16.05.2019 - 16:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadtfriedhof: Viele alte Menschen, aber nicht barrierefrei

"An keinem öffentlichen Ort in Weiden sind so viele gehbehinderte Menschen", sagt Stadtfriedhofswärter Thomas Teichmann. Ein Unding, dass die Toilette nicht behindertengerecht ist, findet die SPD Stadtmitte. Sie besichtigt das Leichenhaus.

Hier kommt kein Rollstuhfahrer in die Toiletten. Und selbst wenn, sie sind eh viel zu klein. Die Rampe an der Seite rechts ist nur eine Zwischenlösung. Zu diesem Ergebnis kommt die SPD Weiden mit Dr. Sema Tasali-Stoll, Friedofswärter Thomas Teichmann und Bürgermeister Jens Meyer (von rechts).
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Hier sind die Mitarbeiter von Bestattung Bauer gewissermaßen als Experten dabei. Bestatter Wolfgang Dobler berichtet, wie sie die kiloschweren Särge die Treppe am Hintereingang über die steilen Treppen hinaufhiefen müssen. Doch auch gehbehinderte Menschen tun sich ordentlich schwer. Ein Rollstuhlfahrer hat gar keine Chance. Was jedoch auch klar ist: Selbst wenn eine Rampe für die gehbehinderten Menschen gebaut wird, die beiden gegenüberliegenden Toiletten sind eh viel zu eng für Rollstühle. Man könnte aus der einen eine Unisex-Toilette machen und aus der anderen eine rollstuhlgerechte, kommt die Idee auf. "Darf man das denn?", kommt die Frage auf bezüglich einer Toilette für Männlein und Weiblein. "Klar, ist ja keine Gastronomie", gibt SPDler Matthias Holl sachverständig.

Eine Rampe für Rollstuhlfahrer gibt es übrigens, die Stadt hat sich nach einer Beschwerde an der Hinterseite angebracht. Um sie an die Treppen anzubringen, braucht es jedoch ein bis zwei starke Leute. "Und dann reden alle vom Denkmalschutz beim Leichenschauhaus. Und dann baut man so eine Rampe da hin, die aussieht wie Kraut und Rüben", merkt Teichmann an.

Auch von der anderen Seite, der Hauptseite, können gehbehinderte Angehörige nicht an die Särge. Auch hier gibt es drei Treppen. Eine Rampe wäre auch hier die Lösung. Wenn allerdings auf der Hinterseite ein behindertengerechter Zugang wäre, würde das erst einmal ausreichen, merkt Dobler an. "Wir stehen ja in engem Kontakt mit den Angehörigen und können ihnen dann bei Bedarf auch außerhalb der Öffnungszeiten aufsperren." Trotzdem wundert man sich: 2017 wurde die Halle ja eh erneuert, da hätte man das doch einbauen können. Bürgermeister Jens Meyer, der beim Termin mit dabei war, empfiehlt der SPD auf jeden Fall einen Antrag zu stellen. Dort könne man die Kosten prüfen.

Friedhofswärter Teichmann weist noch auf andere Probleme hin: Es gebe immer weniger Erdbestattungen. Etwa 65 Prozent ließen sich verbrennen und es werden immer mehr. Zahlreiche Gräber stünden auf dem Friedhof leer und die Gärtner könnten das Unkraut kaum mehr eindämmen.

Sargpflicht bei Muslimen in Weiden kein Problem:

Gerade wird im bayerischen Landtag diskutiert, die Sargpflicht zu lockern. Unter anderem wegen muslimischer Traditionen. In Weiden haben die Bestatter einen unkomplizierten Weg gefunden. Auf dem Waldfriedhof gebe es seit 10 Jahren ein Feld für muslimische Beerdigungen. Der Glauben schreibe vor, dass die Toten in der Erde bestattet werden. Das löst der Bestatter einfach, indem er Erde in die Unterseite des Sarges füllt. „Das schlagen wir den Angehörigen vor und damit hat es noch nie Probleme gegeben“, sagt Wolfgang Dobler.

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