Weiden in der Oberpfalz
28.11.2025 - 15:35 Uhr
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Rewe, Edeka, Aldi und Co.: Gibt es in Weiden zu viele Lebensmittelmärkte?

Auf dem früheren Real-Gelände in Weiden entsteht eine neue Rewe-Filiale. Viele hätten sich mehr Vielfalt statt eines weiteren Supermarkts gewünscht. Eine Analyse zeigt: Das Problem ist weniger die Zahl, sondern die Verteilung der Märkte.

Der geplante Neubau eines Rewe-Markts sorgt in Weiden für Diskussionen. Auf dem ehemaligen Real-Gelände an der Neustädter Straße laufen die Arbeiten bereits. Für Rewe ist es schon der vierte Standort in der Stadt. Begeisterung löst das allerdings nicht überall aus – für viele Weidener fühlt sich der Plan wie eine verpasste Chance an. In den sozialen Medien machen sie ihrem Unmut unter einem Beitrag von Oberpfalz-Medien Luft.

Ein Nutzer schreibt: „Und wieder geht ein guter Standort für ein Multiplex-Kino dahin.“ Eine andere Person wünscht sich „etwas für Kinder oder junge Menschen, eine Art Freizeitaktivität“. Und ein dritter bringt den Unmut vieler auf den Punkt: „Braucht keiner… Baut was hin, was noch nicht vorhanden ist. Supermärkte haben wir genug.“ Doch stimmt das wirklich? Gibt es zu viele Lebensmittelmärkte in Weiden?

Die Stadt verweist auf Nachfrage auf ihr Einzelhandelskonzept. Das Beratungsunternehmen Cima aus München hat 2022 untersucht, wie Weiden im Lebensmittelbereich aufgestellt ist. Anders als der normale Einkäufer unterscheidet das Konzept zwischen fünf Kategorien: Supermarkt, großer Supermarkt, Soft-Discounter, Hard-Discounter und SB-Warenhaus.

Besonders viele Discounter

Mehr als die Hälfte der Lebensmittelmärkte in Weiden sind Discounter wie Aldi, Lidl oder Norma. Sie bieten weniger Auswahl und stehen stärker unter Preisdruck. Supermärkte wie Rewe oder Edeka brauchen wegen ihres größeren Sortiments mehr Platz. Der frühere Real-Markt sowie die beiden E-Center an der Neustädter Straße und der Unteren Bauscherstraße zählen zu den großen Supermärkten. Die Kaufland-Filiale ist das einzige SB-Warenhaus.

Mit dem Neubau an der Neustädter Straße kommt nun ein weiterer Supermarkt hinzu. Rewe plant dort rund 2.300 Quadratmeter Verkaufsfläche, weniger als die Hälfte des vormals deutlich größeren Real-Markts. Das Handelsunternehmen betreibt in der Stadt bereits drei Filialen – genau wie Edeka oder Lidl. Auch in Altenstadt/WN gibt es seit 2024 einen neuen Standort. Warum Rewe trotz der hohen Marktdichte erneut baut? Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien teilt das Unternehmen nur mit: „Weiden ist für uns ein sehr attraktiver Standort.“

Doch wie schneidet Weiden im Vergleich zu anderen Städten ab? Cima hat Weiden mit anderen Kommunen verglichen. Städte wie Straubing, Memmingen oder Kempten haben pro Einwohner weniger Verkaufsfläche. Weiden sei daher sehr gut versorgt. „Mit 25 flächenstarken Anbietern der Betriebstypen Lebensmitteldiscounter, (großer) Supermarkt sowie SB-Warenhaus weist Weiden ein äußerst umfassendes Angebot auf“, schreibt das Beratungsunternehmen. Gleichzeitig warnt die Studie vor voreiligen Schlüssen: Nicht nur die Anzahl und Größe der Märkte seien wichtig, sondern auch ihre Lage.

