Weiden in der Oberpfalz
05.01.2026 - 07:00 Uhr
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Serie "So fährt Weiden": Warum schalten die Ampeln nachts nicht schneller auf Grün?

Müssen Autofahrer in Weiden abends teilweise unnötig lange an roten Ampeln warten? Manche Leser von Oberpfalz-Medien finden: ja. Wir haben bei der Stadt Weiden nachgefragt. Teil 9 unserer Verkehrsserie "So fährt Weiden".

"Sowas nervt einfach nur", schreibt ein Leser an Oberpfalz-Medien. "Sehr viele Ampeln in Weiden, insbesondere die auf der Dr.-Pfleger-Straße unten beim Netto und am Rathaus/ Max-Reger-Halle, haben keine Sensoren. Da steht man abends um 22 Uhr zwei Minuten lang bei Rot und kein anderes Fahrzeug ist weit und breit zu sehen." Er verstehe nicht, dass die Ampeln abends ungeachtet des Verkehrsaufkommens ihren Rhythmus stur reihum einhalten. Vermutlich kennen fast alle Autofahrer – und Radfahrer und Fußgänger – Ampeln, die wegen langer Rotphasen nerven. Oberpfalz-Medien hat die Leser aufgerufen, schwer verständliche oder nicht nachvollziehbare Stellen im Weidener Stadtverkehr an die Redaktion zu melden. Für diesen Teil unserer Serie zum Thema Ampelschaltungen haben sich Christian Rockinger vom Tiefbauamt der Stadt Weiden und Sebastian Hammer von der Pressestelle der Stadt Zeit genommen.

Sieben Ampeln leuchten immer

Christian Rockinger kennt sich mit den Ampeln in der Stadt bestens aus. In Weiden gibt es 55 Lichtsignalanlagen. Wie diese geschaltet sein müssen, regeln Richtlinien. Die Stadt Weiden könne also nicht einfach nach Gusto schalten und walten, erklärt er. Bei dem Großteil der 55 Ampeln im Stadtgebiet hören die Lichtsignale um 22 Uhr oder spätestens um 23.59 Uhr auf zu leuchten. Letzteres ist an der Frauenrichter Straße der Fall, weil sich dort zuvor Unfälle gehäuft haben. Fußgängerampeln gehen häufig schon um 20 Uhr aus. Nur 7 Anlagen im Stadtgebiet leuchten die ganze Nacht durch.

Die Ampeln an den beiden von dem Leser genannten Kreuzungen Weigelstraße/ Dr.-Pfleger-Straße und Brenner-Schäffer-Straße/ Dr.-Pfleger-Straße gehören nicht zu diesen sieben Ampeln. Sie gehen um 23 Uhr aus und um 5.45 Uhr wieder an. Die Länge der Grünphasen hängt hier wie auch sonst üblich davon ab, in welche Richtung Autofahrer unterwegs sind. 26 Sekunden lang haben Autofahrer Grün, die in beide Richtungen auf der Dr.-Pfleger-Straße fahren – der Hauptrichtung mit den meisten Autofahrern. Wer von der querenden Weigelstraße kommt, hat weniger lange Grün – je nachdem, ob er aus Richtung Max-Reger-Halle (14 Sekunden) oder aus Richtung Bahnhof (16 Sekunden) kommt.

Für Fußgänger ist die Zeit, die ihnen nach dem Umschalten ihrer Ampel auf Rot gegeben wird, bevor die Autofahrer Grün bekommen, in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen vorgeschrieben: 1,2 Meter pro Sekunde. Aber: Wenn Fußgänger die Fahrbahn bei Grün betreten haben, dürfen sie sie laut Straßenverkehrsordnung zu Ende überqueren, auch wenn die Autofahrer schon ein grünes Licht sehen. Ausnahme: Auf einer Fußgängerinsel müssen Fußgänger bei Rot warten.

