30.04.2019 - 09:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sommerserenade: Stadt Weiden bootet "Sündikat" aus

Eine Freiluft-Fete für junge Leute sollte es werden. Die erste Sommerserenade im Park, die das "Sündikat" inszeniert. Mit zwei Bands, Discjockeys und vielen jungen Besuchern. Doch dann entscheidet die Stadt ganz anders.

„Murphy’s Gang“ bei den Weidener Sommerserenaden. Jüngeres Zielpublikum wollte das „Sündikat“ ansprechen. Eigentlich.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil
Ein "Musikfest im Park" soll am 14. Juli zwar nach wie vor steigen. Aber nicht das, welches das "Sündikat" mit diesem Design bewirbt.

Die Bands waren gebucht, die Facebook-Seite eingerichtet. Titel: "Sommer ist für alle da. Ein Musikfest im Park". Termin: Sonntag, 14. Juli, 14 bis 20 Uhr. 116 Facebooker sagten zu. 1421 weitere sind "interessiert" an der ersten Sommerserenade, welche die Jungs vom "Sündikat" im Auftrag der Stadt Weiden auf die Beine stellen sollten. "Ein Riesenaufwand für uns", wie der Sprecher des Kulturvereins, Lukas Höllerer, erklärt. Und dann das: In seinem Briefkasten findet Höllerer unlängst einen Flyer mit dem offiziellen Serenadenprogramm 2019. Für den 14. Juli ist vermerkt: "Peter Wittmann & die Ballhaus-Boys".

Höllerer war wie vom Donner gerührt. "Es gab keinen Hinweis darauf im Vorfeld, keine Ankündigung, kein Ultimatum oder ähnliches." Dabei bekennt er, dass die Verhandlungen schwierig gewesen seien: Während die Mitarbeiter von Umwelt- und Kulturamt auf die gewohnte Serenaden-Dauer von 16 bis 18 Uhr pochten, plante das "Sündikat" mit dem weit großzügigeren Zeitraum 14 bis 20 Uhr. Schließlich erkenne das "Sündikat" in der Veranstaltung "einen wichtigen neuen Akzent in der Weidener Kulturlandschaft". "Für uns als Verein sollte der Aufwand ja auch irgendwie Sinn machen."

"Entspannte Sause"

Erst sollten DJs auflegen, dann die bekannte Singer/Songwriterin Ami Warning sowie die Leipziger Band "Das Paradies" live auftreten. Höllerer: "Unser Ansatz war der einer entspannten Sause für Zuschauer jeden Alters, verbunden mit der Absicht, Familien, jungen Erwachsenen und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, nachmittags zu Musik diesen schönen Ort im Max-Reger-Park zu genießen." Bei ähnlichen Sommerfesten anderer Vereine oder dem Kinderbürgerfest sei ja auch ein größerer Zeitrahmen möglich.

Und da blieb das "Sündikat" hart. Selbst ein "ermahnender Anruf" (Höllerer) des Oberbürgermeisters half nicht weiter. Weitere Gespräche wurden lose vereinbart. Allerdings kam es nicht mehr dazu. Weil es ihm aus beruflichen und privaten (Urlaub) Gründen nicht möglich gewesen sei, vor 16 Uhr im Rathaus zu erscheinen, bat Höllerer um einen Austausch via E-Mail. "Dann vergingen drei Wochen." Am Ende fand er den Serenaden-Flyer im Briefkasten. Mit den "Ballhaus-Boys" zum "Sündikat"-Termin. "Wir sind maßlos enttäuscht", erklärt Lukas Höllerer. Sein Team fühle sich "wie kleine Schulbuben" abgekanzelt. Wie es mit den bereits gebuchten Künstlern weitergeht, weiß der Sprecher noch nicht. Möglicherweise spielen sie an einem anderen Ort, wahrscheinlicher aber ist die Totalabsage.

