Weiden in der Oberpfalz
02.09.2018 - 15:21 Uhr

Reise durch Weidens Geschichte

“Des hob i ja noch nie g´sehn“, lautet der Kommentar, den mancher Gast bei einer besonderen Stadtführung mit Petra Vorsatz abgibt. Auch das Format ist für die Veranstalter neu - es geht irgendwie auch um Politik.

Schutz vor dem Regen unter dem Oberen Tor. Trotz des Wetters zieht der Marsch durch die Altstadt mit Petra Vorsatz viele Teilnehmer an. Es soll eine Neuaufage geben. Bild: R. Kreuzer
Schutz vor dem Regen unter dem Oberen Tor. Trotz des Wetters zieht der Marsch durch die Altstadt mit Petra Vorsatz viele Teilnehmer an. Es soll eine Neuaufage geben.

Die SPD hatte zu der Spurensuche in der Altstadt eingeladen, um verborgene Winkel und Kleinigkeiten aufzuspüren. Speziell für Einheimische wollten Hildegard Ziegler, Gabi Laurich, Brigitte Schwarz und Sema Tasali-Stoll zeigen, was diese vielleicht noch nie bemerkt hatten. Ein Anliegen der SPD-Stadträtinnen war, dass sich die Bürger mit ihrer Stadt identifizieren können. „Denn Heimatliebe kann auch ein Schutzschild für unsere Demokratie sein, wo bei manchen das Vertrauen in demokratische Institutionen kriselt, die politischen Ränder stärker und extreme Meinungen salonfähiger werden“, sagte Hildegard Ziegler an den Stufen des „Alten Schulhauses“. Das Quartett wollte ein Zeichen setzten abseits der üblichen politischen Veranstaltungen. „Eben mehr Bürgernähe, Aufmerksamkeit und Zuversicht getreu dem Motto des österreichischen Bundespräsidenten: ,Wer seine Heimat liebt, spaltet sie nicht.'"sagte Ziegler.

Ihre geschichtliche Führung eröffnete Vorsatz gleich an der nahen St.-Michaels-Kirche mit dem Ölbergrelief an der östlichen Wand. Davor liegt ein Pflasterstein mit dem Jahreszeichen 1759. Dieser erinnert an den Turmeinsturz am 8. März jenes Jahres, bei dem der Türmer und seine beiden Gesellen ums Leben kamen. Die große Glocke, die auf dem Friedhof gefunden wurde, wurde repariert. Sie sollte erst eingeschmolzen werden. Von hier aus kam der Blick nach Westen zum Beinhaus mit der noch heute sichtbaren mehreckigen Form des Turmes. An der Hausmauer zeigte Vorsatz eine Statue des Heiligen Oswald, Patron dieser Friedhofskapelle. Es handelt sich um ein Werk von Günther Mauermann. Hoch unter dem Giebel sahen die 35 Interessierten bei Regenwetter eines der wenigen Überreste aus alter Zeit, den Schmerzensmann Jesus, der hier mit einem Totenkopf abgebildet ist.

Interessantes erzählte Petra Vorsatz über das nahe Obere Tor, das 1911 abgebrochen wurde. Sie zeigte ein Bild von damals. Mit aufgespannten Regenschirmen ging es zur Sonnenuhr, dem ältesten Zeitmesser am Rückgebäude des Alten Schulhauses und hinauf zur Postgasse. Dort wies die Leiterin des Amtes für Stadtgeschichte, Kultur und Tourismus auf Zeichen der Freimaurer hin.

Am unteren Markt 6 befindet sich das einzige Rokokotor. Im großen Hausflur erinnert eine eingelassene Tafel an die Schlossbräu Gänlas. Vorsatz führte zurück in das 16. Jahrhundert, an die Wirtshaustradition um 1592, als die Tochter Barbara Tuchel einen Gastwirt heiratete.

Vorsatz erinnerte an die 1930er Jahre, als Adolf von Grafenstein den "Goldenen Löwen“ unterhielt. Weiter ging es in die Wirtsgasse zu zwei Kunstwerken von Lutz Zettler, der in Keramik modellierte und an die Macher der Wirtsgasse erinnerte. Dann streifte die Führung die Hutergasse mit der erhaltenen gotischen Eisentür. Es ging zum Mauermannbrunnen, der Motive der Stadtgeschichte, kirchliche Sagen und Beispiele der Oberpfälzer Mundart trägt. Viele Teilnehmer versuchten, diese Dialekt-Inschrift zu lesen.

Am Eingang zum Max-Reger-Park zeigte Vorsatz den Gedenkstein, der an die Errichtung des Parks durch Bürgermeister Hans Schelter erinnert. Nur mit Spenden ließ er den Park anlegen. Sie verwies auf den Spruch "Nur im gemeinsamen Handeln liegt die Stärke." Richtung Marktplatz machte Vorsatz das Pflaster aufmerksam, das auf den Oktogonbrunnen zuläuft. Der Brunnen nimmt die Form auf. „Darauf hob i a nu niad gachtet“, sagte ein Mitgeher.

Zurück im Schulhaus trafen sich die Teilnehmer zu einem Glas Sekt, kamen ins Gespräch und Petra Vorssatz versprach, demnächst eine zweite Führung anzuberaumen. Sie soll etwas abgeändert sein und eine Überraschung bergen.

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