16.07.2019 - 12:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rätsel um Kokain-Dealer

Eigentlich ging es vor dem Weidener Schöffengericht um einen Kokain-Deal. Doch dann nahm die anfangs unkompliziert verlaufende Verhandlung eine plötzliche Wendung.

Symbolbild.
von Autor hczProfil

Vor Richter Hubert Windisch und den Schöffen stand ein 23-jähriger Weidener. Staatsanwältin Carina Särve warf ihm vor, im Mai vergangenen Jahres zehn Gramm Kokain an einen 26-Jährigen verkauft zu haben. Der in Fürth wohnhafte Mann war der Polizei als Kleindealer bekannt, wurde wenige Tage nach dem Deal mit dem Weidener festgenommen und sagte in seiner eigenen Verhandlung aus, dass er das Rauschgift von diesem gekauft hatte. Außerdem hatte die Polizei durch Telefonüberwachung festgestellt, dass der früher auch in Weiden Wohnende seinem Bruder die Telefonnummer des 23-Jährigen zum Zweck von Rauschgiftgeschäften gegeben hatte. Zudem hatte der von Rechtsanwalt Tobias Konze verteidigte Weidener bereits zu Beginn der Verhandlung die Tat unumwunden zugegeben. Er sei damals in Geldnöten gewesen und sei deshalb auf die dumme Idee gekommen, etwas „Stoff“ zu verticken. Somit wäre eigentlich alles klar gewesen.

Dann die plötzliche Wende. Der als Zeuge erschienene Fürther, wegen des Kokainkaufs und anderer Delikte zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt, sagte aus, dass er nicht von dem heutigen Angeklagten gekauft habe. Dies sei „ein anderer Josef“ (Name von der Redaktion geändert) gewesen. Auf Vorhalt, dass er doch in seiner eigenen Verhandlung den Angeklagten Josef G. als Verkäufer benannt hatte, meinte der jetzt 27-Jährige, dass er damals nach achtstündigem Prozess nicht mehr gekonnt habe und den von der Staatsanwaltschaft genannten Namen einfach bestätigt habe. Trotz mehrerer Hinweise darauf, dass er unter Bewährung stehe und dass er entweder jetzt eine – völlig unnötige – Falschaussage mache oder dass er in seiner Verhandlung den Weidener zu Unrecht beschuldigt habe, blieb der Mann bei seiner Behauptung.

Bei der Urteilsfindung habe sich vor allem die Frage gestellt, so Richter Windisch, warum der Zeuge so standhaft bei der für ihn folgenschweren Aussage geblieben war. Es werde jetzt auf jeden Fall eine Anklage entweder wegen Falschaussage oder wegen Falschbeschuldigung eingeleitet. Vielleicht sei es doch nicht ganz so gewesen, wie es der Angeklagte gestanden hatte. Auf jeden Fall aber hatte der Ledige mit dem Kokaingeschäft zu tun gehabt. Windisch und die Schöffen verurteilten ihn zu sechs Monaten auf Bewährung und, angesichts beengter finanzieller Verhältnisse, zu 500 Euro Geldauflage wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln.

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