Weiden in der Oberpfalz
11.04.2024 - 14:29 Uhr
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Risikogebiet Neustadt/WN-Weiden: So schützt man sein Haustier vor Zecken

2024 ist ein besonders zeckenfreudiges Jahr. Die Parasiten sind nicht nur für Menschen eine Gefahr: Besonders Haustiere mit Freigang sind durch Zecken bedroht. Eine Tierärztin verrät, wovor und wie man seine Vierbeiner schützen sollte.

Kommt die Katze von draußen heim, oder der Hundebesitzer kehrt mit Bello vom Gassigehen zurück, gehen viele Tierhaltern erstmal mit dem Kamm auf Suche: Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit stecken wieder häufig Zecken im Fell der Tiere. Menschen werden regelmäßig gewarnt: Zecken bringen gefährliche Krankheiten mit sich – Anaplasmose, Borreliose oder die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Besonders da die Oberpfalz – auch konkret der Landkreis Neustadt und die Stadt Weiden – Risikogebiet ist. Das Robert-Koch-Institut betont sogar, dass knapp jede dritte Zecke die Gefahr einer sogenannten "tick-born-disease" – also einer durch Zecken übertragenen Krankheit – mit sich bringen kann. Und können unsere Vierbeiner genauso treffen wie Menschen.

Tierärztin Yvonne Federl mit Praxis in Vohenstrauß erklärt dazu: "Die Gefahr für Tiere, insbesondere für Hunde, durch Übertragung von Krankheitserregern und Einzellern über den Speichel der Zecken ist groß. Deshalb sollte man die Zecken schnellstmöglich entfernen, weil die Übertragung einige Zeit dauern kann."

Zecke richtig entfernen

Dabei sollte darauf geachtet werden, den Parasiten fachmännisch und vor allem komplett zu entfernen. Die Medizinerin empfiehlt, den Zeck mit einem Haken langsam und nicht reißend herauszuziehen. Der Körper sollte nicht zerquetscht werden, da das den Speichel in den Wirt hinein drückt. Die Tierärztin rät davon ab, Öle oder scharfe Substanzen zu verwenden, um gegen den den Blutsauger vorzugehen: "Das löst beim Auftragen eine Art Todeskampf aus, bei dem der infektiöse Speichel aktiv in den Wirt ausgestoßen wird." Außerdem sollten Tierhalter darauf achten, dass keine Teile der Zecke zurückbleiben, da ansonsten Hautreizungen beim Tier auftreten.

Krankheiten können Hunde, Katzen, Pferde oder andere Tiere genauso wie Menschen treffen. Das betrifft die relativ bekannten Krankheiten Borreliose und FSME. Bei Tieren aber auch andere Infektionskrankheiten wie Anaplasmose, Babesiose, Ehrlichiose oder Rickettsiose. Laut Yvonne Federl, zeigen die Erkrankungen oft unspezifische Symptome wie Fieber, Mattigkeit, Unlust zum Gassi gehen, Lahmheit und Gelenkschmerzen. Unbehandelt können diese Krankheiten einen tödlichen Verlauf nehmen.

Nachweis über Blut

Sollte man den Verdacht haben, dass eine Krankheitsübertragung durch Zecken geschehen ist, kann problemlos ein Nachweis über Blut gemacht werden. Alternativ können auch Zeckenteile mittels PCR-Test im Speziallabor leicht auf Gehalt von Erregern getestet werden. "Die Untersuchung im Labor kann im Verdachtsfall einer Infektion darüber entscheiden helfen, ob eine Antibiose für den Patienten ratsam oder sogar dringend nötig ist."

Damit es nicht soweit kommt, gibt es auch verschiedene Produkte zur Vorbeugung. Gängig sind vier Varianten: Tabletten wirken für einen bis drei Monate, sind allerdings, vor allem für Katzen, nicht immer einfach zu verabreichen. Sogenannte "Spot-on"-Mittel werden direkt auf den Nacken aufgetragen und wirken ähnlich lange. Die Stelle sollte nach Auftragung für einige Stunden nicht berührt werden, da es sonst zu Hautirritationen führen kann. Ebenso sind Halsbänder möglich. Diese wirken für sechs bis acht Monate, müssen aber dauerhaft getragen werden. Seit 2024 neu gibt es auch eine Injektion, die für zwölf Monate wirkt. Diese ist allerdings bisher nur für Hunde zugelassen.

Zeckensaison immer länger

"Man sollte seine Haustiere während der Zeckensaison unbedingt dauerhaft durch prophylaktische medizinische Maßnahmen schützen. Leider wird die zeckenfreie Jahreszeit immer kürzer, deshalb von Spätwinter bis Spätherbst," empfiehlt die Tierärztin. Zusätzlich sollten beliebte Stichstellen immer wieder kontrolliert werden. "Das sind vor allem wenig behaarte Stellen, wie Achseln, Leistengegend und Kopf- beziehungsweise Halsbereich." Von Hausmitteln rät die Tierärztin ab. Beispiele wie Knoblauch oder Teebaumöl seien nahezu unwirksam und teils für die Haustiere gefährlich giftig. Medizinische Mittel sind für die Haustiere für gewöhnlich verträglich.

Tierhalter sollten auch ihren eigenen Schutz nicht vernachlässigen. Von Haustieren eingeschleppte Zecken unterscheiden nicht zwischen Mensch und Tier. Beim Gassigehen im Grünen empfiehlt sich lange, helle Kleidung und regelmäßiges Absuchen.

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Hintergrund:

Zeckenarten in Deutschland

  • Gemeiner Holzbock: Häufigste Zeckenart in Deutschland, braunrote Farbe, überträgt zum Beispiel Borreliose und FSME.
  • Buntzecke: Tritt vor allem in Ost- oder Südwestdeutschland auf, marmoriertes Rückenschild, überträgt Babesiose
  • Hyalomma: Eigentlich Tropenzecke, tritt aber mittlerweile vereinzelt in Deutschland auf, groß mit gestreiften Beinen, überträgt zum Beispiel Borreliose, FSME, Ehrlichiose, Babesiose und Anaplasmose.
  • Braune Hundezecke: Ursprünglich aus Nordafrika, rot bis dunkelbraun mit gelbbraunen Beinen, überträgt Ehrlichiose, Babesiose und Rickettsiose
  • Igelzecke: zweithäufigste Zeckenart, haust unterirdisch, weißliche Färbung, übertragen FSME, Borreliose oder Hepatozoon-Erreger.
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