11.02.2020 - 16:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rettungsleitstelle zieht Bilanz: Mehr Einsätze 2019 für ILS

2019 bleibt die Region von Unwettern verschont. Das weist auch die Statistik der ILS Nordoberpfalz aus. Wird dies 2020 wegen "Sabine" anders sein? Leiter Jürgen Meyer winkt ab: "Wir haben nur einen kleinen Kratzer abbekommen."

Die ILS Nordoberpfalz blickt auf die Einsätze 2019 zurück (von links): Stellvertretender Leiter der Leitstelle, Robert Schmid, Landrat Andreas Meier, Geschäftsleiter Alfred Rast, Leiter der Leitstelle, Jürgen Meyer, stellvertretende Geschäftsleiterin Renate Nastvogel sowie die Disponenten Wolfgang Maier und Sarah Müller.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Eigentlich ging es bei der Bilanz für 2019 nicht um die aktuellen Einsätze von BRK und Feuerwehr, doch Orkan Sabine war am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz noch in aller Munde. 131 Notrufe gingen am Montag aufgrund des Sturms bei der Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz ein. Die meisten Anrufe kamen aus Neustadt.

Im vergangenen Jahr hat es zwar kein großes Unwetter gegeben, doch die Rettungskräfte hatten dennoch genug zu tun. Jürgen Meyer, Leiter der ILS, fasste 2019 in Zahlen zusammen.

Eine Übersicht seiner Präsentation zeigte, mit welchen Problemen sich die Disponenten tagtäglich im Schnitt befassen müssen. Dazu zählen 12 Herz- und Kreislaufbeschwerden, 8 THW-Einsätze, 10 Traumaverletzungen, 40 Krankentransporte, 2 verletzte Kinder, 5 Schmerzzustände, 5 Atemprobleme und 1 Wohnungsöffnung.

"Und jeden Tag ist einer dabei, der rotzbesoffen ist", bedauert Meyer. Dagegen sind die sogenannten "Hosentaschenanrufe" regelrecht unterhaltsam. "Das ist oft Entertainment für unsere Kräfte", sagt der ILS-Leiter schmunzelnd. Pro Tag kommt das rund 20 Mal vor.

Insgesamt ist die Zahl der Einsätze in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. 52.029 waren es 2019. Im Vergleich dazu 2018 mit 51.230 und 2017 mit 48.006.

14.731 Krankentransporte hatte es im vergangenen Jahr gegeben, 4403 Mal rückte das BRK wegen Herz- und Kreislaufproblemen aus und 3873 Mal wegen Verletzungen.

Babys haben es eilig

Unter Sonstiges (1960 Einsätze) fallen die Hausgeburten. 73 Mal war das Baby schneller, als die Mutter reagieren konnte.

Immer häufiger benötigten Kinder (unter 12 Jahre) Hilfe. Die Zahl der Einsätze ist um zwölf Prozent auf 667 gestiegen. In 202 Fällen handelt es sich um Verletzungen nach Stürzen oder Unfällen mit Fahrrad, Roller oder Hoverboard. 168 Mal waren Grippe, Fieber oder Bauchschmerzen der Auslöser. 16 Unfälle ereigneten sich in Kindergärten oder Schulen. Außerdem mussten 6 Kinder und 6 Säuglinge reanimiert werden.

Alkohol und Drogen

Einen Anstieg der Zahlen gab es bei Schlägereien (136) und Messerangriffen (5). Auch der Konsum von zu viel Alkohol, Drogen oder Medikamenten ruft die Retter auf den Plan. Hier weist die Statistik 217 Einsätze mit Notarzt und 314 ohne Notarzt aus. Einen Anstieg gab's auch bei den Suizidgedanken (141) und -versuchen (125).

Ebenfalls im Einsatz waren die Bergretter mit 16 (unwegsames Gelände, Skiunfälle) und die Wasserwacht (Personen in Wassernot, ins Eis eingebrochen) mit 23 Einsätzen.

Mehr eingeklemmte Personen

Der Rückgang der technischen Hilfeleistungen ist der Tatsache zu verdanken, dass im vergangenen Jahr nur zum Glück wenige Unwettereinsätze (243) nötig waren. Gestiegen ist lediglich die Zahl der eingeklemmten Personen von 167 auf 173. Unfälle mit verletzten Personen hat es 1045 gegeben.

Die Feuerwehren in der Region hatten 2019 mit einigen Großbränden zu kämpfen. Das teilt sich in Einsätze bei Firmen (30) und auf landwirtschaftlichen Anwesen (44) auf. Der Geruch (26) und Austritt (8) von Gas beschäftigte die Feuerwehren ebenso wie die Bergung von Personen.

Info:

Kritik an Reform der Notfallversorung

Sowohl Landrat Andreas Meier als auch ILS-Geschäftsleiter Alfred Rast machten bei der Jahrespressekonferenz der ILS Nordoberpfalz deutlich, dass sie von der geplanten Reform der Notfallversorgung nichts halten. Statt der bisherigen Notaufnahmen sollten die Patienten in sogenannten Notfallzentren behandelt werden. Sollte sich ein Krankenhaus dennoch um Notfälle kümmern, bekäme es nur die Hälfte der Kosten erstattet. "Das kann nicht sein", waren sich Meier und Rast einig. "Es scheint so, als wolle man die kleinen Häuser nicht mehr", bedauerte der Landrat.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.