19.08.2019 - 17:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Runde Sache, nicht nur bei Reifen

Kleine Kügelchen in großen Händen. Tilman Kuban, Bundesvorsitzender der Jungen Union, ist sichtlich beeindruckt vom wichtigsten Produkt der Estato Umweltservice in Weiden-West. Was er in Händen hält, sind "feine, sortenreinen Gummi-Brösel".

Und das kommt ganz hinten raus, wenn Altreifen zerrissen werden: kleine, sortenreine Gummi-Kügelchen. Benjamin Zeitler, Tilman Kuban (von links) und Christian Doleschal (rechts) sind beeindruckt. Estato-Geschäftsführer Alexander Prokein (Zweiter von rechts) führt die Gäste durch das Recycling-Werk in Weiden-West.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil
Vor Tausenden von Reifen (von links): Laura Zeitler (JU-Bezirksvorstandsmitglied und Schwester von Benjamin Zeitler), Severin Hirmer, Markus Bäumler, Benjamin Zeitler, Estato-Geschäftsführer Alexander Prokein, Christian Doleschal, JU-Bundesvorsitzender , Tilman Kuban und Susanne Hayo.

Relativ überraschend wählte die JU im März den Niedersachsen zu ihrem Bundesvorsitzenden. Dabei galt der junge Rechtsanwalt sogar als Außenseiter: Er sieht manches anders als die etablierten Politiker der "Mutterparteien", steht für einen erzkonservativen Kurs. Doch er trifft den Ton, den die Junge Union hören will, und er sieht die Themen, die zu beackern sind. Dazu gehören Umwelt, Nachhaltigkeit, Ökologie, also Bereiche, mit denen die Grünen immer mehr punkten.

JU-Prominenz vor Ort

Auch deshalb ist Kuban am Montag seit 2 Uhr morgens quer durch Deutschland unterwegs. Sein Ziel: Estato, die 100prozentige Umweltservice-Tochter von ATU (Autoteile Unger). Dennoch kommt er mit seinem Pressestab aus der Geschäftsstelle Hannover 22 Minuten zu spät, lässt die lokalen CSU-Vertreter warten, darunter den Weidener Fraktionschef Markus Bäumler und OB-Kandidaten Benjamin Zeitler sowie die Weidener JU-Kreisvorsitzende Susanne Hayo und stellvertretenden JU-Bezirksvorsitzenden Severin Hirmer.

Der Nachwuchspolitiker, rotblond, ist erstmals auf Deutschland-Reise, aber nicht zum ersten Mal in der Oberpfalz. Der Hannoveraner, Jahrgang 1987, kennt Regensburg und Hirschau. Er wird in 14 Tagen bei der JU-Landesversammlung in Neumarkt sprechen. Dort soll Christian Doleschal (Brand) zum JU-Landesvorsitzenden gewählt werden. Doleschal begleitet auch am Montag den "Chef". Er hat - anders als Kuban - den Sprung ins Europa-Parlament geschafft.

Die prominenten JUler interessieren sich für die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit, die, so Doleschal, in Brüssel künftig "eine ganz starke Rolle" spielen würden. Gerade Estato zeige, dass in Deutschland wichtige Vorarbeit geleistet werde. "Wir müssen auch in diesem Bereich unser Know-how europaweit besser verkaufen", fordert Doleschal.

Peter Unger, der Gründer von ATU, habe sich bereits in einer Zeit, in der sich noch kaum jemand um Nachhaltigkeit scherte, aufgemacht, um hier mit der Estato Umweltservice eine Vorreiterrolle einzunehmen, erläutert Geschäftsführer Alexander Prokein. Was an recycelfähigem Material in den über 600 ATU-Filialen anfällt, wird zentral in den beiden Estato-Niederlassungen Weiden und Werl verarbeitet, so Prokein. "Das ist 'ne runde Sache geworden."

Geschlossenes System

Die ATU-Laster nehmen nach der Warenversorgung der Filialen die bereits entsprechend des ATU-Umweltleitfadens vorsortierten Reifen, Batterien, Bremsscheiben, Kartonagen usw. auf dem Rückweg mit in die beiden Umweltservice-Zentren und vermeiden dadurch Leerfahrten. "Wir haben damit einen geschlossenen Kreislauf. 95 Prozent unserer Materialien gehen wieder in die stoffliche Verwertung. Wir nehmen die Verantwortung für unsere Materialien an, und wir haben die Lösung."

Prokein verheimlichte nicht, dass es durchaus Sorgen gebe. Gerade als energieintensiver Betrieb mit einem Jahresbedarf von 15 bis 17 Millionen Kilowattstunden mache sich die geringste Stompreiserhöhung überdeutlich bemerkbar. Für einen Teil des Gummi-Granulats werde die Verwertung schwieriger. So sei etwa der weitere Einsatz für Kunstrasenplätze nicht gewährleistet.

Rechtzeitig reagieren wolle Estato auch auf die angekündigte Welle von Elektrofahrzeugen. "Wir haben noch keine Lösung für die Behandlung dieser speziellen Batterien. Aber wir arbeiten daran."

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