13.05.2022 - 17:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadtwerke Weiden: Gaspreis zieht gewaltig an – aber erstmal nicht für alle Kunden

Für zwei Drittel der Haushaltskunden der Stadtwerke Weiden bleibt der Gaspreis zunächst stabil. Zumindest bis Jahresende. Wer keinen langfristigen Vertrag hat, muss ab 1. Juli schon mit einer deutlichen Erhöhung rechnen.

Von der Weidener Gasverteilerstation aus verlaufen 292 Kilometer Rohre unter der Stadt, um alle Haushalte zu versorgen.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Rund 6700 Haushalte in der Stadt Weiden beziehen ihr Gas von den Stadtwerken Weiden. Zwei Drittel davon, das sind rund 4900 Haushalte, haben dafür einen Sondervertrag abgeschlossen: einen Vertrag mit einer Laufzeit von 12 Monaten. "Für all diese Kunden bleiben die Gaspreise bis Jahresende 2022 stabil", versichert Johann Riedl, Vorstand bei den Stadtwerken Weiden. Das sei vertraglich so zugesichert und gelte auch für die Gaskunden im Landkreis.

Die restlichen 1800 Haushalte werden über die Grund- und Ersatzversorgung mit Gas beliefert. Sie müssen bereits ab 1. Juli 2022 mit einer deutlichen Erhöhung der Tarife rechnen. Was ist der Unterschied zwischen den einzelnen Verträgen? Während die Kunden mit Sonderverträgen nicht von heute auf morgen kündigen können, weil sie etwa einen günstigeren Anbieter gefunden haben, ist dies bei den anderen Verträgen sehr wohl möglich. Bei der Grundversorgung gilt eine sechswöchige Kündigungsfrist, im Falle der Ersatzversorgung geht es sogar von einem Tag auf den anderen.

Manch einer hat sich in der Vergangenheit die nicht vorhandene Vertragsbindung zunutze gemacht und je nach günstigstem Preis immer wieder den Gasanbieter gewechselt. Vergleichsportale im Internet machten dies problemlos möglich. "Da gab's Hunderte von Anbietern", sagt Christine Melischko, Riedls Stellvertreterin. "Schauen Sie jetzt rein, die Auswahl ist inzwischen überschaubar." Mit Sondervertragskunden können die Stadtwerke langfristig planen und sich entsprechende Kontingente vorab an den Handelsmärkten sichern. Bei kurzfristigen Verträgen ist eine vorausschauende Planung nicht möglich. Deshalb gehen auch die Preise mit.

Gaspreise bestehen immer aus zwei Komponenten - dem Grundpreis und dem Arbeitspreis. Diese beiden Zahlen variieren je nach Abnahmemenge. Daraus errechnet sich letztendlich, was der Kunde zahlt. Bei einem Jahresverbrauch bis zu 3600 Kilowattstunden (kWh) betrug der Arbeitspreis bei einem Grundversorgungsvertrag bis jetzt 14,116 Cent pro kWh. Ab 1. Juli erhöht sich dieser Betrag auf 17,091 Cent bei gleichbleibendem Grundpreis von 2,98 Euro pro Monat. Wer bis zu 6666 kWh abnahm, zahlte bisher einen Arbeitspreis von 13,521 Cent, jetzt 16,496 Cent (Grundpreis 4,76 Euro). Bei einer Abnahme von 13.260 kWh waren es 12,450 Cent, jetzt15,425 Cent (Grundpreis 10,71 Euro) und bis 100 000 kWh 12,019 Cent, jetzt 14,994 Cent (Grundpreis 15,47 Euro). Für einen ganz normalen Haushalt (Verbrauch 13.260 kWh) bedeutet das unterm Strich eine Mehrbelastung von rund 30 Euro im Monat.

Planung nur langfristig

"Wir haben aktuell eine Steigerung jenseits aller Vorstellungskraft", sagt Melischko. Ein Blick zurück zeigt, dass der Gaspreis bereits im vergangenen Jahr angezogen hat. Jede Meldung habe aktuell eine Auswirkung auf die Märkte, seien es die Bundestagswahl oder der Krieg in der Ukraine. 2020 lag der durchschnittliche Großhandelspreis bei 13,79 Euro/MWh, 2021 waren es schon 34,04 Euro, und für 2022 weist die Statistik einen Schnitt von 66,45 Euro aus. Vor allem im Vertrieb und bei der Beschaffung seinen die Kosten deutlich gestiegen. Der Endverbraucher müsse mit einer großen Belastung rechnen, so Riedl und Melischko.

"Jenseits aller Vorstellungskraft"

Über Neukunden sind die Stadtwerke aktuell nicht begeistert, doch abgewiesen wird niemand. "Wir gewährend weiterhin eine Grundversorgung", verspricht Riedl.

Ihr Gas beziehen die Stadtwerke Weiden von zwölf verschiedenen Lieferanten. Ob das Gas aus Russland oder anderen Ländern stammt, ist nicht bekannt. "Ich habe einmal versucht, hier nachzuforschen", sagt Christine Melischko. "Doch die Lieferanten geben das nicht bekannt." Die Vermutung, dass es sich größtenteils um Gas aus Russland handelt, sei nicht von der Hand zu weisen. Engpässe gibt es dagegen nicht.

Schwierig für Verbraucher

Wie es 2023 weitergeht, kann das Führungsduo der Stadtwerke noch nicht sagen. "Ziehen die Preise weiter so extrem an, wie es derzeit der Fall ist, so können auch wir das nicht mehr abpuffern", macht Riedl sich Sorgen. "Uns ist bewusst, dass das für die Verbraucher eine schwierige Situation darstellt", meint auch Melischko. Doch den Stadtwerken als Energieversorger seien hier die Hände gebunden. "Hier ist der Staat mit einem entsprechendem Entlastungsprogramm gefragt", betont der Stadtwerke-Vorstand.

Info:

Vergleich: Gaspreise für die Grundversorgung

  • Jahresverbrauch bis zu 3600 Kilowattstunden (kWh): Arbeitspreis bisher 14,116 Cent pro kWh, ab 1. Juli 17,091 Cent (Grundpreis von 2,98 Euro im Monat/gleichbleibend)
  • Jahresverbrauch bis zu 6666 kWh: Arbeitspreis bisher 13,521 Cent, ab 1. Juli 16,496 Cent (Grundpreis 4,76 Euro im Monat/gleichbleibend).
  • Jahresverbrauch bis zu 13.260 kWh: Arbeitspreis bisher 12,450 Cent, ab 1.Juli 15,425 Cent (Grundpreis 10,71 Euro im Monat/gleichbleibend)
  • Jahresverbrauch bis zu 100.000 kWh: Arbeitspreis bisher 12,019 Cent, ab 1. Juli 14,994 Cent (Grundpreis 15,47 Euro im Monat/gleichbleibend).
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