Schutz der Anwohner

Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz verweist auf den "Schutz der Anwohner vor zu großer Lärmbelästigung". Allein deshalb gebe es die relativ engen zeitlichen Vorgaben für die Sonntagsserenaden ("Beginn 16 Uhr, Ende spätestens 18.30 Uhr"). "Als dies mitgeteilt wurde, erfolgte die Aussage des Sündikats, dass man unter diesen Voraussetzungen nicht mehr an einer Teilnahme interessiert sei." Ein Missverständnis? Höllerer räumt ein, dass er in der Frage des Zeitrahmens hartnäckig gewesen sei: "Ich habe gesagt, so macht das keinen Sinn für uns. Aber wir wollten nie die Verhandlungen abbrechen." Den Vorschlag zu einem weiteren Gespräch habe das Sündikat nicht beantwortet, erklärt Vorsatz weiter. "Daraufhin befand sich das Kulturamt in Zugzwang, da das Programm dringend fertiggestellt werden musste, auch die Werbemittel (Plakate, Flyer) mussten gedruckt werden. Man bemühte sich also um einen Ersatz für den 14. Juli, der dann, nach längerem Suchen, auch gefunden wurde."

Für das "Sündikat", das stets im Herbst die Konzertreihe "Die Sünde" veranstaltet, ist es nicht der erste Knatsch mit der Stadt. "Immer wieder bekommen wir Steine in den Weg gelegt", beschwert sich Höllerer. So sei es dem Verein nicht mehr möglich, nach anfänglichen Erfolgen ein weiteres Straßenfest bei der Kneipe "Neues Linda" zu organisieren. Zumindest in einem Punkt soll es weiter eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und "Sündikat" geben (die Petra Vorsatz übrigens als bisher "sehr angenehm und inspirierend" schildert): Zum dritten Mal in Folge soll der Verein den Marienbad-Platz beim Bürgerfest beschallen. Eine Fete für junge Leute, wie es die Serenade im Park hätte werden können. Höllerer ärgert sich maßlos über die Ausbootung: "Es ist einfach nur traurig. Eine vertane Chance für die Stadt."

Kommentar:

1500 Verlierer

Vor eineinhalb Jahren erklärte sich der Oberbürgermeister stolz auf die jungen Kulturförderer. Da hatte das "Sündikat" gerade den Bayerischen Pop-Kulturpreis gewonnen und die Stadt einen Empfang zu Ehren des Vereins ausgerichtet. "Bleibt innovativ, zieht euer Ding durch", forderte Kurt Seggewiß die Besucher auf. Und er kreierte sogar spontan ein Motto: "Weiden – eine Sünde wert".
Aktuell waren die Jungs allerdings so innovativ, dass die Stadt eine Sünde scheute: Sechs Stunden Sonntagsserenade mit zwei Bands und DJs – da war im Rathaus die Angst vor entrüsteten Anwohnern doch viel größer als das Vertrauen in die jungen Veranstalter. Die nahmen den OB beim Wort und wollten ihr Ding trotzdem durchziehen. Nachvollziehbar sind beide Positionen. Es kann auch schon mal vorkommen im Leben, dass es keine Einigung gibt. Was nicht passieren darf, ist der Abbruch jeglicher Kommunikation. Und dieser Affront, dass die hoch engagierten jungen Leute, in diesem Fall Partner der Stadt, dann von einem offiziellen Flyer erfahren müssen, dass die Stadt ihren Termin anderweitig vergeben hat.
Ein großes Missverständis? Ausgebootet fühlen dürfen sich jetzt nicht zuletzt die knapp 1500 Musik-Fans - Jugendliche und junge Erwachsene -, die sich laut Facebook für die "Sündikat"-Serenade interessiert hätten. Nicht gegen die "Ballhaus-Boys", aber eine Alternative für dieses Publikum dürften die eher nicht sein.

Ralph Gammanick

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Wie das Sündikat in den letzten Jahren Weiden kulturell bereichert hat, ist unvergleichlich und keinem anderen im Ansatz gelungen. Vor allem nicht denen, die noch mit städtischen Geldern gefördert wurden. Die Mädels und Jungs vom Sündikat haben dies noch dazu völlig ohne Förderung erreicht. Denen ans Bein zu pinkeln ist äußerst ungeschickt, um es nett auszudrücken. Die Ecke am Bürgerfest war so grandios und entspannt, während sich andernorts die Bierleichen mit den üblichen Kollateralschäden gestapelt haben. Aber das passt wohl eher zur Bürgerfesttradition. Man kann nur hoffen, dass das Sündikat das Bürgerfest wenigstens weiter bespielen darf - und auch noch will. Ich freue mich auch auf das "Musikfest irgendwoanders als im Park"!

29.04.2019