12.08.2019 - 11:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Polizei durchschaut Schnitzelbestellungen

Er darf Marihuana wegen seiner schweren Behinderung sogar legal beziehen. Trotzdem gerät ein 22-Jähriger mit dem Gesetz in Konflikt. Denn der Verkauf ist illegal. Das Schöffengericht verurteilt ihn zu einer Bewährungsstrafe.

Symbolbild
von Autor RNSProfil

Er darf Marihuana wegen seiner schweren Behinderung sogar legal beziehen. Trotzdem gerät der 22-Jährige mit dem Gesetz in Konflikt. Denn der Verkauf ist illegal. In der Apotheke koste das Gramm 20 Euro und von den Krankenkassen sei das nicht übernommen worden, berichtete der Angeklagte vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Hubert Windisch. Deshalb sei er auf die "bescheuerte Idee" gekommen, sich durch Handel mit Drogen seine Kasse aufzubessern, um seinen Konsum finanzieren zu können.

Erwischt worden war der 22-Jährige, weil ein 29-Jähriger bei einer Routinekontrolle durch die Polizei gesagt hatte, er sei "gerade auf dem Weg zum Marihuanakauf". Gleichzeitig läutete das Handy des Mannes. Die Beamten stellten den Anrufer fest, durchsuchten sogleich seine Wohnung und fanden dort Rauschgift, etliches Dealer-Zubehör und 790 Euro Drogengeld. Alsbald gestand der 22-Jährige, dass er mehrfach Handel getrieben hatte und nannte eine Reihe von Abnehmern, aber auch Lieferanten. Die wurden einer nach dem anderen gefasst.

Wenig "verdient"

In der Verhandlung stellte sich heraus, dass der Mann kein Profi-Dealer sei. Nach den Aussagen seiner Käufer und Verkäufer hatte er mit seinem Handel keine großen Gewinne gemacht.

Ein Kriminalpolizist des Drogendezernats berichtete, dass die Geschäftsanbahnungen per Whatsapp wenig raffiniert verschlüsselt worden seien. Bestellungen von "100 Schnitzel zu 8 Pommes" oder "50 Schokoriegeln" habe die Polizei leicht durchschaut.

In der Wohnung des Hauptlieferanten, eines Ledigen aus dem Landkreis Neustadt/WN, hatte die Polizei noch 37 Gramm gefunden. Der 35-Jährige, dessen Verhandlung noch ansteht, packte in seinen polizeilichen Vernehmungen und als Zeuge ebenfalls aus.

Geständnis strafmildernd

Das wirkt sich regelmäßig bei der Strafbemessung günstig aus. So auch bei dem Angeklagten. Staatsanwältin Sandra Dechant hielt dem angeklagten 22-Jährigen eine "massive Aufklärungshilfe" zugute, sein Geständnis und, dass es sich um sogenannte "weiche Drogen" gehandelt hatte. Sie forderte ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten, da der junge Mann nur ein Mal - wegen einer jugendtypischen Verfehlung - vorbestraft war.

Rechtsanwalt Rouven Colbatz wies darauf hin, dass eine Arbeitsauflage wegen der Behinderung seines Mandanten schwierig sei. 790 Euro aus dem Gewinn der Drogengeschäfte seien schon sichergestellt und deswegen könne man auf weitere, wie von Dechant geforderte, Einziehung verzichten.

Richter Windisch entsprach bei der Dauer der Bewährungsstrafe dem Antrag der Staatsanwältin, bei der Einziehung des Drogengelds dem des Verteidigers. Das Gericht stellte dem Verurteilten einen Bewährungshelfer zur Seite. Außerdem muss der junge Mann 600 Euro an die Caritas-Suchtberatung zahlen.

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