22.04.2019 - 17:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ostern: Schön, aber zu trocken

Ostern mit Sonne pur und Temperaturen über 20 Grad: Was die einen freut, ist für die anderen die reinste Katastrophe. Die Trockenheit stoppt das Wachstum, bremst Fußballer aus und könnte gar Grillfreunden auf den Magen schlagen.

Vor allem die Bauern haben mit der Trockenheit in der Oberpfalz zu kämpfen. Die Felder wie hier in Pirk sind komplett ausgetrocknet.
von Redaktion ONETZProfil

„Deutlich zu trocken“, nennt Meteorologe Andy Neumaier die Wetterlage in der Oberpfalz. Wie schon im vergangenen Jahr liegt die Niederschlagsmenge bei lediglich 120 bis 170 Liter pro Quadratmeter. Hinzu kommt, dass der Grundwasserspiegel nach dem Dürrejahr 2018 sehr niedrig liegt. Eine weiter steigende Waldbrandgefahr ist die Folge. „Wenn es dumm läuft, bekommen wir in diesem April keine Niederschläge mehr. Die Waldbrandgefahr wird in den nächsten Tagen auf die zweithöchste, wenn nicht sogar die höchste Stufe steigen“, weiß Andy Neumaier.

Und so startete auch schon am vergangenen Donnerstag in Latsch bei Weiden die Luftbeobachtung über den durch Waldbrände besonders gefährdeten Gebieten. „Ein besonderes Augenmerk legen wir auf große zusammenhängende Waldgebiete", sagt der Flugbereitschaftsleiter für die Oberpfalz, Dieter Naber, und warnt: Die Trockenheit kombiniert mit den nach dem Winter noch nicht nachgewachsenen Grünflächen sorgt für Probleme. Auf keinen Fall solle weniger als 200 Meter von einem Waldstück entfernt mit offenem Feuer hantiert oder geraucht werden. Auch solle man das Auto nicht am Waldrand abstellen. Erhitzte Katalysatoren könnten den Untergrund entzünden. Im vergangenen Jahr starteten die ersten Luftbeobachtungsflüge allerdings bereits Anfang März.

Wolfgang Schwarz, Vorstand der DJK Neustadt, klagt über die Trockenheit des Fußballplatzes. Der Verein sieht sich bereits nach einem alternativen Trainingsort um.

"Existenz bedroht"

"Es wäre eine Katastrophe, wenn auf das Dürrejahr 2018 noch ein Dürrejahr 2019 folgt", sagt Josef Fütterer aus Pressath, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. 2018 wurden ihm zufolge bereits die Futtervorräte der vorangegangenen Jahre aufgebraucht. "Das Wintergetreide und der Winterraps beispielsweise befinden sich in einem ‚schläfrigen Zustand‘, sie erwachen aber nicht durch den Wassermangel. Auch das Wachstum des Grünlandes steht still." Der ausbleibende Regen habe damit fatale Folgen für die Landwirte und die Verbraucher. "Die Bauern müssen ihre Tierbestände verkleinern, wenn es so weiter geht. Das bedroht unsere Existenz. Lebensmittel und Rohstoffe werden dann natürlich auch teurer, weil es einfach keine mehr gibt", sagt Fütterer.

Probleme sieht auch der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege in Neustadt. "Noch sieht man nicht, dass die Obstbäume Wasser brauchen, weil sie noch nicht ausgetrieben haben. Im vergangenen Jahr gab es viel Obst, da die Sonne oft schien. Jetzt bräuchten die Bäume Wasser, um sich wieder zu regenerieren", sagt Vorsitzender Albert Nickl. Pflanzen im Garten müsse man ordentlich gießen, damit sie Wurzeln schlagen. Ein weiteres Jahr mit der Regenmenge von 2018 sei alles andere als gut.

Hartes Spielfeld

Zu leiden haben auch die Sportler. Von der Trockenheit sind viele Fußballplätze betroffen. "Wir sehen uns bereits nach einem alternativen Ort zum Trainieren um", sagt Wolfgang Schwarz, Vorsitzender der DJK Neustadt. Der erst vor einem Jahr in Betrieb genommene B-Platz sei bereits stark beschädigt. Die Trockenheit in Kombination mit der feuchten Luft am Abend führe zu Klumpen auf dem Rasen. Durch die permanente Nutzung von 16 Teams bleibe dem Rasen zudem keine Zeit zur Regeneration.

Auch Michael Kurz, Vorsitzender der Spielvereinigung in Weiden, kennt die Problematik. "Inzwischen haben wir massive Probleme. Durch den ausbleibenden Regen und den ständigen Wind ist der Platz staubtrocken und hart wie eine Betonplatte." Michael Kurz rechnet damit, dass auch die Spielvereinigung bereits in dieser Woche beginnen muss, ihren Rasen zu bewässern.

Lässt sich nur hoffen, dass bald mehr Regen fällt. Kurzfristig sieht es allerdings düster aus, meint Wetterexperte Andy Neumaier: "Zum Monatswechsel können zwar ein paar Niederschläge fallen, aber hierbei dürfte es sich dann eher um einzelne Schauer und Gewitter handeln, die nur punktuell auftreten."

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Kommentare

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Natascha Horn

Jetzt macht doch den Leuten nicht schon wieder das schöne Sommerwetter madig, ist doch schade dass es nicht schon 30 Grad hat. Da könnte man wenigstens gleich noch schwimmen gehen. ... *Ironie aus*

Nein, jetzt mal ganz im ernst, es IST eine Katastrophe, dieses Wetter. Ebenfalls katastrophal ist aber auch die Einstellung der Gesellschaft zu Regen, wenn dieser mal eine Woche lang vom Himmel fällt. Klar kann eine positive Einstellung zu kühlem, nassen Wetter auch nicht viel bewirken, aber die Intoleranz der "Sonnenanbeter" zu einem eben solchen Wetter ist meiner Meinung nach widernatürlich und verstörend. Es gehört zu unserem natürlichen Kreislaufsystem dazu. Andernfalls würden wir in wenigen Jahren in einem Wüstenstaat leben.

23.04.2019