Weiden in der Oberpfalz
30.05.2026 - 00:01 Uhr

Schlaglichter aus 80 Jahren Oberpfalz-Medien

Politische Wendepunkte, wirtschaftliche Umwälzungen und tragische Ereignisse prägten die Region in den vergangenen 80 Jahren. Von kulturellen Meilensteinen bis hin zu Naturkatastrophen - entdecken Sie historischen Momente.

Info:

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln im Jubiläumsjahr von Oberpfalz-Medien. Viele davon sind in einer Beilage unserer Tageszeitungen am 30. Mai 2026 erschienen.

1946: Weiden hat gewählt

Am 26. Mai 1946 fanden (nach 1933) die ersten freien Kommunalwahlen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Bayern gehörte größtenteils zur amerikanischen Besatzungszone, die Wahlen fanden auf Anordnung der US-Militärregierung statt. Auch Weiden wählte ein neues Stadtparlament, wie „Der Neue Tag“ in seiner Erstausgabe vom 31. Mai 1946 berichtete. Die Wahlbeteiligung lag bei 92,4 Prozent. Die Masse der Wähler wandte sich den beiden großen Parteien zu. So kam die CSU auf 7331 Stimmen (16 Mandate) und die SPD auf 4459 Stimmen (10 Mandate). Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) kam auf 544 Stimmen (1 Mandat), die Liste der Parteilosen mit 437 Stimmen ebenfalls auf ein Mandat. (shl)

2015: Zugunglück bei Freihungsand

Zwei Menschen starben, 18 weitere wurden verletzt, als am 5. November 2015 gegen 22 Uhr ein Regionalexpress bei Freihungsand (Landkreis Amberg-Sulzbach) in einen auf den Gleisen stehenden Militärtransporter krachte. Der Sattelzug wollte über den dortigen halbbeschrankten Bahnübergang ins Südlager der US-Army einfahren, um ein auf dem Anhänger befindliches Militärfahrzeug zur Reparatur zu bringen. Auf dem Bahnübergang saß der Sattelzug auf, als der Regionalexpress von Nürnberg nach Weiden nahte. Der Zug erfasste den Schwertransport, durch den Aufprall wurde die Zugmaschine abgerissen und mehrere hundert Meter mitgeschleift. Sowohl die Fahrerkabine als auch ein Teil des Zugs gerieten in Brand. Bei den beiden Toten handelte es sich um den Lkw-Fahrer (30) und den Lokführer (35). Im Zug saßen rund 30 Passagiere, 18 von ihnen wurden verletzt, vier davon schwer. (san)

1983: Der Kampf der Eisenbahner

Am 18. März 1983 erlebte die Eisenbahnerstadt Weiden die wohl größte Demonstration ihrer Zeit. Fast 5000 Menschen zogen vor das Alte Rathaus und protestierten gegen die Schließung des Eisenbahnausbesserungswerks. In Spitzenzeiten, wie im Jahr 1948, waren über 2600 Menschen beschäftigt. Dem Werk, das sich in den Anfängen um die Wartung von Dampflokomotiven kümmerte, wurde keine Zukunft prognostiziert. Ab 1985 wurde mit staatlicher Hilfe die neue Planungsgesellschaft für innovative Fahrzeugausstattung (PFA) gegründet. Sie baute alte D-Zug-Wagen in moderne Interregio-Waggons um. Im Jahr 2000 meldete die PFA Insolvenz an. (shl)

1946: Schatzsuche mit Humphrey Bogart

Mit „Eine atemberaubende Detektivgeschichte. Abenteurer auf der Jagd nach einem verborgenen Schatz“ kündigte die Filmbühne Weiden am 31. Mai 1946 den Krimiklassiker „Die Spur des Falken“ von John Huston aus dem Jahr 1941 an. In den Hauptrollen: Humphrey Bogart und Peter Lorre. Schon damals gab es zwei Kinovorführungen am Tag. Zusätzlich informierte die „Neue Wochenschau“ die Besucher über die aktuellsten Nachrichten.

1982: Der Mordfall Walter Klankermeier

Am 14. Juni 1982 verschwand Weidens „Rotlichtkönig“ Walter Klankermeier spurlos. Monate später fanden Preiselbeersammler seine Leiche in einem Waldstück zwischen Schirmitz und Bechtsrieth. Die mit Brillanten besetzte Rolex im Wert von über 30.000 Mark hing noch an seinem Handgelenk. Ein Schuss ins Herz beendete das Leben des 42-Jährigen. Klankermeier holte den Striptease nach Weiden. Seine Nachtclubs waren in den 1970er-Jahren für freizügige Auftritte junger Damen bekannt. Sein Tod ist bis heute ungeklärt. (shl)

2000: Oberpfälzer sterben bei Unglück in Kaprun

Blauer Himmel und Sonnenschein über dem Kitzsteinhorn in Österreich: Der 11. November 2000 verhieß beste Bedingungen für den Start in die Wintersaison am Gletscher. Auch eine 49-köpfige Reisegruppe des Skiclubs Unterweißenbach bei Vilseck hatte sich auf den Weg nach Kaprun gemacht, um dort ein Skiwochenende zu verbringen. 20 von ihnen kehrten nicht mehr nach Hause zurück. Für sie und weitere 135 Menschen war die brennende Seilbahn zum Kitzsteinhorn zur tödlichen Falle geworden. Durch das Unglück wurden acht Kinder und Jugendliche aus der Region Amberg-Sulzbach zu Vollwaisen und sechs zu Halbwaisen. Das Jüngste war damals drei Jahre alt. Für sie gründete der Landkreis Amberg-Sulzbach ein Jahr nach dem Unglück die Waisenstiftung Kaprun.