Kürzeste Umlaufzeit

Dass es ausgerechnet zu den beiden genannten Ampeln Beschwerden gibt, wundert den Mitarbeiter des Tiefbauamts: Diese beiden Ampelanlagen hätten nämlich "den kürzesten Umlauf aller Ampeln mit Fußgängerfurt im ganzen Stadtgebiet". Der Umlauf betrage 72 Sekunden. Das heißt: Wenn eine der Ampeln von Rot auf Grün umschaltet, dauert es 72 Sekunden, bis dies erneut geschieht, also nachdem die anderen Fahrtrichtungen durchlaufen wurden. Laut Rockinger beträgt die Umlaufzeit an den meisten Ampeln in Weiden dagegen 90 Sekunden, wegen des vergleichsweise höheren Verkehrsaufkommens. Im Notfall wechselt die Umlaufzeit sogar auf 105 Sekunden.

Letzteres tritt in Weiden häufiger ein, nämlich wenn die A 93 wegen eines Unfalls gesperrt ist und der Autobahnverkehr durch die Stadt umgeleitet wird. Dann müsse dieser Mehrverkehr auf der Hauptachse durch Weiden priorisiert werden, um ihn möglichst schnell aus der Stadt zu bekommen, erklärt Rockinger. Und das geschehe zwangsläufig zulasten untergeordneter Straßen, die dann eine längere Rotphase bekommen. An der Hauptachse und wichtigen Einfallstraßen gebe es dazu an sechs Stellen kleine Solaranlagen mit Infrarotkameras, die das Verkehrsaufkommen erfassen und entsprechend den nötigen Umlauf auswählen. Sie stehen unter anderem an der Süd-Ost-Tangente, bei Burger-King, in der Frauenrichter Straße und in der Christian-Seltmann-Straße.

Dass Autofahrer an den beiden genannten Ampeln nachts genervt sind, sei vielleicht eine Frage der Psychologie, vermutet Rockinger: Gerade weil hier weniger Verkehr ist, fühlt sich die Rotphase vielleicht länger an, als sie tatsächlich ist. Rockinger bittet Verkehrsteilnehmer, nicht nur die Situation zu sehen, in der sie selbst gerade sind, sondern das große Ganze. Ampelschaltungen seien koordiniert und hingen nicht selten zum Beispiel vom Verkehrsaufkommen an einer anderen, nahegelegenen Kreuzung ab.

Neue Technik ist teuer

Bleibt die Frage, warum man die Ampeln nicht trotzdem mit Sensoren ausstattet, die den Verkehr messen und dann gegebenenfalls nachts die Grünphasen verlängern. „Als die Anlagen gebaut wurden, war nicht klar, wie sich die Technik entwickelt“, sagt Rockinger dazu. Die meisten Ampeln stammen aus den 70er oder 80er Jahren. Für eine Nachrüstung mit Sensoren bräuchte es neue Kabel, und das würde einen kompletten Neubau der Anlagen bedeuten. „Da ist schnell mal eine Viertelmillion Euro weg je Kreuzung“, schätzt er grob. Grund sei vor allem der teure Tiefbau.

Es fehlt also schlicht am Geld, Anlagen wie die an der Max-Reger-Halle und beim Netto umzurüsten. Das heißt allerdings nicht, dass die Stadt überhaupt nicht umrüstet. Sie muss priorisieren: Auf der Hauptachse durch die Stadt von der Bahnhofstraße bis zur Dr.-Martin-Luther-Straße seien bereits Anlagen mit Kameras oder Induktionsschleifen ausgerüstet worden – oder es ist geplant. Für die beiden vom Leser genannten Ampeln gilt dies bislang nicht.

Die Redaktion hat ihre Leser aufgerufen, schwierige Verkehrsstellen im Weidener Stadtgebiet zu melden. Dutzende Leser haben sich daraufhin gemeldet. Aus ihren Rückmeldungen hat die Autorin 10 Themen ausgewählt und Vertreter des Baudezernats, des Tiefbauamts, der Verkehrsbehörde und der Polizei dazu befragt. Alle bisherigen Teile der Serie sowie Videos finden Sie unter www.onetz.de/5254642.

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