28.10.2021 - 10:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Das sagen Gewerkschaft und Betriebsrat zum neuen Chef der Kliniken AG

Der neue Vorstandschef der Kliniken Nordoberpfalz ist gekürt. Doch was halten Betriebsräte und Gewerkschaft von Michael Hoffmann? Was erwarten sie von dem Ex-Unternehmensberater? Und warum tobt schon der erste Streit in den sozialen Medien?

Der Weg ist frei für den neuen Vorstand: Michael Hoffmann wird als Chef der Kliniken Nordoberpfalz AG ab 1. November in Weiden ein Büro beziehen. Die Führungsebene sitzt aktuell in dem Gebäude hier rechts im Bild.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Am Dienstag bestellte der Aufsichtsrat der Klinken Nordoberpfalz AG in nichtöffentlicher Sitzung den neuen Vorstand des Unternehmens: Es ist Michael Hoffmann, bisher Berater der Firma Oberender und bereits seit mehreren Jahren als solcher bei der Kliniken AG tätig. Dem Vernehmen nach konnte der 58-Jährige, Sohn eines Pastors, neben seiner Qualifikationen durch seine persönliche Vorstellung in der Runde punkten. Denn hier hat er wohl sehr menschliche Töne angeschlagen. So soll er vor allem auch auf ein Wohlfühlklima in der Kliniken AG wert legen, auf ein Miteinander, auf Freundlichkeit – im Umgang mit Personal und Patienten. Das koste in erster Linie nichts, sei aber sehr wertvoll.

Verdi: "Verbesserungen müssen her"

Deutliche Töne schlägt die Gewerkschaft Verdi an: "Verbesserungen müssen her" bei den Arbeitsbedingungen für die etwa 3000 Beschäftigten, fordert Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner am Mittwochabend in einer Pressemitteilung mit Blick auf den neuen Mann an der Spitze des Unternehmens. Konkret will der Verdi-Mann, dass Arbeitsprozesse überprüft werden, um so der dauerhaften Arbeitsverdichtung im Klinikenverbund entgegenzuwirken. Gröbner zeige sich nach der Bestellung von Michael Hoffmann "hellhörig", werde aber auf die Unternehmensführung nach Amtsantritt am 1. November zugehen und den Dialog fortführen. Auch mit den Trägern.

Betriebsrat ist zuversichtlich

Apropos Träger des Unternehmens: Dass der neue Mann der beste Bewerber gewesen sei, taten die Aufsichtsratsvorsitzenden Jens Meyer (Oberbürgermeister Weiden), Andreas Meier (Landrat Neustadt) und Roland Grillmeier (Landrat Tirschenreuth) in einer Pressemitteilung nach der Sitzung deutlich kund. Das sehen auch die drei Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat so, sagt Monika Selch. Die Kemnather Krankenschwester ist Betriebsratsvorsitzende der Kliniken-Region West: "Wir haben in der Vergangenheit mit Herrn Hoffmann gute Absprachen getroffen." Das stimme zuversichtlich für die Zusammenarbeit. Eine Sache sei dem Betriebsrat besonders wichtig: "Alle Mitarbeiter sollen im Tarifvertrag Öffentlicher Dienst bleiben."

Das ist ganz im Sinne der Gewerkschaft Verdi, erklärt die zuständige Sekretärin Marina Mühlbauer: "Wir sind gegen Ausgliederungen in eine Servicegesellschaft." Die gibt es zwar bereits, allerdings noch ohne Personal. Laut Informationen von Oberpfalz-Medien verhindert bislang eine Satzung die Ausgliederung. Ansonsten hält sich die Verdi-Frau zur Personalie Hoffmann zurück. "Er hat viel Wissen, wir werden mit ihm in einen konstruktiven Austausch gehen." Dass er von der Beratungsfirma Oberender komme, sei kein Makel. "Wir sehen Beratungsfirmen immer etwas kritisch, es ist aber auch geboten, dass sich ein Unternehmen von der Größe der Kliniken Nordoberpfalz Beraterwissen holt." Wie berichtet, wird Hoffmann bei Oberender ausscheiden und zum 1. November nahtlos bei der Kliniken AG anfangen.

Verdi will weg von Arbeitsverdichtung

Einer Kliniken AG, der noch vor wenigen Jahren wegen plötzlich gravierender Defizite die Insolvenz drohte. Diese haben die Träger des kommunalen Unternehmens, Weiden sowie die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth, mit einer Kapitalspritze von insgesamt rund 80 Millionen Euro abgewehrt, um dann einen Sanierungspfad einzuschlagen und die wirtschaftliche Schieflage in den Griff zu bekommen. Das weiß auch Verdi-Mann Gröbner zu schätzen. Zugleich aber meint er, "dass leider erneut die Beschäftigten für die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen der Vergangenheit herhalten müssen und letztlich die Sanierung wiederum wesentlich über Personalabbau nicht zuletzt in Folge der Schließung zweier Häuser abgewickelt wird". Getroffen hat es die Häuser in Waldsassen und Vohenstrauß. Trotz des Rahmensozialplans stünden hier Einzelschicksale von Menschen im Raum. Ihr Weggang führe letztlich zu einer Arbeitsverdichtung bei den verbliebenen Mitarbeitern.

