22.09.2020 - 15:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rätsel Bahnübergang: Warnung vor dem Zug, der nicht kommen will

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Mit Rotlicht und Signalruf warnt der Bahnübergang nahe der Gaststätte Alpenrose vor einem herannahenden Zug. Dann senkt sich die Halbschranke. Jedenfalls auf einer Seite. Die Autos halten. Ein Zug aber kommt nicht. Trotzdem wird's brenzlig.

Das akustische Warnsignal ist deutlich, das rote Licht leuchtet, aber nur eine Halbschranke ist geschlossen. Ein Zug kommt und kommt nicht. Die ersten Verkehrsteilnehmer wollen deshalb den Bahnübergang in Richtung Latsch dennoch passieren. Dürfen Sie das? Die Bundespolizei informiert.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Der Bahnübergang spinnt. Das hört die Redaktion von Oberpfalz-Medien häufiger. Menschen berichten von Warnsignalen am Bahnübergang zwischen Pressather Straße/Ecke In der Weiding in Richtung Latsch. Auf einer Seite würde die Schranke schließen. Auf der anderen nicht. Und dann heißt es Warten auf einen Zug, der einfach nicht kommen will. Doch auch das hat mitunter gefährliche Folgen.

Trotz Warnung über Bahnübergang

Denn die Schlange der Verkehrsteilnehmer vor dem Bahnübergang hier wie da wird länger, die Geduld kleiner. Und so machen sich die ersten auf, den Bahnübergang trotz der Warnsignale zu überqueren, um endlich weiter zu kommen. Das dokumentieren Bilder, die Oberpfalz-Medien vorliegen.

Ein Bahnsprecher informiert auf Nachfrage an fraglicher Stelle über "wiederholte kleinere Störungen Anfang September, die zeitnah behoben wurden". Hier sei auch der Schrankenantrieb betroffen gewesen. "Mittlerweile sind einige Bauteile sowie der Schrankenmotor des Bahnübergangs ausgetauscht worden, und die Anlage funktioniert wieder einwandfrei." Allerdings könne die Schranke in Ausnahmefällen wieder schließen, ohne dass ein Zug den Bahnübergang bei Latsch passiert. "Dabei handelt es sich nicht um eine Störung", informiert der Bahnsprecher. Würden sich die Schranken doch auch schließen, sobald ein Fahrzeug einen entsprechenden Einschaltkontakt befährt. "Dies kann an dem betreffenden Bahnübergang auch durch Rangierfahrten auf einem naheliegenden Anschlussgleich ausgelöst werden."

Rätsel nach Unfall mit Zug

Schlagzeilen machte der besagte Bahnübergang zuletzt im Februar 2019. Damals krachte an dieser Stelle ein Zug in ein Auto. Der Autofahrer beharrte darauf, dass die Schrankenanlage nicht funktionstüchtig gewesen sei. Der Fall ist noch nicht geklärt. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu laufenden Verfahren grundsätzlich nicht äußern", heißt es seitens der Bahn.

Grundsätzlich betont der Bahnsprecher, der besagte Bahnübergang in Weiden "weist keine auffällige Häufung von Störungen auf". Würde doch die Funktionalität aller Bahnübergänge durch verbindlich vorgeschrieben Inspektions- und Wartungsfristen sichergestellt und ständig überprüft. "Überdies haben technische Anlagen eine selbstständige Fehlererkennung." Alle zwei Jahre fänden zudem Verkehrsschauen statt, bei denen Gemeinden, Ordnungsbehörden und die Bahn prüfen, ob die Ausstattung der Anlage noch ausreichend ist. Nach Unfällen würden darüber hinaus Sonderverkehrsschauen durchgeführt.

Zug kracht in Auto

Weiden in der Oberpfalz
Defekter Bahnübergang, richtiges Verhalten:

Defekter Bahnübergang, richtiges Verhalten

Ein Sprecher der Bundespolizei Waidhaus informiert über das richtige Verhalten an Bahnübergängen im Allgemeinen - sowie insbesondere an defekten Bahnübergängen.

  • Grundsätzlich gilt am Bahnübergang: Schienenfahrzeuge haben Vorrang (§ 19 StVO).
  • Der Straßenverkehr darf sich nur mit mäßiger Geschwindigkeit dem Bahnübergang nähern.
  • Das Andreaskreuz ist ausschlaggebend: Fahrzeuge haben vor dem Andreaskreuz, zu Fuß Gehende in sicherer Entfernung vor dem Bahnübergang zu warten, wenn 1. sich ein Schienenfahrzeug nähert, 2. rotes Blinklicht oder gelbe oder rote Lichtzeichen gegeben werden, 3. die Schranken sich senken oder geschlossen sind, 4. ein Bahnbediensteter Halt gebietet oder 5. ein hörbares Signal, wie ein Pfeifsignal des herannahenden Zuges, ertönt.
  • Kann der Bahnübergang wegen des Straßenverkehrs nicht zügig und ohne Aufenthalt überquert werden, ist vor dem Andreaskreuz zu warten.
  • Was droht demjenigen, der den Übergang trotz Warnsignale passiert? Bei geschlossenen Halbschranken werden laut Bußgeldkatalog 700 Euro fällig. Zudem setzt es drei Monate Fahrverbot. Bei geöffneten Halbschranken gibt es 240 Euro Bußgeld plus einen Monat Fahrverbot.
  • Gilt der Bußgeldkatalog auch, wenn der Übergang augenscheinlich defekt ist? Hier gilt die sogenannte "Doppelte Vorsicht" im Straßenverkehr für jeden einzelnen Verkehrsteilnehmer. Das bedeutet, dass jeder Verkehrsteilnehmer auf Höhe des Andreaskreuzes zu halten und sich zu vergewissern hat, dass kein Schienenfahrzeug naht. Im Anschluss hat der Straßenverkehrsteilnehmer den Bahnübergang zügig zu räumen.
  • Zudem wird empfohlen, vor Überfahren des augenscheinlich defekten Bahnüberganges die 110 zu wählen, um eine Absicherung des Bahnübergangs durch die Polizei (Landes- oder Bundespolizei) beziehungsweise durch die Bahn durchzuführen - bis der Defekt behoben ist.

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