Keine leichte Aufgabe hat der Vohenstraußer Stadtpfarrer Alexander Hösl vor einigen Monaten übernommen. Als Chef eines Groß-Dekanats mit 46 Pfarreien ist er schon zu normalen Zeiten sehr gut beschäftigt. In der aktuellen Energiekrise muss er sich nun mit einem zusätzlichen Problem auseinandersetzen: Wie können die Pfarrgemeinden Strom und Energie sparen? Hösl will im November bei der nächsten Pfarrerkonferenz mit Bischöflichem Baudirektor Paul Höschl einen Experten zu Rate ziehen. "Ich kann da keine Regeln vorgeben. Es ist ja in jeder Kirche anders", erklärt der Dekan.
Ein wichtiger Aspekt beim Energiesparen in den Gotteshäusern sei die Frage: "Wie weit kann man runtergehen, ohne dass die Orgel und die Ausstattung Schaden nimmt?" Weiter wichtig: "Wie steht es mit dem Mauerwerk? Welche Heizung ist vorhanden? Handelt es sich um eine Bankheizung, dann läuft die ja eh nur während des Gottesdienstes. Vermutlich wird es bei den meisten billiger sein, die Temperatur konstant zu halten." Wie schon während der Einschränkungen in der Coronakrise werde er in Vohenstrauß die Raumtemperatur in der Stadtpfarrkirche so halten, "dass sie gerade noch erträglich" ist.
Vohenstrauß gut gerüstet
Grundsätzlich sei er als Stadtpfarrer in Vohenstrauß in einer sehr komfortablen Lage, weil sämtliche kirchlichen Gebäude samt Kindergarten mit Hackschnitzel-Fernwärme versorgt werden. Das neue Pfarrheim sei energetisch auf neuestem Stand. "Aber das Holz wird ja auch immer teurer. Und es ist ein Akt der Solidarität, Energie zu sparen", betont Hösl. Der Bürobereich im Pfarrhaus sei wie in allen öffentlichen Gebäuden auf 19 Grad reguliert. Der Dekan werde auch beim Stromverbrauch den Rotstift ansetzen: "Wir werden heuer zwar wieder einen Christbaum haben, aber die Beleuchtungszeit reduzieren."
Dekan Thomas Guba aus Weiden wird ebenfalls gut abwägen: "Wir werden bestimmt nicht mehr Leute in die Kirche bekommen, wenn sie eiskalt ist. Man sollte sich darin schon noch wohlfühlen können." Er spricht von einem Spagat, der den Pfarrgemeinden abverlangt werde. "Dazu kommt, dass Corona immer noch nicht vorbei ist." Er überlege, in den Kirchen Decken auszulegen, "was angesichts des Infektionsgeschehens zur Zeit eigentlich kontraproduktiv ist". Eine gute Lösung sei, die Gottesdienste in Gemeindehäuser zu feiern. Diese "Winterkirchen" seien besser und sparsamer beheizbar. Bis Weihnachten plant Guba vorerst mit keinen großen Veränderungen. "Wir haben die neuen Preise ja noch gar nicht erhalten. Erst dann werden wir eine Entscheidung treffen und die dann durchziehen", so der Dekan.
Hoffen auf milden Winter
Auf einen milden Winter hofft die Rothenstädter Pfarrerin Heidi Landgraf. Sie hat jedoch nicht nur im Pfarrhaus mit ihrer Familie das Heizverhalten grundlegend geändert. Auch in den Räumen ihrer Pfarrgemeinde Rothenstadt/Etzenricht/Wernberg-Köblitz ließ sie sämtliche Thermostate überprüfen. "Wir werden wie im vergangenen Jahr ab dem ersten Advent die Gottesdienste von den Kirchen ins Albert Weidner-Haus nach Etzenricht verlegen, weil wir da die Heizung regulieren können. Die Heizungen in alten Kirchen kann man nur aus- oder einschalten. Wenn sie läuft, pullert sie voll. Da fließt das Geld nur so durch die Leitungen." Lediglich in der relativ jungen Wernberger Kirche könne man die Heizung regulieren.
Die Gläubigen habe sie aufgefordert, sich entsprechend warm anzuziehen. "Wir überlegen, in den Kirchen Decken auszulegen. Falls es im November schon sehr kalt wird, werden wir eben eher ins Gemeindehaus umziehen", erklärt die Pfarrerin. Sämtliche Gruppen und Kreise wie zum Beispiel der Posaunenchor seien angewiesen, die Heizkörper im Gemeindehaus höchstens auf Stufe drei hochzudrehen. "Unsere Konfirmanden sitzen mit Jacken drin. Das kann ich aber von den älteren Herrschaften vom Seniorenkreis nicht verlangen, da müssen wir schon heizen." Der Luxus früherer Winter, wo man alle Räume immer gleichmäßig temperiert hielt, sei vorbei. "Das ist schon ein krasser Einschnitt. Aber die Leute haben Verständnis dafür. Jeder muss sparen. Wir auch."
Tipps vom Experten
Bischöflicher Baudirektor Paul Höschl wird den Teilnehmern der Pfarrerkonferenz vor allem ans Herz legen, das Raumklima genau zu betrachten und erst dann zu handeln: "Intuitives Verhalten, das sicherlich gut gemeint ist, kann manchmal kontraproduktiv sein." Er verweist auf die Handlungsempfehlungen des Bistums zum verantwortungsbewussten Temperieren von Kirchen im Winter 2022/2023. Darin heißt es: "Grundsätzlich sind Kirchen und deren Ausstattung Veränderungen der Raumtemperatur gegenüber sehr tolerant, sofern diese langsam erfolgt. Gerade in historischen Kirchen mit dicken Außenwänden sinken die Temperaturen über einen langen Zeitraum, sie kühlen nicht unmittelbar aus. Für die wasserführenden Leitungen ist aber wichtig, dass die Kirche frostfrei bleibt."
Höschl gibt zu bedenken: "Besonders die organischen Werkstoffe, die häufig in Kirchen, Orgeln und Ausstattungen verarbeitet wurden, reagieren direkt auf Schwankungen der relativen Luftfeuchtigkeit. Wird die Luft trocken, geben sie Feuchtigkeit ab, sie können reißen. Wird die Luft feuchter, nehmen sie Feuchtigkeit aus der Umgebung auf oder die feuchte Luft kondensiert an den Oberflächen. Das kann zu Schimmelpilzen führen."
Feuchtewerte kontrollieren
Um Schäden an Gebäude, Ausstattung und Orgel zu vermeiden, sollte die relative Raumluftfeuchte im Bereich von 45 bis 70 Prozent liegen und möglichst wenig schwanken. Besonders kritisch seien kurzfristige Veränderungen der Luftfeuchte, etwa durch ein Hochheizen oder offene Türen im Frühjahr, wenn viel feuchte warme Luft in den Innenraum strömt. Das Ziel in diesem Herbst und Winter sollte daher sein, die maximal mögliche Temperaturabsenkung zu realisieren: "Die Temperatur soll so weit reduziert werden, dass ein Höchstwert der relativen Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent nicht überschritten wird und es so zu Schäden kommt. Wichtig ist daher, die Feuchtewerte der Raumluft ständig zu kontrollieren, sie bestenfalls mit Hilfe eines Datenloggers zu messen und auszuwerten."















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