Zu Michael Hoffmann selbst: Der bisherige Oberender-Berater ist 58 Jahre alt. Er startete seine berufliche Laufbahn als Fachkrankenpfleger in der Anästhesie und der Intensivtherapie. Der Familienvater, der seinen Lebensmittelpunkt in Bayreuth hat, wird sein Büro in Weiden haben und dem Vernehmen nach hier auch unter der Woche wohnen. Natürlich werde er zudem in allen Standorten des Klinikenverbundes präsent sein, heißt es seitens der Kliniken AG. Hoffmann erhält einen 3-Jahres-Vertrag. Vorgänger Dr. Thomas Egginger startete 2020 in einer Hau-Ruck-Aktion als Nachfolger für den zurückgetretenen Josef Götz mit einem 5-Jahres-Vertrag, der nun bekanntlich wegen "erheblicher Differenzen" unter anderem zur Neuausrichtung des Unternehmens vorzeitig und einvernehmlich zum 31. Oktober aufgelöst wurde.

Ziel: In drei Jahren kaum mehr Defizit

Für die Zukunft gilt, binnen der nächsten drei Jahre soll die Kliniken AG gemäß des Wirtschaftsplans weiter auf Kurs gebracht werden. Das scheint ambitioniert. Der Plan sieht nach Informationen von Oberpfalz-Medien vor, dass bis Ende 2024 der Klinikenverbund derart gut auf Kurs gebracht werden kann, dass das Defizit sich nahe Null bewegt. Aktuell befindet es sich wohl noch im zweistelligen Millionenbereich. Runter von den Kosten wollen die Träger auch in Sachen Beratungsleistungen, verdeutlichen sie in ihrer Pressemitteilung zur Bestellung des neuen Vorstands. Diese Beratungsleistungen sehen die Verantwortlichen wohl bereits eingepreist im Vorstandsgehalt für den Ex-Berater, das dem Vernehmen nach übrigens "maßvoll" ausfalle. Auch die Gesellschaftsform des Unternehmens wird sich wohl in naher Zukunft ändern. Eine Umwandlung in eine GmbH steht im Raum. Sie ermöglicht den Trägern mehr Mitspracherecht. Die Verträge mit Hoffmann sollen auch dies berücksichtigen und einen problem- sowie nahtlosen Übergang im Fall der Fälle Rechnung tragen.

Neue Personalie heiß diskutiert

Trotzdem ist die neue Personalie außerhalb der verantwortlichen Gremien nicht unumstritten. Der Neustädter Landrat Andreas Meier hat sich dazu so drastisch wie schon lange nicht mehr via Facebook ausgedrückt. "Ekelerregend" finde er die "Vorverurteilung" des am Dienstag gekürten neuen Vorstands der rund 3000 Mitarbeiter. Bei Oberpfalz-Medien stand zu lesen, dass er auf den ersten Blick "wohl nicht der Beliebteste" aus Sicht der Belegschaft sein werde. Meier: "Mir ist in jedem Fall jemand tausend mal lieber, der vielleicht im Unternehmen nicht everybody‘s darling ist oder sein will, dafür aber respektiert wird und einen guten Job macht, als so manche Blender in solchen Funktionen, die sich letztlich nur die eigenen Taschen vollmachen."

Dem Weidener Linken-Stadtrat Ali Zant schwant derweil nichts Gutes, wenn er unter dem gleichen Artikel postet: "Mit großem Bedauern habe ich die Bestimmung von Herrn Hoffmann der Presse entnommen. Die Oberender AG spielte in der Vergangenheit bei der Privatisierung von Kliniken in Deutschland eine führende Rolle. Hoffmann könnte als Vorstand somit der Privatisierung der Kliniken Nordoberpfalz Tür und Tor öffnen." Diese Aussage bringt Meier auf die Palme, der wiederum online kontert: "Das ist Quatsch, auch wenn Sie es noch so oft wiederholen. Sie instrumentalisieren die Kliniken AG und die Beschäftigten für Ihre politischen Zwecke. Das ist unanständig und zynisch. Mit der Angst der Menschen spielt man nicht." Meier argumentiert weiter, dass die kommunalen Träger zuletzt nicht 80 Millionen Euro in die Kliniken AG gesteckt hätten, um sie zu privatisieren. Bei einem Verkauf müssten Weiden, Neustadt und Tirschenreuth außerdem sofort Fördergelder im hohen zweistelligen Millionenbereich zurückzahlen. Davon habe niemand etwas.

Bald werden die Beschäftigten, Bekanntschaft mit dem neuen Vorstand machen. Auf Nachfrage heißt es seitens der Kliniken AG, dass Michael Hoffmann sich in den ersten Wochen nach seinem Amtsantritt, also ab 1. November, an den jeweiligen Standorten persönlich vorstellen will.

HIer ist die Entscheidung gefallen

Weiden in der Oberpfalz

Der aktuelle Vorstand musste gehen

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Zur Person Michael Hoffmann

  • 58 Jahre, Sohn eines Pastors, Familienvater aus Bayreuth
  • Bis 31. Oktober Senior Manager bei der Beraterfirma Oberender AG
  • Zuvor Geschäftsführer der DRK Kliniken Berlin mit ähnlich vielen Mitarbeitern wie bei der Kliniken Nordoberpfalz AG
  • Diverse Geschäftsführertätigkeiten in Krankenhauslogistikunternehmen
  • Verschiedene Tätigkeiten für Unternehmen im Pharmabereich und im Medizinservice
  • Start der beruflichen Laufbahn als Fachkrankenpfleger der Anästhesie und Intensivtherapie
Das ist der frisch gekürte Vorstandsvorsitzende der Kliniken Nordoberpfalz AG: Michael Hoffmann.

"Leider müssen erneut die Beschäftigten für die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen der Vergangenheit herhalten und letztlich wird die Sanierung wiederum wesentlich über Personalabbau nicht zuletzt in Folge der Schließung zweier Häuser abgewickelt."

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner

 

 

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