Konzentration um den Stadtkern

In der Fläche ist Weiden deutlich schlechter aufgestellt. Das Angebot konzentriert sich laut Cima vor allem auf die „autokundenorientierte Standortlage im Kernstadtgebiet“. Die großen Märkte an der Unteren Bauscherstraße und der Neustädter Straße seien sowohl für die Stadtbevölkerung als auch für das Umland wichtig. In vielen Randgebieten sieht es dagegen schlecht aus. Die Stadtteile Rothenstadt, Fichtenbühl, Neunkirchen, Rehbühl, Mooslohe, Weiden-West und Weiden-Ost II haben kaum fußläufige Einkaufsmöglichkeiten.

Alkmar Zenger, Leiter des städtischen Bau- und Planungsdezernats, kennt die Gründe. Der heutige Zustand sei das Ergebnis jahrzehntelanger Planung. Größere Lebensmittelmärkte seien laut Verordnung nur in ausgewiesenen Sondergebieten zulässig. Die Stadtplanung orientierte sich damals stark am Auto. Eine gute Versorgung zu Fuß – besonders rund um die Altstadt – spielte kaum eine Rolle. „Es gibt natürlich viele ältere Bebauungspläne, die überarbeitet werden sollten“, sagt Zenger. Heute sei die Ausrichtung eine andere – neue Märkte sollen nicht mehr an den bekannten Standorten entstehen.

Keine Angebotserweiterung

Zenger hält die Kritik am neuen Rewe daher nur teilweise für berechtigt. „Beim ehemaligen Real-Gelände handelt es sich um eine Sondersituation“, sagt der Dezernatsleiter. Die Filiale ersetze lediglich den früheren Real-Markt, betont er. Von einer Angebotserweiterung könne daher nicht die Rede sein. Zudem könne die Stadt nicht beeinflussen, wo einzelne Unternehmen bauen wollen: „Darauf haben wir keinen Einfluss.“

Diese Einschätzung teilt auch Tobias Sonna, Sprecher des städtischen Einzelhandels. „Weiden ist im Vergleich mit anderen Städten bestens mit Lebensmitteln versorgt“, sagt er. Die hohe Zahl an Filialen sei an sich kein Problem – schließlich gäbe es sie nur, wenn sie wirtschaftlich gut liefen. „Der Kunde stimmt mit den Füßen ab“, erklärt der Experte. Kritischer sieht er dagegen die Lage in der Innenstadt und in den Randgebieten – besonders für ältere Menschen.

„Wir haben sehr viel Fläche auf der grünen Wiese für den Lebensmittelhandel ausgewiesen“, sagt Sonna. Für viele Bewohner am Stadtrand sei der Einkauf zu Fuß daher kaum mehr möglich. Um kleine Läden wieder zu stärken, müsse sich das Verhalten der Kunden ändern: „Man muss schon in jungen Jahren bereit sein, ein paar Cent mehr auszugeben, um den kleinen Lebensmittelladen um die Ecke halten zu können.“

Hintergrund :

Lebensmittel-Betriebstypen

  • SB-Warenhaus: Vollsortiment; autokundenorientiert; großzügige Warenpräsentation; Nichtlebensmittelbereich von 40 bis 60 Prozent
  • Großer Supermarkt: Vollsortiment; großzügige Warenpräsentation; Nichtlebensmittelbereich von 20 bis 40 Prozent
  • Supermarkt: Typischer Nahversorger mit Vollsortiment; Frische und Qualität; Markenartikel mit steigendem Anteil an Handelsmarken
  • Hard-Discounter: Autokundenorientiert; Preisführer; überwiegend Handelsmarken; Nichtlebensmittelbereich bis zu 20 Prozent
  • Soft-Discounter: Preisaggressiv; Eigenmarken mit ausgewählten Markenartikeln; teilweise Frische-Angebote

Quelle: Cima Beratung + Management GmbH 2022

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