An die 155 Opfer der Seilbahnkatastrophe erinnert eine Gedenkstätte in Kaprun. In Unterweißenbach wurde für die 20 Oberpfälzer, die in Kaprun gestorben waren, ein weiterer Gedenkort geschaffen. In Vilseck ist der 11. November alljährlich ein trauriger Tag. In der Stadt kennt jeder jeden – und fast jeder kannte jemanden, der in Kaprun starb. Es waren Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn. (san)

1946: Schwandorf ist zu 75 Prozent zerstört oder beschädigt

Nach dem Bombenangriff vom April 1945 mit mindestens 1250 Toten liegt die Stadt Schwandorf in Trümmern: 75 Prozent der Gebäude und damit rund 2000 Wohnungen sind zerstört oder beschädigt. Der Wiederaufbau ist Gebot der Stunde. Zehn Jahre nach dem Krieg feiert die Stadt 1955 ein großes Heimatfest. Bis dahin sind rund 1570 Wohnungen wieder entstanden. Die Wohnungsnot bleibt dennoch groß: Fast 870 Familien harren in Notunterkünften einer neuen Wohnung. (ch)

1954, 1993 und 2002: Hochwasser in Nittenau

Ein Jahrhunderthochwasser des Flusses Regen richtet in Nittenau (Landkreis Schwandorf) ab dem 12. August 2002 gewaltige Schäden an. Die Rekordmarken von 1954 und 1993 (4,83 Meter) werden mit einem Pegel von 5,60 Metern übertroffen. Zwölf Hektar Siedlungsfläche stehen bis zu 1,50 Meter hoch unter Wasser. (ch)

1980: Müllkraftwerk Schwandorf wird gebaut

Geregelte Abfallentsorgung und Energiegewinnung: 1980 beginnt der Bau des Müllkraftwerks in Schwandorf. 13 Städte und Landkreise aus der Oberpfalz, Niederbayern und Oberfranken hatten den Zweckverband Müllkraftwerk Schwandorf (heute: Zweckverband Müllverwertung Schwandorf) gegründet. Heute entsorgt der ZMS den Abfall von Haushalten und Gewerbebetrieben aus etwa einem Fünftel der Fläche Bayerns. Nach über 40 Jahren in Betrieb wird das Müllkraftwerk seit 2023 umfassend modernisiert. Das Projekt „Triphönix“ soll 2031 abgeschlossen sein. 430 Millionen Euro werden investiert. (ch)

1982: Braunkohle-Industrie schließt

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts beutete die Bayerische Braunkohle-Industrie (BBI) rund um Wackersdorf und Steinberg (Landkreis Schwandorf) den fossilen Brennstoff im Tagebau aus. Anfang der 1950er-Jahre musste sogar der Ort Wackersdorf weichen, das Dorf wurde verlegt. Riesige Schaufelradbagger fraßen sich in die Erde. Die Kohle versorgte das Kraftwerk in Dachelhofen. Die Braunkohle brachte nicht nur den Bergleuten Arbeit und Wohlstand. Mitte der 1970er-Jahre kündigte sich das Ende an. Die Auskohlung war nicht mehr rentabel. Am 21. September 1982 wurde die letzte Tonne Kohle gefördert. Was damals noch unglaublich erschien: Aus der Mondlandschaft der Tagebaue wurde ein touristisches Highlight: Der Steinberger See und der Murner See gelten heute als Zentrum des „Oberpfälzer Seenlands“. (ch)

1984: Horsch Maschinen GmbH gegründet

Schon seit Anfang der 1980er-Jahre tüftelt Michael Horsch mit Unterstützung seiner Familie auf dem Schwandorfer Sitzenhof an Landmaschinen. Der „Sä-Exactor“ wird ein erster Erfolg. 1984 wird die Horsch Maschinen GmbH gegründet. Heute gilt Horsch als weltweit führender Anbieter von innovativer Landtechnik mit Standorten in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika. Weltweit macht Horsch mit Sitz in Schwandorf nach eigenen Angaben heute etwas mehr als eine Milliarde Euro Umsatz und beschäftigt etwa 3500 Mitarbeiter. (ch)

