24.02.2020 - 14:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Und ständig grüßt das Coronavirus: Eine Weidenerin in Mailand

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Von Samstag auf Sonntag ist alles anders. Mailand ist die erste europäische Großstadt, die unmittelbar auf die Gefahr des Coronavirus reagiert. Das wirkt sich massiv auf den Alltag einer Weidenerin aus.

Normalerweise ist der Mailänder Domplatz am Montagmittag proppenvoll. Nicht so in Zeiten von Corona-Alarm, weiß Andrea Wiesmann (links).
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Andrea Wiesmann lebt seit 2003 in der Metropole. Die Elly-Heuss-Abiturientin ist Managing Director bei Ecoprime, einem internationalen Unternehmen, das Wind- und Solaranlagen baut sowie Areale dafür erschließt. Der Hauptsitz ist in Hamburg, Wiesmann hat eine führende Position in der Niederlassung im Zentrum von Mailand. Zuvor hat sie im Vertrieb von Conrad-Electronic gearbeitet.

Der Montag ist der erste Arbeitstag seit die Regionalregierung der Lombardei am Wochenende eine Art leichter Ausgangssperre angeordnet hat. Die Folge: "Von zwölf Kollegen sind heute vier da. Daheim sind vor allem die mit Kindern, weil Schulen und Kindergärten geschlossen haben."

Stressfreier durch die Innenstadt

Ein Mitarbeiter kommt aus der Kleinstadt Codogno, 60 Kilometer südlich von Mailand, das als Corona-Brennpunkt gilt. "Er hat keine Symptome, darf das Haus aber nicht verlassen und arbeitet von dort aus." Das Schlagwort "smart working" macht gerade in allen Branchen der Wirtschaftsmetropole die Runde: Termine verschieben, Home Office, Videokonferenzen statt Geschäftsessen. Andrea Wiesmann ist trotzdem am Schreibtisch. Sie gewinnt der Lage sogar positive Seiten ab. "Ich fahre täglich 20 Minuten mit dem Rad ins Büro. Da kommt man heute viel leichter durch. Und man merkt sofort, dass die Luft sauberer ist." Das schade dem smoggeplagten Mailand ohnehin nicht. "Vielleicht gewöhnen sich jetzt einige daran, ihr Auto stehen zu lassen. Hier wird seit Jahren über einen autofreien Sonntag diskutiert."

Was aber zunächst mal augenfällig sei, sei die Lage in Bussen und U-Bahnen. "Eine Freundin hat mir heute gesagt, dass sie seit ewiger Zeit mal wieder einen Sitzplatz gekriegt hat. Das klappt morgens sonst nie." Trotzdem wirke manches surreal. Wiesmann hat schon am Samstagabend eine E-Mail bekommen, dass ihr Fitness-Studio geschlossen hat. Der Dom, Gottesdienste, Fußballspiele, Konzerte, die großen Modenschauen - alles, was Mailand anziehend macht, hat die Türen verriegelt.

"Manchmal ist es auch ein bisschen ein Witz. Discotheken, Pubs und Bars müssen ab 18 Uhr geschlossen haben, dürfen aber ab 6 Uhr wieder aufsperren. Und Restaurants haben alle offen, aber keiner geht hin." Vereinzelt tragen Einheimische und Touristen Mundschutz. Wer jetzt noch so eine Maske will, hofft darauf aber vergeblich: ausverkauft.

Problematischer waren Hamsterkäufe am Wochenende."Ich habe es nicht so gemerkt, aber eine Freundin erzählte mir, dass ein riesiges Einkaufszentrum am Samstag und Sonntag leer war. Weder Pasta, Wasser noch Obst. Heute heißt es aber in der Zeitung, dass alles wieder aufgefüllt wurde." Dafür habe sich der Preis für eine beliebte Hand-Desinfektionscreme verdreifacht.

Verpönte Küsschen

Es ist ruhiger geworden, man hält Abstand. Händeschütteln, "baci", die Begrüßungsküsschen auf die Wange - in der Lombardei verkneift man sich das zurzeit.

Trotzdem: "Die Italiener sind Optimisten und hoffen, dass der Spuk in ein paar Tagen vorbei ist." Und für Mailänder kommt Schlendrian ohnehin nicht infrage. "Viele Banken haben ihre Leute heimgeschickt. Ich habe trotzdem am Donnerstag dort wichtige Termine." Sollte sich die Lage verschärfen, bangt die 52-Jährige allerdings um ein besonderes Vergnügen. Mitte März hat sie mit Freunden einen Radurlaub in Südafrika geplant. "Ich rechne mit massiven Kontrollen an Flughäfen." Sollte bis dahin eine Pandemie ausbrechen ... nicht auszudenken.

Doch vorher muss sich die Diplom-Übersetzerin erstmal überlegen, was sie heute Mittag isst. Ihr Stamm-Imbiss am Corso Vercelli hat geschlossen. Asia? Niente. In diesen Tagen ist alles Fernöstliche in Mailand schwer aus der Mode.

Blick in die Partnerstadt:

Weidens Partnerstadt Macerata liegt ein gutes Stück weg von den italienischen Coronazonen. Das Gesundheitsamt ist aber in Alarmbereitschaft, berichtet die Online-Zeitung "Cronache maceratesi" am Montag. Es rät Bürgern, die von Messen aus Mailand oder Verona zurückkommen, zu Hause zu bleiben und sich täglich testen zu lassen, falls sie irgendwelche Grippesymptome fühlen. Arztpraxen in und um Macerata seien dafür mittlerweile ausgestattet.

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