06.12.2019 - 14:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Parkern fällt Decke auf den Kopf

"Hält diese Decke noch?"Mit einem mulmigen Gefühl blicken die Stadträte nach oben: In der Rathaus-Tiefgarage platzt Beton ab, rostet der Stahl. Schnell ist klar: Hier besteht kein Diskussions-, sondern Handlungsbedarf.

Der Lack ist ab. Mehr als das: An den Trägern der Tiefgarage des Neuen Rathauses nagt der Rost. Die Schäden sind inzwischen so groß, dass der Bauausschuss die Planung eines Neubaus ins Auge fasst.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

(wd) Die Stadträte im Bau- und Planungsausschuss richten sich gerade darauf ein, das Für und Wider der Varianten zu diskutieren, wie denn mit der Tiefgarage verfahren werden sollte. Tiefgaragen- und Stahlbeton-Spezialist Veit Bräuning aus Bamberg gibt einen beeindruckenden Bericht über den Zustand des über 40 Jahre alten Bauwerks, bei dem bisher kaum in die Instandhaltung investiert wurde. Die Folgen sind gravierende Schäden an den Trägern und Stützen. "Die Standsicherheit der Tiefgarage ist aus aktueller Sicht bereits eingeschränkt", stellt auch er fest.

Erschreckender Zustand

"Schau'n wir uns das an", schlägt Sitzungsleiter Bürgermeister Jens Meyer den Stadträten vor. Und als sie sich schließlich durch das Gewirr der Stützen drücken, die eine der mächtigen Bauwerksfugen tragen, ist es erstaunlich schnell ruhig.

Bräuning erklärt Ursachen und Folgen des Rostbefalls in der Bewehrung, ausgelöst von eindringender Feuchtigkeit sowie Tausalz. Mühelos kann er abplatzenden Beton von den Säulen und Trägern brechen. Die Bewehrung liegt frei, rostet. Selbst in der 2000 Quadratmeter großen Bodenplatte stellt der Gutachter gefährliche "korrosionsaktive Feuchtigkeit" fest.

Schon bei einer fast 2 Millionen Euro teuren "Minimalinstandsetzung" blieben mit Sicherheit "Feuchtigkeitsnester" im Bauwerk zurück, warnt Bräuning: "Wasser hat einen kleinen Kopf." Für eine Maximalinstandsetzung sowie Abdichtung des Bauwerkes fielen 4,1 Millionen Euro an. Der Bauexperte macht den Stadträten klar, dass sie künftig deutlich höhere Summen für den Gebäudeunterhalt bereitstellen müssen. "Sie müssen mehr Geld zurücklegen."

Feuchtigkeitsnester

Als Sonderangebot erscheint den Stadträten der auf 3,58 Millionen Euro angesetzte Abbruch und Neubau der Tiefgarage. Dabei sei es dann auch möglich, die Parkplatzbreite und die Dimension der Fahrgassen an den heutigen Bedarf anzugleichen.

Die Stadt solle die Synergien nutzen, die sich durch Neubau der Tiefgarage und Anbau am Rathaus ergeben, schlägt Baudezernent Oliver Seidel vor. "Wir könnten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen." Der langfristige Mehrbedarf im Rathaus (Raum für 63 Arbeitsplätze) erfordere einen Anbau. Das Baudezernat schätzt die Kosten für Tiefgaragen-Neubau und Rathaus-Erweiterung in den Jahren 2020 bis 2023 auf 7,5 Millionen Euro.

Zwei Fliegen

Während sich die Mehrheit der Stadträte von der Ortsbegehung beeindruckt zeigte und den Weg zu weiteren Planungen freimachte, versuchten Reinhard Meier und Philipp Beyer (beide Bürgerliste), kräftig zu bremsen. Der Stadt gehe es finanziell zwar besser, aber nicht gut. Allein bei den Schulen ("Die warten") stünden Millionen-Investitionen an. 40 Jahre sei an der Rathaus-Tiefgarage nichts gemacht worden. Da komme es auf ein paar Monate nicht an. Die Meinungsbildung sei nicht abgeschlossen. Über die Vorhaben solle deshalb der neue Stadtrat entscheiden, fordert Beyer - und unterliegt. Angemerkt

Kommentar:

Neubau zurückstellen

Den Mitarbeitern im Neuen Rathaus droht die Decke der Tiefgarage auf den Kopf zu fallen. Es spricht für sich, dass der Schaden erst zufällig entdeckt wurde: Oben, auf dem Parkplatz, deutete sich eine Delle an. Wäre, wie vom Gutachter jetzt gefordert, ständig der Bauzustand der städtischen Gebäude kontrolliert worden, hätte der in Teilen marode Zustand dieses Bauwerks auffallen müssen. Der Sparzwang rächt sich. Jetzt steht der Neubau der Tiefgarage im Raum. Der soll billiger als die Instandsetzung sein.
Doch müssen die 3,6 Millionen Euro, ergänzt um weitere 4 Millionen Euro für eine Rathaus-Erweiterung, sofort investiert werden? Ich meine Nein: Sanierungs-, und Erweiterungsprojekte (vor allem im schulischen Bereich) mit einem Umfang von inzwischen über 100 Millionen Euro stehen auf der Warteliste. Sie sind dringender, haben ältere Rechte.
Natürlich ist es schön, direkt von der Tiefgarage trockenen Fußes ins Büro zu gehen. Und darum stellvertretend für alle Arbeitnehmer, die einen „Firmenparkplatz“ haben, ein Dankeschön an die Unternehmen, die diesen Luxus bieten. Zumindest eine Zeitlang sollten die Rathaus-Mitarbeiter auf ihren TG-Stellplatz verzichten. Sie können ausweichen: In Rufweite, im Parkdeck Naabwiesen, waren am Freitagvormittag 234 Stellplätze frei. Ein Wort zur Rathauserweiterung: Freie Büroflächen gibt’s auch künftig in der Innenstadt zur Genüge. Sinnvolle Einheiten für eine „Aussiedlung“ werden sich finden lassen.

Josef Johann Wieder

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