68 Jahre nach der Verkündigung der Charta der Vertriebenen feiern deren Verbände alljährlich den „Tag der Heimat“. „Der Festabend in Weiden unterscheidet sich davon ein wenig“, sagte Heimatring- Vorsitzender Günther Magerl am Samstag. „Hier kommen sowohl die Vertriebenen als auch die ansässigen Vereine zu Wort“. Gemeinsam werde an die „alte“ Heimat erinnert und die neue gefeiert.
Der „Tag der Heimat“ in der Max- Reger- Halle stand unter dem Motto „Heimat ist da, wo wir verstehen und verstanden werden“ und wurde zu einer großartigen Kundgebung gegen Krieg, Vertreibung und Fluchtursachen. „Die aktuellen Bilder und Nachrichten aus vielen Teilen der Welt erinnern uns daran: Heimat kann von einem auf den anderen Tag verloren gehen“, so Magerl. Schirmherr Oberbürgermeister Kurt Seggewiß erinnerte an die Zeit nach dem Krieg, als zwölf Millionen Deutsche auf der Flucht waren, Bayern zwei Millionen aufgenommen hatte und 8624 Vertriebene nach Weiden gekommen waren. „Hätten meine Vorgänger Schelter, Bauer und Schröpf nicht damals Wohnungen gebaut, Arbeit geschaffen und für bessere Lebensverhältnisse für diese Menschen gesorgt, so wäre Weiden heute kein Oberzentrum, sondern eine mittlere Kleinstadt mit vielleicht 20 000 Einwohnern“ sagte Seggewiß unter tosendem Applaus.
Der Gustl-Lang-Saal war mit fast 400 Besuchern heuer noch besser gefüllt als in den Jahren zuvor. Delegierte fast aller im Heimatring vertretenen Organisationen, Vertreter politischen Parteien, deren Mandatsträger und Kandidaten, sowie Honoratioren und Behördenvertreter waren zahlreich gekommen.
„Unser“ Tag der Heimat erinnere an Flüchtlingsschicksale, sagte Seggewiß. Die „Benesch-Dekrete“ nannte er „unrechtmäßig“. Es gelte „Unrechtsdekrete zu beseitigen und Europa zusammen zu führen“. Willkommen seien Menschen, die helfen würden, den Facharbeitermangel zu beheben, die sich integrieren würden und die Sprache lernen wollten, um zu „verstehen und verstanden zu werden“. Als positives Beispiel für Integration nannte das Stadtoberhaupt die „Deutschen aus Russland“, deren Integration - auch dank des Heimatrings - gelungen sei. Am Ablauf des Programms wirkten die Deutschen aus Russland mit der Gesangs- und Tanzgruppe „Kalinka“ unter der Leitung von Eigenija Jarusskij mit.
25 Frauen und fünf Männer von „Chorisma“ sangen unter der Leitung von Larissa Burgardt, begleitet von Joachim Grajer am Klavier, „Nun ade, du mein lieb Heimatland“, „Zauber der Nacht“, „Fly with me“ und „Zwischen Himmel und Erde“. Weitere Musikbeiträge kamen vom Weidener Akkordeonorchester undter Leitung von Karin Dittrich, von der Stadt- und Jugendblaskapelle unter der Leitung von Hubert Rupprecht und den Nordoberpfälzer Musikfreunden mit Wolfgang Butz, Barbara Reichl und Georg Lauß. Mit einem Gedicht erinnerte Eveline Scholz von der Landsmannschaft Schlesien an die „Sehnsucht nach der alten Heimat“.
Rainer Wagner von der Sudetendeutschen Landsmannschaft, fragte unter dem Motto „Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss“, ob Heimat noch zeitgemäß ist. Und Norbert Uschald von den Ost- und Westpreußen, der auch durch das Programm führte, stellte mittels eines Gedichts des 1783 in Tilsit geborenen Dichters Max Schenkendorf fest, dass unser „vertrauter Mutterlaut“ gefährdet ist. Die Erwachsenen-Tanzgruppe der „Altbairischen“ zeigte die „Zigeunerpolka“ und den Volkstanz „Woldjager“. Für den Saalschmuck hatte die Siedlergemeinschaft St. Michael Neunkirchen gesorgt.


















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