05.02.2019 - 13:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Starke Frauen"

Frauen, die "immer positiv denken, handeln und hoffen", hat Claudia Warneke aus Höxter (Westfalen) in ihrem Fotoprojekt "Starke Frauen - über Flucht, Mut und ein neues Leben" dargestellt. Die Ausstellung macht in Weiden Station.

Dekanatsfrauenpfarrerin Nadine Schneider eröffnet die Vernissage zur Ausstellung „Starke Frauen“
von FSBProfil

Die Vernissage in der Michaelskirche umrahmte Heinrich Weigert mit melancholischen Klarinettenweisen. Dekanatsfrauenpfarrerin Nadine Schneider hieß dazu im Namen des Evangelischen Bildungswerks Oberpfalz und des Dekanatsfrauenteams viele Gäste sowie Vertreter der Kirchengemeinde, der katholischen Pfarrei und aus Politik und Gesellschaft willkommen. Das im Januar schon in Amberg ausgestellte Projekt brachten Bettina Hahn und Vorsitzender Siegfried Kratzer vom Bildungswerk nach Weiden.

13 "starke Frauen" sind fototechnisch perfekt porträtiert und ihre Lebensgeschichten in Kurzform neben den Bildern erzählt. Sie zeigen die Gesichter von jungen und alten Frauen voll Leben, Liebe und Begeisterung, die den Betrachter in ihren Bann ziehen und ihm entgegen zu rufen scheinen: "Komm ruhig näher und frage mich." Warneke hält als Fotografin seit 2010 die schönsten Momente und Erinnerungen in gelungenen Fotos fest und veröffentlicht ihre Werke in Illustrierten und Fachzeitschriften.

Nicht nur Flüchtlingsfrauen

Ausgangspunkt für das Projekt waren die Schicksale vieler Flüchtlingsfrauen. So liest man von Farsaneh, Rabia und Malalai aus Afghanistan, von Masoumeh aus dem Iran, von Fana aus Eritrea oder der erst 13-jährigen Sham aus Syrien und sieht sie in einem Trailer Die 25-jährige Basmineh aus Afghanistan floh 2016 als Schwangere mit der Familie ihres Mannes nach Deutschland und ist jetzt glücklich - auch, weil sie hier Fahrrad fahren darf. Die Iranerin Hoda, 31, freut sich, bei uns in Sicherheit leben und jeden Tag etwas lernen zu dürfen. Dasselbe Schicksal wie diese Frauen heute teilen einige Omas mit ihnen: Hannelore wurde 1945 als Neunjährige aus Schlesien vertrieben, Hilde flüchtete damals als kaum 14-Jährige vor der russischen Armee aus Pommern. Jetzt hat sie ein eigenes Haus, Kinder und drei Enkel.

Aber auch andere Frauen, die man in dieser Ausstellung findet, stehen mit beiden Beinen im Leben. Die 80-jährige Agnes, Mutter von sechs Kindern, war 43 Jahre alt, als ihr Mann an einer Blutvergiftung starb. Sie merkte schnell, dass man als Frau kämpfen muss. Die 31-jährige Stephanie wurde ohne Hände und ohne rechten Unterschenkel geboren, machte ihr Abitur und verbucht große sportliche Erfolge als Tischtennisspielerin bei Weltmeisterschaften und Paralympics. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie einen Neuanfang wagen, sich ein neues Leben aufbauen mussten.

Führungen möglich

Bis zum 17. Februar 2019 ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Kirche von 9 bis 16 Uhr sowie im Anschluss an die Gottesdienste in der Michaelskirche zu besichtigen. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten. Nach den Gottesdiensten und auf Anfrage (Evangelisches Bildungswerk Bettina Hahn, Telefon 0 96 21 / 49 62 60) werden auch Führungen organisiert.

Zur Ausstellung gehört auch ein interessantes Rahmenprogramm. Die Abendmahlfeier am Sonntag stand ebenfalls unter dem Motto des Projekts. In einer Sprachcollage mit vier Sprechern wurde klar: Man kann alles schaffen, man muss nur stark sein. Patinnen der Dekanatsfrauen halfen bei Stationengängen, an drei ausgewählten Bildern - Hoda, Agnes und Steffi - den abgebildeten Frauen zu begegnen.

Am 10. Februar findet im Steinstadl Parkstein der Chanson-Kabarett-Abend "Die Männer sind schon die Liebe wert!" und am 13. Februar im Martin-Schalling-Haus in Weiden ein Vortrag über Katharina Melanchthon, Ehefrau des Reformators und Nachbarin der Luthers, statt.

Interessierte Besucher der Vernissage
Mitorganisatorin Bettina Hahn vom Evangelischen Bildungswerk Oberpfalz und Klarinettist Heiner Weigert
Die „Omis“ Hilde, Hannelore und Agnes als starke Frauen
Die körperlich behinderte Tischtennisspielerin Steffi
Besucher betrachten die Porträts junger Flüchtlingsfrauen
Eine „Patin“ (links) erläutert im Gottesdienst einer Besucherin das Schicksal der abgebildeten Iranerin Hoda.
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