Selbst Professoren, deren Laufbahn schon einige Meilensteine der OP-Technik gesäumt haben, geraten ins Schwärmen. "Keine deutsche Uniklinik kann etwas Besseres haben, weil es nichts Besseres gibt", unterstreicht Karl-Heinz Dietl, Chefarzt der Allgemeinchirurgie.
Sein Bereich ist neben der Urologie und der Gynäkologie vorerst der einzige, wo Kollege Da Vinci zum Einsatz kommt. Urologe Thomas Bschleipfer hat am 10. April den allerersten Da-Vinci-Eingriff in Weiden vorgenommen. Zuvor wurden er, seine Kollegen und anderes OP-Personal ein halbes Jahr in Trainingszentren geschult.
Bevor ein Arzt nicht mindestens 40 Simulationsstunden hinter sich hat, darf er den Roboter nicht bedienen. Dabei übt der Mediziner zuerst an der Konsole. Los geht's mit virtuellen Dominosteinen. Die sind so zu schlichten, dass sie nicht umfallen. Später nimmt der Arzt Operationen an einem Schwein vor und danach an Leichen.
Die Anschaffung ist indes nicht ganz billig, sagt Manfred Tretter, der Finanzchef der Kliniken AG. 2,6 Millionen Euro kostet der Roboter samt Zubehör wie OP-Tisch und Sterilisationsgeräten. Die Finanzierung erfolgt auf Leasingbasis über pauschale Fördermittel, die der Freistaat der Kliniken AG zur Verfügung stellt.
Die AG hat sich die allerbeste Da-Vinci-Variante gegönnt, die Version XI - "den Mercedes", wie Dietl sagt. Darin sind während der OP zum Beispiel MRT-Bilder einblendbar, ferner kann eine Datenbank über die beste Vorgehensweise aufgebaut werden.
Das ist beileibe kein Spielzeug für ambitionierte Chirurgen, erläutert Egginger. Auch die Entscheidungsträger im Vorstand, der immer unter Kostendruck steht, hätten den Mehrwert erkannt. Der liegt darin, dass Kliniken, die bei der OP-Technik sparen, über kurz oder lang den Anschluss und ihre Kunden verlieren. "Die Patienten stimmen mit den Füßen ab", betont Dietl. Deshalb hätten sich auch Vertreter des Pflegepersonals für die Anschaffung eingesetzt, sagt stellvertretende Pflegedirektorin Michaela Hutzler. "Operieren bleibt einfach Mannschaftssport", bekräftigt Bschleipfer. Mindestens 200 Mal im Jahr soll Da Vinci zeigen, was er kann. Nicht um jeden Preis, erklären die Ärzte. "Bei voroperierten Patienten ist es nicht optimal", sagt Klotz. Und die Kassen zahlen auch nur die blanke OP, egal ob sie ein Arzt mit Tupfer und Skalpell mit den Händen vornimmt oder ein Präzisionsroboter.
Der Roboter Da Vinci Xi gilt als führende Technik in der minimal-invasiven Chirurgie. Einziger Hersteller ist ein kalifornisches Unternehmen. Der Da Vinci besteht aus einer Steuerkonsole, an der ein Chirurg sitzt, sowie vier mit Instrumenten bestückten Armen über dem OP-Tisch. Dazu kommt ein großer Bildschirm zur Steuerung der dreidimensionalen Kamera und des Lichts. Der Operateur erhält über die Konsole ein vergrößertes 3-D-Bild des Operationsfelds und kann damit die Arme des Roboters mit Instrumenten wie Schere oder Zange millimetergenau im Körper des Patienten bewegen. Probleme wie Händezittern sind damit ausgeschlossen. „Außerdem lässt sich der Roboter nicht von attraktiven OP-Schwestern ablenken“, flachsen Professor Karl-Heinz Dietl und seine Kollegen Theodor Klotz und Thomas Bschleipfer. „Die Enden der Roboterarme können auf engstem Raum beweglicher als ein Handgelenk eingesetzt werden“, erklärt Dietl. Der Chirurg kann dadurch bei besserer Sicht so zielgenau wie möglich arbeiten. „Bei weniger Wundschmerz und weniger Blutverlust“, ergänzt Klotz. „Der Patient ist danach schneller wieder auf den Beinen. Wir können damit jedem die optimale OP-Methode bieten.“ (phs)














Schnitt in die richtige Richtung
Gegrummel dürfte vorprogrammiert sein. In Waldsassen macht die Kliniken AG die Chirurgie dicht, beim Haus Vohenstrauß diskutiert sie eine vorübergehende Schließung, und die in Weiden gönnen sich einen Nobelroboter für 2,6 Millionen Euro.
Trotzdem ist die Entscheidung richtig. Denn der OP-Roboter ist ein Standortfaktor, den aufgeklärte Patienten sehr wohl im Blick haben. Die nächsten Exemplare stehen in Regensburg und Hof. Der Einzugsbereich dazwischen ist das hart umkämpfte Geschäftsgebiet der Kliniken Nordoberpfalz AG, in dem auch Unikliniken wildern.
Ein exzellenter Operateur stößt ohne exzellente Maschinen an Grenzen, und ohne exzellente Pflege ist ein guter Ruf nicht zu holen oder zu halten. Die Kliniken AG arbeitet massiv daran, dieses Gesamtpaket anzubieten. Ein Indiz ist die spürbare Begeisterung und der Ehrgeiz, den Ärzte und Pfleger an den Tag legen, um den OP-Roboter bestmöglich einzusetzen. Er macht ihre Arbeit höchstens ein bisschen bequemer, weniger wird sie durch Da Vinci bestimmt nicht.
Von Friedrich Peterhans