. Das Gespräch habe dann vor der Klassenzimmertür stattgefunden. Der Vorfall sei sicherlich nicht alltäglich, doch sollte man ihn nicht zu hoch hängen. Es sei, so Schieder, ein Disput zwischen einer Lehrkraft und einem Erziehungsberechtigten gewesen, der hier über die Strenge geschlagen hat. Den Namen der Schule wollte der Sprecher nicht bestätigen. (shl)

Kommentar:

Lehrern den Rücken stärken

Was die 41-jährige Mutter dazu gebracht hat, dass sie und ihr Begleiter die Lehrerin ihres zwölfjährigen Sohnes plötzlich attackierten, muss die Polizei noch aufklären. Bei dem Gerangel verletzte sich die Lehrerin leicht. Schwerwiegender mögen die seelischen Blessuren der jungen Frau wiegen, die hoffentlich bei der Bewältigung des Erlebten mit Beistand von Kollegen und überordneten Dienststellen rechnen darf.
Erfahrene Pädagogen wie Reinhard Kausler (Stötzner-Schule) oder Gabriele Dill (FOS/BOS und Mitglied im BLLV) wissen, dass sich solch ein Vorfall „schnell zum Trauma“ entwickeln kann. „Wir brauchen aber engagierten Lehrernachwuchs, der morgens gerne in die Schule geht“, sagt Dill. Gespräche können helfen. Mit Kollegen, aber vor allem im Dreiklang zwischen Schule, Eltern und Schülern. Das scheint in der Regel zu klappen.
Der Vorfall vom Mittwoch? „Ein Einzelfall“ sagen viele Schulleiter in Weiden. Einer, der ihrer Meinung nach jedoch in den Medien zu viel Aufmerksamkeit bekommt. Zum Glück, denn diese Aufmerksamkeit zeigt, dass das Gros über den Vorfall empört ist, ihn verurteilt. Auch das kann Lehrern gut tun.

Stephanie Hladik

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