21.06.2019 - 12:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Open-Air-Techno unterm Kopfhörer

Ein Rekord, der in die Zeit passt: Die leiseste Techno-Party der Stadt. Unter freiem Himmel schickt das Duo "Ströme" seine Sounds in 200 Kopfhörer.

Das Elektro-Duo "Ströme" müht sich auf der Bühne im "Regi"-Innenhof wie gewohnt ab. Was dabei herauskommt, lässt sich aber nur mit Kopfhörern so richtig nachvollziehen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Kleines Experiment während des Experiments: Wie klingt eigentlich ein Kopfhörerkonzert ohne Kopfhörer? Nun ja, es ist lauter als vermutet. Melodien, Loops, Soundspielereien, all die Feinheiten, die das Duo "Ströme" gerade aus seinem analogen Sound-Labor kitzelt, bleiben zwar exklusive Angelegenheit für die beiden Ohrschalen. Aber aus irgendeinem Grund pumpt trotzdem noch ein dumpfer Bass im Techno-Rhythmus durch den Innenhof der Regionalbibliothek. Das hört sich dann in etwa so an wie eine Diskothek bei geschlossenen Türen - vom Parkplatz aus erlebt.

Was einem dabei entgeht: ein wunderbar transparenter, klarer Stereo-Sound mit vielen Special-Effects, vorne auf der Bühne virtuos zusammengestöpselt von Mario Schönhofer und Tobi Weber. Und trotz manch lyrischer Ambient-Passage stets nach vorne treibend. Kein Wunder also, dass am schwülen Mittwochabend mancher der rund 200 Besucher feucht hinter den Ohren wird. Denn die sind ja schön dick gepolstert. Der Projektname "Ströme" steht hier ausnahmsweise auch für den Schweißausstoß der Tanzenden, Zappelnden und Wippenden.

Ansonsten ist das natürlich die Zukunft: Lärmquellen ausschalten, indem sie nur denen zugänglich sind, die sie sich tatsächlich antun wollen. Den Veranstaltern vom "Sündikat" gelingt damit die richtige Replik zur richtigen Zeit, nachdem Beschwerden wegen vermeintlich zu lauter Partys Schlagzeilen in Weiden machten. Ein Zufall übrigens: Als die Stadt das "Sündikat" wegen der Befürchtung von zu krasser Lärmbelästigung bei den Sommer-Serenaden ausbootete, war der Termin der Kopfhörer-Party im Waldsassener Kasten längst eingetütet. Vielleicht hätten die Jungs einfach eine Kopfhörer-Serenade auf die Beine stellen sollen.

Ja, diese noch ungeahnten Möglichkeiten des Kopfhörers! Theoretisch könnten mehrere Bands nebeneinander gleichzeitig spielen - wer sich für Band A interessiert, schaltet auf Kanal eins, Band B rockt auf Kanal zwei, und so weiter. Viele Geschmäcker werden bedient. Gleichzeitig. Die Lautstärke ist individuell regelbar. Und: In der Sound-Quarantäne sind Gespräche der Nebenleute komplett ausgeblendet. Nicht wenige Konzertbesucher scheinen ja nicht wegen der Musik zu kommen, sondern um eineinhalb Stunden lang Reden zu schwingen. Wohlgemerkt: Kein Problem damit - so lange ich das nicht mit anhören muss.

Die Kehrseite: In der "Regi" können einem die Helfer an der Getränkeausgabe leid tun, die Bestellungen mit viel pantomimischem Geschick und mutiger Interpretation bearbeiten müssen. Und das Problem mit empfindlichen Anwohnern ist auch abgesehen von den Bässen nicht ganz gelöst. Befürchtet zumindest eine Bekannte: "Die Leute verstehen sich ja nicht, wenn sie sich mit Kopfhörern unterhalten wollen. Und am Ende kommt die Polizei dann doch: wegen dem ganzen Geschrei."

Kopfhörerkonzert mit dem Duo "Ströme" in der Regionalbibliothek.
Kopfhörerkonzert mit dem Duo "Ströme" in der Regionalbibliothek.
Kopfhörerkonzert mit dem Duo "Ströme" in der Regionalbibliothek.
Kopfhörerkonzert mit dem Duo "Ströme" in der Regionalbibliothek.
Kopfhörerkonzert mit dem Duo "Ströme" in der Regionalbibliothek.
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