10.10.2021 - 11:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

So politisch aktiv sind die Senioren in Weiden: Zu Gast beim Frühschoppen der SPD AG 60 plus

Mit „Fridays für Future“ rücken junge Politikinteressierte in den Mittelpunkt. Aber politisch aktiv sind gerade auch Ältere. Statt auf der Straße machen sie Politik am Stammtisch. Ein Beispiel gefällig? Dann auf zur SPD AG 60 plus.

Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch (Mitte) steht beim "politischen Frühschoppen" der "SPD AG 60plus" Rede und Antwort.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Von Kira Lorenz und Kathrin Moch

Niemals würde Josef Höfer ein Treffen der SPD AG 60 plus sausen lassen. Für den 80-Jährigen, der seit über 60 Jahren Mitglied bei den Genossen ist, ist politisches Engagement auch im Alter eine Selbstverständlichkeit: „Es ist wichtig, aktiv zu bleiben. Man kann sich doch nicht einfach nur aufs Sofa setzen und die Politik von der Glotze aus verfolgen.“ Entsprechend freut er sich, dass sich nach der Coronapause auch seine SPD AG wieder zu politischen Frühschoppen trifft.

Senioren mit viel Macht

Jeder fünfte Wahlberechtigte bei der Bundestagswahl war älter als 69 Jahre. Keine Wählergruppe hat also potenziell mehr Einfluss auf das politische Geschehen in Deutschland. Die zweitstärkte Gruppe sind mit 50- bis 59-Jahren die Babyboomer, gefolgt von den 60- bis 69-Jährigen. Damit sind laut Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel, 57,8 Prozent aller Wahlberechtigten älter als 49.

Doch zurück zum Frühschopppen und der Einstellung politisch Aktivität auch im Alter ist ein Muss. Ungefähr 20 andere Senioren, die an diesem Vormittag in das Café Mitte am Stockerhut Park in Weiden gekommen sind, sehen das genauso. Übrigens sind etwas mehr Frauen als Männer da, was auch der Statistik entspricht: 7,4 Millionen wahlberechtigte Frauen stehen in Deutschland in der Altersgruppe Ü-69 nur 5,4 Millionen Männern gegenüber.

Starkes Interesse an Koalitionsverhandlungen in Berlin

Gerade wird in Berlin über die Regierung verhandelt. Ampel oder Jamaika? Oder womöglich doch eine Große Koalition? Auch die über 60-jährigen Genossinnen und Genossen aus Weiden treibt diese Frage um. Mit ihrem Bundestagsabgeordnetem Uli Grötsch wollen sie im Café Mitte die Wahl analysieren. Hinter dem „echten Uli Grötsch“ hängt an diesem Vormittag sein Gesicht auch als Wahlplakat. „So sehen Sieger aus“ steht auf einem weißen Zettel, der nachträglich aufgeklebt wurde.

Dabei war das Ergebnis ernüchternd: Grötsch legte im Vergleich zu 2017 im Wahlkreis (Weiden und die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth) nur minimal zu (plus 0,18 auf 22,5 Prozent), die Partei gewann immerhin 3,39 Prozentpunkte (22,43 Prozent) hinzu. Im Bund waren es über fünf Prozent. Die Genossen der „AG 60plus“ nehmen’s gelassen. „Stolz auf Scholz“ seien sie trotzdem, ist häufig zu hören ist.

Smartphone für Grötsch und 88-Jährigen Pflicht

Der wiederum verhandelt aktuell fleißig. Während dieser Koalitonsverhandlungen ist Grötsch „Abgeordneter auf Abruf“, erklärt er. Klar, dass da auch mal während des Frühschoppens sein Handy klingelt. Schnell knipst Grötsch den Ton aus, kann sich aber den einen oder anderen Blick auf sein Smartphone im Laufe des Vormittags nicht verkneifen. Unhöflich? Von wegen. Den Senioren in der Runde macht das nichts aus. Sie sind schließlich technikaffin. Der 88-jährige Alois Wolfram etwa packt flugs sein Smartphone aus, um noch ein paar Erinnerungsfotos zu schießen.

Rente und Jugendwahl als Themen

Auch inhaltlich geht’s zur Sache: Mutig stellen vor allem die Senioren eine Frage nach der anderen an Grötsch. Natürlich kommt man um klassische SPD-Themen wie die Rente nicht herum. „Viele wissen nicht, wie sie von der Rente ihre Miete bezahlen sollen“, erklärt etwa Josef Lingl (60), der sich seinen persönlichen „Polit-Krimi“ abgetippt und ausgedruckt hat. So wirklich nötig hatte er den Spickzettel nicht, seine Ansichten sprudeln.

Stadträtin Gabriele Laurich rückt ein Thema in den Fokus, das man bei einem Seniorentermin nicht unbedingt erwarten würde: die Jugendwahl. Schüler an zehn weiterführenden Schulen in Weiden durften zwei Tage vor der eigentlichen Bundestagswahl einmal „üben“, bei einer Wahl abzustimmen. Das Ergebnis fiel dabei ganz zur Freude der SPD aus: Uli Grötsch gewann die Jugendwahl mit 22,7 Prozent.

Die Themen der Älteren berücksichtigen, aber die Jungen mitnehmen – genau das ist das Spannungsfeld, in dem sich die SPD im Moment zu befinden scheint. „Wir müssen die jungen Leute abholen. Zum Beispiel mit Themen, die sie interessieren, wie das Wahlalter ab 16“, äußerte sich Grötsch dazu.

"Wir sind kein Altenclub"

Doch gerade interessieren die Koalitionsverhandlungen die Senioren brennender. Immer wieder kommt das Gespräch darauf. Grötsch verrät, dass er bald mit einer Entscheidung rechnet. Josef Höfer will wissen: „Und wenn es doch eine Große Koalition wird?“ Grötsch beruhigt, meint, „alle Beteiligten tun alles, dass es nicht so weit kommt“. Ja, die Zukunft bleibt eben auch im Alter interessant. Oder wie Alois Wolfram (88) sagt: „Wir wollen noch über den Tellerrand hinaussehen. Wir sind kein Altenclub im üblichen Sinn. Seit über 60 Jahren Parteimitglied, das gibt man nicht so einfach auf.“

Uli Grötsch' Porträt vor der Bundestagswahl

Weiden in der Oberpfalz

Die etwas anderen Fragen an Uli Grötsch

Weiden in der Oberpfalz
Josef Lingl (60) hatte sich seinen ganz persönlichen Politik-Krimi ausgedruckt.
Hintergrund :

Die SPD in Weiden

  • Vorsitzender der SPD AG 60plus: Karlheinz Roth
  • Nächster politischer Frühschoppen: 3. November, 9.30 Uhr, im Café Mitte in Weiden
  • Acht SPD-Ortsvereine im Stadtgebiet Weiden: Neunkirchen, Rothenstadt-Konradshöhe, Lerchenfeld-Stockerhut, Weiden-West-Vorderer Rehbühl, Hammerweg, Stadtmitte, Weiden-Ost, Mooslohe-Rehbühl-West

"Es ist selbstverständlich wichtig, aktiv zu bleiben. Man kann sich doch nicht einfach nur aufs Sofa setzen und die Politik von der Glotze aus verfolgen."

SPD-Mitglied Josef Höfer

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