06.09.2018 - 16:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sammler findet seltenen Trüffel

Man könnte die Knolle für einen Stein halten. Oder für eine Kartoffel. Oder für einen Bovist. Aber ein Pilzsammler hat den richtigen Riecher und bringt seinen Fund zum Experten. Norbert Griesbacher ist entzückt.

Treffer: ein Trüffel. Das Muster des Anschnitts unterscheidet die edle Knolle vom wertlosen Doppelgänger.
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Der Weidener Pilzberater ist bayernweit eine Größe unter Pilzkundlern. Gerade erst hat er ein Schwammerbuch auf den Markt gebracht, das Maßstäbe setzt. Da hat es etwas zu bedeuten, wenn er einräumen muss, dass er einen bestimmten Pilz in der Region selbst noch gar nicht gefunden hat. So geschehen mit den drei "Kartoffeln mit einem kleinen Stiel", die ihm ein leidenschaftlicher Sammler aus Floß brachte. Der hatte schon einen Verdacht: Sollten es Böhmische Trüffeln sein?

Die Knollen reiften an einem Waldweg bei Vohenstrauß. Der Kiefernwald dort ist sandig und war über den Sommer extrem ausgetrocknet, was dem Pilzwachstum aber keinen Abbruch tat. Norbert Griesbacher nahm die mutmaßliche Sensation in Augenschein, vor allem die Schnittfläche durch den Pilzkörper, und ist sich sicher: "Tatsächlich handelt es sich hier um Böhmische Trüffeln oder Fränkische Schiefertrüffeln (Pisolithus arhizus), auch Erbsenstreuling genannt."

Die Bestimmung gelang über das Innenleben des äußerlich unscheinbaren Früchtchens: "Typisch für diesen einem Bovist ähnlichen Pilz ist die im Längsschnitt von jungen Fruchtkörpern auffällige marmorierte Schnittfläche mit markantem Farbmuster." Schon ist der Weidener Pilzberater in seinem Element. Er spricht von einem "Mosaik von blass- bis schwefelgelben, rotbraunen bis schwarzen, vieleckigen bis rundlichen, erbsengroßen, sporentragenden Kammern, die im Reifeprozess später aber bräunen und dann zu braunem Pulver zerfallen".

Und was bedeutet das für den Sammler? Nun, der Trüffel sei ein edler "Würzpilz der Extraklasse", solange er noch nicht zerfallen sei. Er werde angeblich mit Preisen bis zu 200 Euro je Kilogramm gehandelt. "Nach Entfernung der Außenhaut wird der Pilz in Scheiben geschnitten und getrocknet", erklärt Griesbacher. "Suppen und Soßen erhalten durch die Beigabe von in der Regel nur einer Scheibe eine tiefbraune Farbe und würzigen Geschmack." Und gar in der Spitzengastronomie tauche der Luxus-Schwammer auf: "Der Sternekoch Alexander Herrmann bietet den Fränkischen Schiefertrüffel als ,einen der edelsten Botschafter der Region' in seinem Bistro in Wirsberg in verschiedenen Zubereitungsformen an."

Der Böhmische Trüffel sei jedoch auch ein exzellenter Bratpilz, erläutert der Mykologe. "Scharf angebraten, etwas Salz und Pfeffer – angeblich eine Delikatesse." "Angeblich" deshalb, weil Griesbacher das Sammlerglück noch nicht hold war. "Ich selbst habe diese Trüffelart noch nie gefunden. In der Pilzberatung habe ich diesen Pilz einmal vor zirka 30 Jahren gesehen."

Da nun das Wetter auf pilzfreundlich gedreht hat, könnten bald alle möglichen Schwammer aus dem Boden schießen oder darin heranwuchern. Nicht jeder in der Preisklasse des Böhmischen Trüffels - auch wenn es bei manchem den Anschein hat. Der Böhmische Trüffel hat nämlich einen Doppelgänger, weiß Griesbacher, mit dem er leicht verwechselt wird: der Kartoffelbovist. Der klingt nicht nur billig, er kostet auch keine 200 Euro und ist obendrein giftig.

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