19.11.2021 - 18:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schwarzer Freitag: Erst Weidener Christkindlmarkt abgesagt, dann auch Kathrein

Der Aufbau läuft, die Eisbahn und einige Buden stehen bereits. Doch dann wird erst der Christkindlmarkt abgesagt – und nach einigem Hin und Her auch der verkaufsoffene Kathreinsonntag.

Freitagmittag: Auf dem Oberen Markt läuft der Aufbau für den Christkindlmarkt. Die Eisbahn und einige Buden stehen. Dann verkündet Markus Söder das Aus für alle Weihnachtsmärkte im Freistaat.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Die Passanten staunten. Schon Freitagmittag machte sich die große Attraktion des Christkindlmarkts auf dem Oberen Markt breit: die Eisbahn. In der Nachbarschaft standen auch schon einige Buden. Gerade fertig geworden, durften die fleißigen Helfer jedoch übergangslos mit dem Abbau beginnen: Bei einer Pressekonferenz in München hatte Ministerpräsident Markus Söder das Aus für sämtliche Weihnachtsmärkte im Freistaat verkündet. Sieben Tage vor dem geplanten Start in Weiden nahm er der Stadt damit wohl eine unliebsame Entscheidung ab. Für eine andere steht Oberbürgermeister Jens Meyer gerade: Nach einigem Hin und Her ringt er sich zur Absage auch des Aktionstags zu Kathrein durch. Sowohl der Markt mit Buden und Ständen ab 10.30 Uhr als auch der verkaufsoffene Sonntag der Geschäfte ist gestrichen.

Angesichts der Coronalage wäre der Kathreinsonntag "einfach zu gefährlich", zitiert Stadtsprecher Norbert Schmieglitz seinen Chef. Meyer kämpfte offenbar lange mit dieser Entscheidung, die er erst nach 16.15 Uhr bekannt gab. Noch eine Dreiviertelstunde vorher hatte Schmieglitz erklärt, der verkaufsoffene Sonntag finde statt – und der Kathreinmarkt unter verschärften Auflagen: Nur noch Stände mit Warenverkauf seien zugelassen, Glühwein- und Imbissbuden dürften nicht teilnehmen. Für Passanten in der gesamten Fußgängerzone gelte FFP-2-Maskenpflicht. Und die Stadt appelliere, auf Abstände zu achten.

Sonna "mit gemischten Gefühlen"

Kritik, dass die Stadt lange am Aktionstag festhielt, war dabei schon früh laut geworden. Sogar aus Reihen des Handels selbst. "Wir richten uns danach, was die Stadt Weiden vorgibt", äußerte sich Philipp Kaufmann am Freitagvormittag reserviert. Das sage er als Manager des City-Centers. Mit seiner privaten Meinung hielt er jedoch nicht hinterm Berg: "Aufgrund der Coronazahlen ist das unverantwortlich. Ich verstehe nicht, warum das durchgeführt wird." "Mit gemischten Gefühlen" kommentiert dann auch Tobias Sonna, Chef des Einzelhandelverbandes, die Absage, die er selbst bedauert. Kritische Stimmen wie die von Kaufmann waren im Kollegenkreis jedoch keine Seltenheit, lässt er durchblicken. "Solche Meinungen gab es, da wurde in alle Richtungen diskutiert." Nicht ideal sei der späte Zeitpunkt der Absage. "Aber man hat wohl bis zuletzt gehofft."

Gehofft? "Kathrein holt die Leute rein" – der alte, auf den Zustrom aus dem Umland gemünzte Reim klang angesichts einer bayerischen Rekordinzidenz von weit über 600 fast wie eine Drohung. Zuletzt 2019 strömten die Besucher schon mal zu Tausenden in die Innenstadt, schoben sich zu Stoßzeiten dicht an dicht durch die Fußgängerzone. Noch vor Söders Pressekonferenz handelte übrigens Neustadts Bürgermeister Sebastian Dippold, informierte darüber, dass sämtliche Weihnachtsmärkte in der Kreisstadt abgesagt würden. "Es wird zurecht erwartet, dass eine Linie vorgegeben wird", erklärt Dippold. Wenn dies weder Bund noch Land leisten, "muss die Stadt hier aktiv werden". Letztlich gehe es darum, Menschen zu schützen.

Falsches Signal

Eine ähnliche Entscheidung erhoffte sich City-Center-Manager Kaufmann von Oberbürgermeister Meyer und der Stadt Weiden für Kathrein – letztlich nicht vergebens. Kaufmann argumentierte ähnlich wie Dippold: "Wer schützt unser Verkaufspersonal? Es weiß nicht, ob da gerade ein Geimpfter, ein Genesener oder ein Infizierter vor ihm steht." Das Festhalten an einem solchen Aktionstag sei das falsche Signal, sagte er. Es schade dem Vertrauen der Bürger in die Politik, da es den Coronamaßnahmen in den vergangenen eineinhalb Jahren völlig widerspreche.

"Ich bin weiter davon überzeugt, der Handel ist nicht der Treiber von Infektionen", erklärt Sprecher Sonna. Er verweist unter anderem auf das laut einer Studie "relativ geringe Infektionsrisiko im Handel" von rund einem Prozent. Zudem sei Weiden "keine Großstadt", und der bevorstehende Kathreinsonntag wäre mit Sicherheit nicht mit dem früherer Jahre vergleichbar gewesen: "Es wären auf jeden Fall weniger Leute gekommen." Für ihn und seine Kollegen gelte jetzt, "dass wir irgendwie Normalität reinbringen. Mit Sicherheit für Kunden und Personal. Der Gesundheitsschutz geht vor." Auch dafür sorgt die Staatsregierung, indem sie neue Personenbeschränkungen vorschreibt: Pro Kunde müssen zehn Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung stehen.

Neben der Absage der Weihnachtsmärkte kündigte Söder übrigens auch das Aus für Jahrmärkte an. Auch der Kathreinmarkt wäre ein solcher gewesen. Allerdings werden die Ansagen aus München wohl erst am Mittwoch wirksam. Das Machtwort zu Kathrein blieb damit allein Oberbürgermeister Meyer und der Stadt Weiden vorbehalten.

Die Stadt Weiden lässt sich nicht beirren

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Abgesagt: Kathreinsonntag und Christkindlmarkt

  • Kathreinsonntag, 21. November: Wird der Kathreinmarkt (angesetzt von 10.30 bis 18 Uhr) abgesagt, muss auch der verkaufsoffene Sonntag der Geschäfte (13 bis 18 Uhr) entfallen. Letzterer darf nur "anlassbezogen" stattfinden.
  • Christkindlmarkt: angesetzt von Donnerstag, 25.November, bis Donnerstag, 23. Dezember. 17 Beschicker wollten am Oberen und am Unteren Markt ihre Angebote präsentieren.

Die beiden Schilder sind überholt.

 

 

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