Billigkino war das nicht. Kein Gratis-Kirchenbesuch. Eintrittskarten mussten schon gelöst werden. Dafür gab’s in der Josefskirche aber auch mächtigen Orgelklang als Dreingabe zur Sondervorstellung „Der Sonderling“. Dass es durchaus in Ordnung sei, eine Valentinade in einem Gotteshaus zu zeigen, begründete Alexander Pointner aus Lenggries mit dem gesellschaftskritischen Hintergrund des an Überraschungen und urkomischen Situationen reichen Stummfilms. Pointner sorgte für die pointierte Orgelimprovisation.
Der Film malt ein Münchner Vorstadt- und Kleinbürger-Bild vom Ende der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Valentin findet Arbeit bei einem Schneidermeister, dessen Frau (Liesl Karlstadt) ihm nachstellt. Irrtümlicherweise wird er des Diebstahls beschuldigt und verhaftet. Nach seiner Freilassung will er sich das Leben nehmen, stellt sich aber jedes Mal zu deppert an. Als ihn schließlich seine liebestolle Meisterin zur gemeinsamen Motorradfahrt einlädt, winkt er ab: Er sei doch nicht lebensmüde.
Während der Schwarz-Weiß-Stummfilm im dunklen Kirchenschiff über eine im Altarraum aufgebaute Leinwand flackerte, untermalte Pointner auf der Eisenbarth-Orgel die Handlung in der Art, wie es weiland Klavierspieler und Stehgeiger in den Gaststuben taten, wo in bierseliger Runde die ersten Filme vorgeführt wurden. Veranstaltet wurde der „Orgel + Kino“-Abend vom Förderkreis für Kirchenmusik St. Josef.














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