1988: Das Künstlerhaus eröffnet

Lange Zeit führt die Kebbel-Villa im Schwandorfer Stadtteil Fronberg ein Schattendasein. Von Stadt und Bezirk Oberpfalz initiiert, eröffnete hier 1988 das Oberpfälzer Künstlerhaus, das schnell zur wichtigen Plattform für zeitgenössische Kunst in der Region wird. Im Jahr 2000 folgt ein weiterer Meilenstein: Der Förderverein eröffnet mit dem Künstlerhaus II Ateliers für internationale Künstler, die seither im Zuge internationaler Austauschprogramme in die Oberpfalz kommen. (ch)

1988: Brandanschlag in Schwandorf

In der Nacht zum 17. Dezember 1988 steckte ein 19-jähriger Neonazi ein Wohn- und Geschäftshaus in der Schwandorfer Innenstadt in Brand. Vier Menschen sterben. Der Täter wird zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. (ch)

1995: Conrad weiht Logistikzentrum in Wernberg-Köblitz ein

„Der neue Tag“ berichtet schon 1992 exklusiv, dass der Elektronik-Versender Conrad in Wernberg-Köblitz ein riesiges Logistik-Zentrum nahe der Autobahn A 93 baut. 1995 wird das Gebäude eingeweiht; Ehrengast der Conrads ist Ministerpräsident Edmund Stoiber. (ch)

2005: Amoklauf in Saltendorf

Ein Hobbyjäger stürmt am 30. Oktober 2005 in Saltendorf (Markt Wernberg-Köblitz, Landkreis Schwandorf) in ein Gasthaus, feuert auf die Wirtsfamilie und die Gäste. Ein 67-Jähriger stirbt, acht Menschen werden verletzt. Der Täter wird vom Landgericht Amberg zu lebenslanger Haft verurteilt. (ch)

1982: Uranabbau endet in der Oberpfalz

Als neuer Bundesminister für Atomfragen sollte Ministerpräsident Franz-Josef Strauß im Jahr 1955 im Auftrag von Bundeskanzler Konrad Adenauer Uranerzlagerstätten in der Oberpfalz suchen. Fündig wurde man 1958 im Landkreis Tirschenreuth bei Mähring (Grube „Wäldel“), 1971 wurde der Schacht eingestellt. Im benachbarten Schacht „Höhenstein“ nördlich der Ortschaft Poppenreuth liefen die Arbeiten von 1977 bis 1982. Im Landkreis Schwandorf war im „Schirmbergstollen“ zwischen 1978 und 1982 nach Uranerz gesucht worden, bevor die Anlage eingestellt wurde. Einen kommerziell erfolgreichen Abbau an den drei Standorten gab es nie. (shl)

2020: Corona-Hotspot Mitterteich

Das Covid-19-Virus, das im Jahr 2020 Auslöser für eine weltweite Pandemie war, hatte auch die Oberpfalz im Griff. Am 10. März 2020 meldete das Gesundheitsamt den ersten Corona-Fall im Landkreis Tirschenreuth. Kurz darauf folgten Weiden und der Landkreis Neustadt/WN. Schnell entwickelte sich eine dramatische Lage mit zig Todesfällen und einer Ausgangsperre in Mitterteich. Hier erlangte das Starkbierfest mit rund 1400 Gästen traurige Berühmtheit. Die danach sprunghaft gestiegenen Fälle von Corona-Infizierten (über 1000) und die über 60 Todesfälle im Landkreis sahen Gesundheitsexperten in direktem Zusammenhang mit dem Fest. Mitterteich war damit auch bundesweit in den Schlagzeilen. (shl)

2017: Bombe am Krankenhaus Schwandorf

Bei Bauarbeiten am Krankenhaus St.-Barbara in Schwandorf entdeckt am 22. September 2017 ein Baggerfahrer eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Der 250 Kilo schwere Blindgänger wird am 30. September erfolgreich entschärft. Vorher werden das Krankenhaus (damals 220 Betten) und über tausend Bewohner des Rothlindenviertels im 300-Meter-Umkreis evakuiert. Ein logistischer Kraftakt, der dank 300 haupt- und ehrenamtlicher Einsatzkräfte perfekt gelingt. Am 30. September um 12.22 Uhr kommt die Entwarnung: Die Kampfmittelräumer haben den Blindgänger entschärft. (ch)

2019: Erlebnis-Holzkugel am Steinberger See

Zur offiziellen Einweihung am 1. April 2019 will auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hoch hinaus: Die rund 50 Meter hohe Erlebnisholzkugel am Steinberger See wird schnell zum Touristenmagnet. Allein im ersten Jahr nach der Eröffnung kommen rund 150.000 Gäste und genießen den spektakulären Ausblick über das Oberpfälzer Seenland – oder die rasante Abfahrt über eine Rutsche. Ein Feuer in der „Kugelwirtschaft“ im Jahr 2018 verzögert den Start, aber nach 15 Monaten Bauzeit und zwei Jahren Planung kann das rund 5,5 Millionen Euro teure Projekt der Inmotion-Park-Seenland-GmbH die Pforten öffnen. Mittlerweile sind um die Kugel weitere Attraktionen, ein Chalet-Ressort und eine Event-Location für Tagungen, Seminare und Feiern entstanden. Weitere Projekte sind in der Planung. (ch)

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