Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln im Jubiläumsjahr von Oberpfalz-Medien. Viele davon sind in einer Beilage unserer Tageszeitungen am 30. Mai 2026 erschienen.
Viele Hütten schließen – in Amberg nicht. Während in Sulzbach-Rosenberg die Maxhütte sowie das Rohrwerk nicht mehr existieren, gibt es in Amberg bis heute die Luitpoldhütte und die Amberger Glasfabrik. Die Veränderung ging allerdings nicht ohne Verluste vonstatten. So bestand die Luitpoldhütte zu ihren Hochzeiten aus einem Stahlwerk, einer Gießerei, dem Zementwerk sowie dem Eisenerzbergwerk auf dem Amberger Erzberg. Bis zu 2500 Menschen arbeiteten hier am Anfang der 1960er-Jahre. Danach ging es bergab. Erst machte der Bergbau dicht; es folgten das Zementwerk und die Hochöfen. Nach mehreren Eigentümerwechseln stand der Betrieb in den 1990er-Jahren vor dem Aus. Doch die Luitpoldhütte existiert heute noch. Rund 400 Mitarbeiter sind in der Gießerei tätig, die vor allem Motoren- und Getriebeteile für Agrarfahrzeuge herstellt.
In Amberg wiederum produziert die Glasfabrik heute als Teil von F.X. Nachtmann für die österreichische Riedel-Gruppe Kristallgläser. In den 1960er-Jahren gehörte das Unternehmen noch zum Rosenthal-Konzern. Philip Rosenthal selbst gab dem weltberühmten Bauhaus-Architekten Walter Gropius den Auftrag, die Glaskathedrale zu errichten. 1970 war sie fertig, Bleikristall aus Amberg boomte. Doch mit dem Niedergang des Warschauer Paktes in den 1990er-Jahren wurde der Markt von Billigglas aus Böhmen und anderen osteuropäischen Ländern überschwemmt.
Maxhütte als Symbol für Bayern
In Sulzbach-Rosenberg ist die Montanindustrie mittlerweile zum Erliegen gekommen. Die Maxhütte wurde 2002 endgültig stillgelegt, das Rohrwerk als letztes Überbleibsel des Stahlwerks Maxhütte ging nach mehreren Insolvenzen und einem mehrjährigen Überlebenskampf 2025 pleite. Dennoch: Für die Stadt ist die Bergbaugeschichte identitätsstiftend und bis heute im Bewusstsein der Menschen, in Brauchtum, Tourismus und Museumslandschaft präsent. Es gibt hier einen aktiven Bergknappenverein, einen Schaustollen, den Schlackenberg und Ausstellungen im Museum. Das Rosenberger Wappen wird sogar von Schlägel und Eisen geziert. Das alles verwundert nicht: Die Maxhütte war einst das größte Stahlwerk Bayerns, es brachte nicht nur Arbeitsplätze – zu Hochzeiten in den 1960er-Jahren ganze 9000 (!) – und Wohlstand nach Sulzbach-Rosenberg, sondern stand für den Wandel ganz Bayerns von einem Agrar- in einen wirtschaftlich starken Industriestaat.
Anknüpfend an die Glasfabrik in Amberg zählt auch das Nachtmann-Werk in Weiden zur Riedel-Gruppe aus Kufstein. Das Weidener Werk entstand 1983 und stellt noch heute Kristallglas her. Am traditionellen Nachtmann-Standort in Neustadt/WN endete im Jahr 2002 nach 100 Jahren die Bleikristallproduktion. Übrig blieben die Verwaltung und der Werksverkauf sowie die Fabrikgebäude. Nur eine von zahlreichen Schließungen im Landkreis Neustadt/WN: So meldete der Glashersteller Tritschler 1987 Konkurs an. Im Nachbarort Altenstadt/WN folgte 1992 Beyer & Co. und Ende 1995 die Firma Karl Hofbauer.
2005 gingen in Windischeschenbach bei Phönix-Kristall (Nachfolgebetrieb der Annahütte) die Lichter aus. Die Tage, als Bleikristall der Exportschlager war – vor allem in den 1970er-Jahren – und Tausende "Gloserer" ein gutes Auskommen fanden, waren angezählt. Der Zusammenbruch der Glasfabriken hinterließ enorme Altlasten, mit deren Aufbereitung gerade erst begonnen wurde.
Abschied vom "Weißen Gold"
Mit Porzellan prägte ein weiterer Industriezweig die Region, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch mit der Grenzöffnung 1989 und zunehmender Konkurrenz aus Osteuropa deutete sich auch hier ein Niedergang an, der rasanter voranschritt als gedacht. In Tirschenreuth kündigte sich 1992 nach über 150 Jahren das Ende der Porzellanfabrik an. Protestaktionen der Porzelliner halfen nichts. Auch in der Porzellanfabrik SMCS, hervorgegangen aus dem Betrieb Zehendner, gingen 1998 die Lichter aus. Wenige Jahre später lag fast die ganze feinkeramische Industrie der Region in Scherben, und viele Hunderte Arbeiter verloren ihre Arbeitsplätze. Von den Porzellanfabriken im Landkreis Tirschenreuth ist heute nur noch der Standort von Seltmann in Erbendorf übrig geblieben. Alle anderen Fabriken in Waldershof, Krummennaab, Waldsassen oder Mitterteich sind Geschichte.
Im Landkreis Neustadt/WN verschwand die Produktion von Eschenbach Porzellan, das im Jahr 1913 gegründet wurde und seinen Ursprung in Windischeschenbach hat. Die Firma wurde 1929 von der Winterling-Gruppe übernommen, später von Triptis-Porzellan. Im Jahr 2004 schloss das Werk in Windischeschenbach.
Die Firmen Bauscher und Seltmann tragen noch immer Tischkultur aus Weiden in die Welt. Die Geschichte der Porzellanfabrik Bauscher reicht bis ins Jahr 1814 zurück. Mittlerweile gehört sie zu BHS-Tabletop. Die Aktiengesellschaft ist 1998 durch den Zusammenschluss der Hersteller Bauscher Weiden, Schönwald und der Hotelsparte der ehemaligen Hutschenreuther AG entstanden. Aktuell entwickelt sich Bauscher Weiden zu einem zentralen Kompetenzzentrum für automatisierte Porzellanherstellung weiter. Während die Logistik im oberfränkischen Selb erhalten bleibt, soll der Produktionsstandort in Schönwald bis Ende 2027 geschlossen werden.
Rund 800 Mitarbeiter fertigen Tafelporzellan für Seltmann, in den Manufakturen entstehen Figuren in Handarbeit. Die Porzellanfabrik Seltmann wurde im Jahr 1910 von Christian Wilhelm Seltmann gegründet. Heute zählen zur Unternehmensgruppe neben dem Hauptstandort Weiden auch die Standorte Tettau, Weißenbrunn, Volkstedt und Erbendorf. Damals wie heute kämpfen die Industriebetriebe mit Strukturwandel und einem hohen Wettbewerbsdruck. Aktuell sind für die Unternehmen vor allem Kriege, wie in Nahost, die internationale Zollpolitik und hohe Energiekosten herausfordernd.

























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