20.12.2018 - 16:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

St. Sebastian: 327 Jahre im Gebälk

Das Holz, das für den Dachstuhl der Sebastianskirche in Weiden verwendet wurde, datiert überwiegend aus dem Jahr 1691. Ein Detail der dendrochronologischen Untersuchung lässt die Experten aufhorchen.

Die Außensanierung von St. Sebastian geht voran. Bis Ostern 2019 sollen die Arbeiten beendet sein.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Im September waren in der kleinen Kirche, die seit Monaten aufwändig saniert wird, an zehn verschiedenen Stellen Holzproben entnommen worden, um das genaue Alter der Balken zu bestimmen. Dazu wurden unter anderem die Blockstufen der Wendeltreppe, das Dachwerk über dem Chor und die Balken im Langhausdach angebohrt und die Bohrkerne dendrochronologisch untersucht. Nicht nur die Mitglieder vom Förderverein "Rettet St. Sebastian", der Architekt und der Restaurator warteten gespannt auf das Ergebnis des Untersuchnungsberichts der Fachfirma aus Ebermannstadt.

Dieses liegt nun vor. Auf Anfrage bestätigt Kirchenrestaurator Johann Geitner aus Velburg, dass der Dachstuhl aus dem Jahr 1691 stammt. 109 Jahresringe zählt das älteste Holz einer Kiefer, das im Treppenturm verbaut wurde. 1582 war der Baum gepflanzt, im Winter 1691 gefällt worden. Insgesamt konnten sieben Kiefern, eine Tanne und zwei Fichten bestimmt werden - zwischen 47 und 109 Jahre alt. Das alles lasse sich aus dem Holz ablesen. "Eine spannende Sache", sagt Geitner. Das Ergebnis habe die Vermutungen bestätigt, dass der Dachstuhl aus dem Barock stammt.

Die Jahreszahl sei dennoch erstaunlich, da Konstruktionsdetails im Dach des Chors und des Langhauses auf ein älteres Gefüge um 1500 (Renaissance) hindeuten, zitiert der Restaurator au dem Bericht. Kehlbalken und Kopfbänder seien "verblattet". So nennt man die Zimmermannsmethode: Aus verschiedenen Richtungen kommende Hölzer liegen auf einer Seite auf demselben Niveau, also bündig (daher Blatt-Verbindung ); die Enden kragen nicht aus. Die Hölzer sind miteinander verblattet. Möglicherweise, so die Experten, wurde nach dem Brand das Vorgängerdachwerk 1692 kopiert. Dieses sei ursprünglich ein Flachdach gewesen. Das Gewölbe im Langhaus sei später eingebaut worden, was die Probe Nr. 10 bestätige. Hier datiert das Fichtenholz aus dem Jahr 1775.

Noch stehen im Innenraum des Kirchleins die Gerüste. "Wir mussten den Knick im Gewölbe beheben, um die fehlerhafte Statik auszugleichen", sagt Geitner. Dazu wurden Teile der Decke freigelegt. Damit nichts von oben herabstürzt werde mittels einer abenteuerlich anmutenden Konstruktion aus aufgeblasenen Autoschläuchen Druck auf die Wand ausgeübt. "Wenn der Putz aufgetragen und ausgehärtet ist können wir anschließend die weiteren äußeren Schäden beseitigen", erklärt der Restaurator. Das passiert möglicherweise noch in den nächsten Tagen.

Mit der Sanierung von St. Sebastian wurde vor rund einem Jahr begonnen. Im Oktober wollte man eigentlich fertig sein. "Zeigen Sie mir eine Baustelle, auf der das klappt." Architekt Walter Bauer nennt auf Nachfrage als neues Endziel Ostern 2019. Bis dahin stünden noch die Turmsanierung, der Außenputz und der Farbanstrich auf dem Plan. "Irgend ein pastelliger Ton wird es wohl werden. Das muss aber noch mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt werden." Wann die "schnuckelige, kleine Kirche" fertig wird, hänge auch vom Wetter ab. Für den Anstrich brauche es Plusgrade.

Zur Straßenseite strahlen bereits die roten Dachziegel. Auf der Rückseite fehlen noch ein paar, die Dachsparren liegen offen. "Die Stelle rund um den Turm muss freibleiben bis dieser saniert ist", sagt der Architekt. "Aber keine Angst, das Dach ist regensicher."

Pilzbefall und über die Jahrzehnte eingedrungene Feuchtigkeit hatten vor allem am Dachstuhl größere Schäden verursacht, als zunächst angenommen, und immer wieder für bauliche Verzögerungen gesorgt. Bauer und auch Kirchenpfleger Karl Süß sind froh, dass die Kosten dennoch im Rahmen bleiben. Rund 700 000 Euro sind für die Sanierung vorgesehen. Dank Förderverein, privaten Spenden, Benefizveranstaltungen und Zuschüssen kann der Kraftakt von der Kirchenstiftung St. Josef gestemmt werden.

Noch bis mindestens Februar bleibt die Dachlattung rund um den Kirchturm sichtbar, bis dieser saniert ist.
Noch bis mindestens Februar bleibt die Dachlattung rund um den Kirchturm sichtbar, bis dieser saniert ist.
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