22.03.2019 - 14:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Selbstversuch: Sieben Tage ohne Plastik

Der Plan: Zwei Wochen ohne Plastik. Maria Oberleitner hat das Experiment gewagt und an Tag sieben aufgegeben. Trotzdem ist sie dem plastikfreien Leben einen großen Schritt näher gekommen. Plastikfasten - im Selbstversuch.

Sieben Tage ohne Einwegplastik zu leben, ist eine kleine Herausforderung – und vor allem viel organisatorischer Aufwand. Ein Selbstversuch.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Tag eins: im Supermarkt

Ich schiebe den Einkaufswagen durch die Reihen, der Blick streift über die Regale. Einkaufen mit anderen Augen. Schon nach den ersten fünf Minuten weiß ich: Viel wird heute nicht im Einkaufswagen landen. Woanders habe ich Avocados und Süßkartoffeln mit gelasertem Bio-Schriftzug und Zahnbürsten mit Bambus-Griff gesehen. Stehe ich aber heute vor der zehn Meter langen Kühltheke, kann ich mich zwischen exakt fünf verschiedenen Sorten Joghurt im Glas entscheiden. Ich nehme Vanille. Dafür muss ich auf meinen Lieblingsjoghurt verzichten, dessen Becher mehr als fünf Jahre braucht, bis er sich zersetzt hat.

Sogar Honig im Glas ist meist mit Plastik-Deckeln verschlossen. Drei lose Paprika sind wesentlich teurer als das Dreierpack in Plastikfolie. Sogar die Nudeln, die in Pappe verpackt sind, haben ein Plastik-Sichtfenster. Die Frustration steigt. Aber ich habe keine andere Wahl. Am Ende bin ich fast zweieinhalb Stunden durch den Markt gelaufen und mir der "Mission plastikfrei" nicht mehr so sicher. Vor allem deshalb, weil ich nun die nächsten Tage Dinge esse, auf die ich eigentlich gar keine große Lust hatte. Zum Beispiel habe ich einen Kopf Wirsing in der Einkaufstüte - den gab es ohne Verpackung.

Plastikwüste im Supermarkt: Nur Wirsing gab es unverpackt.

Tag drei: Seife statt Plastik

Erst, wenn man darauf verzichten will, merkt man, wie bequem Plastik ist. Und wir Deutschen sind es wohl auch - denn wir sind europäischer Spitzenreiter, wenn es um Plastikmüll geht. 2016 waren es laut Umweltbundesamt im Durchschnitt 18,16 Tonnen, also 220,5 Kilo pro Kopf.

Kein Wunder. Alleine in meinem Bad stehen 21 Pflegeprodukte, alle in verschiedenen Arten Plastik verpackt. Das nächste Projekt heißt deshalb: Seife. Die gibt es nämlich inzwischen in fast jedem Drogeriemarkt. Eine für den Körper, eine für die Haare, beide verpackt in Papier. Abends in der Dusche bin ich positiv überrascht. Es ist wider Erwarten keine große Umstellung - funktioniert und riecht gut. Ein kleiner Erfolg also nach dem miserablen Einstieg. Ab jetzt will ich Obst und Gemüse beim Markt um die Ecke kaufen. Hier gibts zwar auch Plastikschälchen, aber wesentlich weniger.

Tag fünf: die Tupperbox

Ich lerne dazu: Vorbereitung ist alles. Zusammen mit zwei Kolleginnen gehe ich mittags zum Imbiss, jeder eine große Tupperdose im Gepäck. Wir haben Glück, sie drücken für uns ein Auge zu - die Hygienevorschriften. Später lese ich im Internet nach, dass meine Box nur nicht über die Theke wandern darf. Sie muss auf dem Tresen stehen bleiben, dann sollte es auch an Käse- und Wursttheken kein Problem geben.

Tag sechs: Experten-Tipps

Ich stoße an meine Grenzen. Ich verzichte nicht nur morgens auf mein Müsli, sondern auch auf Süßes, auf Tofu, auf Calamari-Ringe und Eis. Gefühlt alles, auf was ich Hunger habe, ist in Plastik verpackt - meine Laune lässt zu wünschen übrig.

Weil ich zur Zeit des Selbsttests noch nichts vom Amberger Unverpackt-Laden wusste, suche ich mir Unterstützung bei einer Plastikfrei-Expertin. Jasmin Simmel gehört der Regensburger Unverpackt-Laden, das "Füllgut". Vom regionalen Gemüse über Gummibärchen, Nudeln und Toilettenpapier gibt es hier alles ohne Verpackung zu kaufen. Seit sieben Jahren achtet Simmel darauf, weniger Plastik zu konsumieren.

Jasmin Simmel rät: "Das wichtigste ist, dass man nicht alles auf einmal umstellt. Ist man zu radikal, kommt man schnell im stressigen Alltag ins Schleudern oder das Umfeld spielt nicht mit." Viel sinnvoller sei es, Schritt für Schritt umzustellen, zuerst einfache Dinge zu verändern. "Bewusst durch die Welt und die Läden gehen, bewusst konsumieren und bewusst Entscheidungen treffen. Nicht möglichst viel, sondern möglichst gute Dinge kaufen", sagt sie und gibt mir außerdem den Rat, einfach nachzufragen - beim Bäcker oder Metzger. "Egal ob auf die Hand oder in die Alubox - oft freuen sich die Leute, wenn sie merken, dass man einen neuen Weg gehen möchte." Ihr Tipp: Vorbereitet sein. "Ich habe in jeder Tasche ein paar Baumwollbeutel und einen Kaffeebecher." Darin könne man fast alles aufbewahren: Nudeln, Nüsse, Brot oder Gemüse.

Jasmin Simmel fordert: "Unverpackt muss wieder normal werden." Jeder Einzelne könne dazu beitragen. "Schließlich wollen wir alle, unsere Kinder und Enkelkinder, noch ein Weilchen schön und glücklich leben." Einfach sei der Verzicht aber nicht immer. "Klar ist man manchmal unterwegs und denkt: 'Oh, jetz wäre dies und jenes gut.' Und dann gibt es das nur in Folie." Sie versucht in solchen Situationen ganz bewusst, eine plastikfreie Alternative zu finden. "Ich bin aber auch der Meinung, dass man sich Ausnahmen genehmigen kann." Schließlich sollte das Leben auch noch Spaß machen, meint sie.

Im Regensburger Unverpackt-Laden gibt es Cornflakes und Kerne zum Abfüllen - in Gläser natürlich.

Tag sieben: Neuanfang

Ich nehme mir den Rat der Expertin zu Herzen - und breche das Experiment ab. Sicher ist es wichtig und richtig, möglichst viel Einwegplastik aus dem täglichen Leben zu verbannen - aber nicht nur für zwei Wochen. Und vor allem nicht so radikal wie geplant. Organisation und Vorbereitung sind essenziell, soll dieses Experiment klappen. Dass ich fest davon überzeugt war, von heute auf morgen zwei Wochen komplett ohne Plastik durchzuhalten, ist rückblickend recht naiv. Trotzdem war es beängstigend zu realisieren, wie abhängig ich tatsächlich von Plastik bin: Kaum ein Luxusgut, dass ohne Plastikverpackung auskommt. Und mit Luxus meine ich Magnesium-Tabletten, Toilettenpapier oder Tiefkühl-Pizza. Ab sofort wird mein Alltag plastikfreier. Vor allem, da es jetzt in Amberg auch eine Möglichkeit gibt, unverpackt einzukaufen.

Schokolade und Süßigkeiten gibt's im Regensburger Unverpackt-Laden aus Gläsern.

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