29.07.2021 - 17:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Pilotprojekt Mooslohe nimmt Hürde: Planer erschließen Baulücken in Weiden

Sein 60-Jähriges soll der Bebauungsplan Mooslohe nicht mehr erleben. Er ist zu starr, veraltet und landet im Papierkorb. Vier neue moderne Bebauungspläne ersetzen ihn, lassen neues Baurecht zu. Das Pilotprojekt kommt in Weiden an

Im Stadtteil Mooslohe können künftig viele Grundstücke zusätzlich baulich genutzt werden. Der Blick auf die Mooslohstraße und den Merklsteig (ganz rechts) zeigt auch die großen Gärten. Luftbild: Michael Ascherl
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die "alten Stadtteile" Weidens sollen attraktiver, moderner werden, vor allem sollen die teils noch sehr großen Grundstücke stärker genutzt werden - für Anbauten, Aufstockungen, aber auch für Häuser in der zweiten Reihe auf den oft vorhandenen "Handtuchgrundstücken". Den Vorreiter macht der Stadtteil Mooslohe.

Der Bebauungsplan datiert aus dem Jahr 1964. Er wird aufgehoben, durch vier neue moderne Bebauungspläne abgelöst. Für das Gebiet Hauff-/Bechsteinstraße, dessen bauliche Entwicklung abgeschlossen ist, gibt es keinen weiteren Bebauungsplan. Oberbürgermeister Jens Meyer spricht bei der Bürgerinformationsveranstaltung in der Max-Reger-Halle am Mittwochabend von einem Pilotprojekt, nach dem auch andere Stadtteile untersucht und aufgewertet werden.

Öffentlich ausgelegt

Diese zweite öffentliche Bürgerinformation, die erste fand bereits im Oktober 2019 statt, bezeichnet Stadtplaner Adrian Merdes vom Team Büro Markert (Nürnberg) als Einstieg in den Vorentwurf der neuen Bebauungspläne, die vom 10. August bis zum 9. September für die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit im Rathaus ausgelegt sind. Damit haben die Bürger und Fachbehörden die Möglichkeit, erneut ihre Stellungnahmen mit Anregungen abzugeben.

Mit den Planern hofft auch Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel, dass die Bürger die Chance nutzen und ihre Anliegen einbringen. Schließlich liege es an den Eigentümern der Flächen, dass sie die gewünschte Innenverdichtung umsetzen. Dazu wolle man eben versuchen, die Vorstellungen möglich gut zu übernehmen. "Wir wollen ja nicht für die Schublade arbeiten", so Seidel. Es sei klar, dass bei der Nachverdichtung in gewachsene Gefüge in den Baugebieten eingegriffen werde. "Alle müssen auch Veränderungen zulassen wollen. Es kommt uns darauf an, dass die von der Veränderung Betroffenen sich gerne äußern, damit wir ihre Interessen berücksichtigen können. Jede Kritik ist willkommen."

"Um Welten besser"

Herzlich willkommen heißt OB Jens Meyer am Mittwochabend die Gäste aus der Mooslohe. Es sind aber gerade mal ein gutes Dutzend Grundstückeigentümer, die sich aus erster Hand informieren lassen. Auch dafür zeigen Meyer und Seidel Verständnis. Grundstücksangelegenheiten seien nun mal etwas ganz Privates. Darum seien Besucher aus der Mooslohe gern im Rathaus zum intensiven Gesprächen gesehen.

Richard Dütsch, der zweimal in Weiden gebaut hat, macht sich zum Schluss zum Sprecher der Bürger: Die Entwürfe der neuen Bebauungspläne seien "um Welten besser und bürgerfreundlicher" als die Vorgaben im "64-er Plan", betont er.

Deutlich "übernutzt"

Mit seinen engen und starren Regelungen ließ der uralte Bebauungsplan kaum Weiterentwicklungen zu. Und so stießen die Planer bei der Bestandserhebung auf eine Vielzahl von "Übernutzungen". Das heißt: Im Vergleich zum geltenden Bebauungsplan wäre künftig eine zusätzliche Geschossfläche von fast 63 000 Quadratmetern (etwa 700 je 90 Quadratmeter große Wohnungen) möglich. Allerdings sind bereits 20 000 Quadratmeter Geschossfläche vorhanden, die im geltenden Planwerk gar nicht vorgesehen sind. Dennoch ist - durch An- und Ausbauten sowie Häusern in zweiter Reihe - eine zusätzliche Geschossfläche von 42 200 Quadratmetern möglich, was wiederum etwa 470 je 90 Quadratmeter große Wohnungen zulässt.

Der attraktive Stadtteil Mooslohe (insgesamt rund 3500 Bewohner) könnte also immer noch kräftig wachsen. Auf den mitunter sehr tiefen Grundstücken kann bereits im Abstand von 5 Metern zum Bestand ein weiteres Wohnhaus (zwei Wohneinheiten) gebaut werden. Bei seiner Suche hat das Team Büro Markert auch ein halbes Dutzend größeren Flächen gefunden, die baulich gänzlich genutzt werden können. Problematisch ist allenfalls die verkehrliche Erschließung über den Grund des "Vorderliegers".

Unbeantwortet bleibt bisher die Frage nach der Zukunft des Rehmühbachs (auch Stadt- oder Werkbach), der durch die Bibertätigkeit am Oberlauf nur noch selten Wasser führt. An den Bachlauf soll auch weiterhin nicht zu nahe gebaut werden. Doch auch die Umwandlung in einen Grünzug mit Radlweg ist im Gespräch.

Hintergrund:

Neue Chancen eröffnet

  • Mehr Fläche.Terrassen und auch Wintergärten werden nicht in die Berechnung der Geschossflächen aufgenommen
  • Mehr Grün.Versiegelte Parkplätze in der Fliederstraße sollen aufgebrochen, begrünt, Autos in Parkdecks/Tiefgaragen abgestellt werden
  • Mehr Ordnung. Wandhöhen und maximale Hauslängen werden vorgegeben, die sich am Bestand orientieren und sich in die städtebaulichen Strukturen einordnen

 

 

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