05.09.2018 - 10:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Warum rastet der junge Mann aus?

Beleidungen, Tätlichkeiten und Alkohlmissbrauch - das Schöffengericht in Weiden verhandelt gegen einen 21-Jährigen.

Ein junger Iraker muss sich wegen mehrerer Delikte vor dem Schöffengericht verantworten.
von Autor RNSProfil

(rns) "Was ist los mit Ihnen? Warum führen Sie sich so auf?". Richter Hubert Windisch vermutet hinter der Häufung an Delikten eines 21-Jährigen, dass "etwas nicht stimmt mit ihm". Sechs Anklagen beim Schöffengericht am Dienstag, fünf oder sechs stehen beim Jugendschöffengericht noch an.

Ist es der Alkohol oder die Drogen? Der 2016 über die Balkanroute nach Deutschland gekommene Iraker jedenfalls sagte in der Verhandlung, dass er in seiner Heimat nicht so viel konsumiert hat.

An einiges, was Staatsanwalt Florian Bauer ihm am Dienstag vorwarf, kann sich der Ledige angeblich nicht erinnern. Am 2. Januar war er im Asylbewerberheim von zwei Security-Mitarbeitern angetroffen worden, obwohl er dort Hausverbot hatte. Dies war ihm schriftlich erteilt worden, weil er dort randaliert und Personen beleidigt hatte. Dabei seien Glasscheiben, der Feuerlöscher und anderes kaputt gegangen, berichtete der Leiter der Unterkunft als Zeuge.

Einem anderen Syrer hatte der Asylbewerber im Mai im City-Center das Gesicht zerkratzt, weil ihm dessen Begleitung nicht gepasst hatte. Mitte Mai, so eine weitere Anklage des Staatsanwalts, soll der, nun in Grafenwöhr untergebrachte, Angeklagte am ZOB einen russischstämmigen Deutschen beleidigt und ihm einen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben. Als die Mutter des Geschädigten dazwischen ging, wurde ihr auch gedroht. Nachdem der Iraker am 29. Mai am ZOB zwei Frauen als "Huren" bezeichnet und einer von ihnen eine Flasche in den Bauch gerammt hatte, wurde er zur Klärung des Sachverhalts von der Polizei aufgehalten. Das ließ sich der junge Mann nicht gefallen. Er beschimpfte und bedrohte die Polizisten, spuckte auf sie und schlug auf das Dienstfahrzeug ein. Schaden: 2850 Euro.

Um weitere Straftaten zu verhindern brachten die Beamten ihn zur Wache. Dabei wehrte er sich heftig und und musste schließlich in eine Zelle getragen werden.

An "nicht einmal die Hälfte" könne er sich erinnern, sagte der von Rechtsanwalt Hans-Wolfgang Schnupfhagn vertretene gelernte Schweißer. Wie lange er ein Hausverbot im Asylbewerberheim gehabt habe, sei ihm nicht klar gewesen. Außerdem sei er nicht drinnen gewesen, sondern nur an der Pforte, um sich Geld zu leihen. Den Mann, der ihn auf Russisch beleidigt hatte, habe er bestimmt nicht geschlagen oder bespuckt. Dieser war "mindestens doppelt so groß" wie er gewesen.

Die Verhandlung wird am Donnerstag um 8.30 Uhr fortgesetzt.

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