24.02.2020 - 15:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sagen: Der Stoff des Unterbewusstseins

Mystisch und schaurig, manchmal auch bunt oder beklemmend, immer aber hochspannend: Sagen aus der Region versetzen das Gemüt in Regung. Im Maria-Seltmann-Haus waren sie einen Abend lang Thema.

Ein Teil der Klangbrett- und Hackbrettgruppe zur musikalischen Umrahmung der Veranstaltung
von Redaktion ONETZProfil

„Sagen sind der Urstoff der Seele, deren Ursprung sich in der Nacht der Zeit verliert.“ Sie standen im Mittelpunkt eines „schaurig-schönen“ Nachmittags im Maria-Seltmann-Haus, zu dem Leiterin Susanne Meichner einen vollbesetzten Saal Interessierter, den Künstler Ernst Umann, die Vorleserin Maria Hirsch und die Volksmusikantin Cornelia Gurdan mit ihren Musikgruppen begrüßte. Unter dem Titel „Sagen und Geschichten um Neustadt/WN“ wurde für die Besucher ein Teil des längst verfallenen Sagenborns auf dreifache Weise, durch Bilder, Texte und Musik, neu geöffnet und erlebt.

Dunkel und melancholisch

Gerade durch die frühere Abgeschiedenheit unserer Gegend und unsere Landschaft mit den Granitblöcken, den melancholischen Weihern und dem Charakter des dunklen Fichtenwaldes wurde die Stimmung für Sagen vorbereitet. Sie gab den Eindruck, dass übernatürliche Kräfte Einfluss auf die Ereignisse des menschlichen Daseins haben.

Der Aberglaube war ein psychologischer Schutz gegen eine Welt voll bedrohlicher, unberechenbarer Geister, in der man den Tod oder den Teufel an allen Ecken und Enden sah. Auch heute noch schlummert im Unterbewusstsein vieler Menschen das Bild, das unsere Sinneswelt für Sagen und Mythen empfänglich macht, strömt uns doch aus fast jeder Sage ein Besinnen auf altes, vergessenes Wissen entgegen.

Der Maler Ernst Umann hat sich – frei nach dem Volkskundler Franz Xaver von Schönwerth, Ulrich Benzel und der Piehler-Chronik – solcher Geschichten angenommen, sie ausgeschmückt, aufgeschrieben und in eindrucksvolle Bilder umgesetzt, meist mystisch und schaurig, aber auch mal idyllisch, mal farbenfroh oder mit düsterer, geheimnisvoller Farbgebung. Diese wurden während der Lesung an die Leinwand projiziert und sind auch bis zum 6. März im Foyer des Maria-Seltmann-Hauses ausgestellt.

„Wie helle Regentropfen“

Die musikalische Begleitung durch die Hackbrett- und Klangbrettgruppe von Cornelia Gurdan, ergänzt mit Kontrabass- und Gitarrenbegleitung von Hermann Lang, erwies sich als eigenständiger Part. Für Umann wirkten die Melodien „wie helle Regentropfen, die in einen tiefen, dunklen See fallen und dadurch die finsteren, schrecklichen Geschehnisse der Sagen erhellen und verzaubern“. Da stimmte das gesamte Ensemble aus elf Musikerinnen und einem Herrn mit „Auf geht’s“ auf das Kommende ein und brachte die zur Friedhofsstimmung passende „Melodie in a-Moll“ sowie den Kanonwalzer „Abendstille überall“. Die Hackbretter verbreiteten mit dem „Schäferlied“ und der gruseligen „Geisterstunden-Polka“ Atmosphäre.

Geister, Dämonen, Teufel

Bösen Geistern und Dämonen aus Sagen verlieh Maria Hirsch mit ihrer Stimme, akzentuierten Aussprache und einfühlsamen Erzählweise eine lebendige Wirklichkeit. Da war die Rede vom die Ernte zerstörenden Bilmesschneider, der auf dem Teufel in Gestalt eines Geißbocks reitet, von der Drud, die nachts den Menschen auf die Brust springt und sie druckt, von den im Wald hausenden Holzfräulein und dem Hoimann sowie von der Wilden Jagd, die vom Doost her über das Oberpfälzische Hügelland zieht. In einer Sage ist die Neustädter Kirche um Mitternacht hell erleuchtet, in der die Verstorbenen der Gemeinde sitzen und für jeden noch Lebenden eine Kerze als Zeichen für baldiges Sterben entzünden.

Andere Erzählungen handelten von der weißen Frau am Rabenbrückerl und vom Konflikt zwischen Gut und Böse, verbunden mit der Sage vom Hafendeck, mit Pfarreichroniken und der Urgeschichte des Kirchleins St. Salvador.

Maria Hirsch in passender Kopfbedeckung
Maler Ernst Umann eröffnet den Textvortrag (zusammen mit Vorleserin Maria Hirsch).
Bild zur Sage von der Totenfeier im Neustädter Kirchlein
Bild von der durch die Lüfte stürmenden „Wilden Jagd“
Bild von Sagen der die Brust druckenden Drud.
Ein Couplet, begleitet vom Gitarristen Hermann Lang.
Der Dreigesang von Cordula Gurdan (rechts) mit einem lustigen Lied.
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