Wie viel kostet das Heizen mit Öl und Gas aktuell?
Wie stark sich die Energiekrise auf private Haushalte auswirkt, weiß Edgar Kirk vom Vergleichsportal Check24. Deutschlandweit sei Gas derzeit 185 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. „Für eine Familie mit 20 000 kWh Gasverbrauch bedeutet das Mehrkosten von durchschnittlich 2411 Euro im Jahr.“ Insgesamt zahle ein durchschnittlicher Haushalt rund 3700 Euro im Jahr für Gas. Heizöl habe sich im gleichen Zeitraum um 130 Prozent verteuert. „Bei einem Verbrauch von 2000 Litern ergibt das Mehrkosten von 1787 Euro im Jahr.“ Pro Jahr zahle ein typischer Einfamilienhaushalt somit knapp 3000 Euro für Heizöl. Das Vergleichsportal geht bei seinen Berechnungen von einem Haus mit 130 m² Wohnfläche, 150 kWh/m² und einem Gesamtverbrauch von 20 000 kWh/Jahr aus.
Wie teuer ist das Heizen mit Holzpellets und Strom?
Die Pelletpreise seien laut Yusuf Gökcel, Projektingenieur beim Energie-Technologischen Zentrum Nordoberpfalz, vergleichsweise sogar noch stärker angestiegen. Hier zeige sich eine Verdreifachung der Preise. „Ein typisches Einfamilienhaus zahlt aktuell rund 2800 Euro für das Heizen mit Holzpellets (4 Tonnen Pellets).“ Die Umrüstung auf eine Pellettheizung sei jedoch mit Aufwand verbunden. Von der Möglichkeit, mit Strom zu heizen, rät der Projektingenieur ab. „Strom ist und bleibt die teuerste Variante der Wärmeerzeugung. Solange das Haus unsaniert ist und entsprechend Energie verliert, ist es nicht attraktiv, mit einer Stromheizung zu heizen“, erklärt Gökcel. 6000 Euro koste das heizen mit Strom für 15 000 kWh.
Wann kommen die Preissteigerungen bei den Verbrauchern an?
Die aktuellen Preissteigerungen sind laut Gökcel bei Bestandskunden bis jetzt noch nicht zu hundert Prozent angekommen. „Die in den Medien publizierten „Rekordpreise“ für Strom und Gas werden erst in der Zukunft bei der Bevölkerung ankommen.“ Gökcel schätzt, dass dies frühestens 2023 der Fall sein wird.
Was sind die Gründe für den Preisanstieg?
Für den enormen Preisanstieg sei nicht nur der Krieg in der Ukraine verantwortlich, sagt Kirk von Check24. Einerseits habe sich die Weltwirtschaft nach der Coronakrise erholt, sodass die Nachfrage nach Energie in der Industrie wieder zugenommen habe. Andererseits erhöhen sich die Preise für die CO2-Zertifikate, sagt Kirk. Das bestätigt auch Gökcel. Die CO2-Emissionszertifikate wurden 2021 von der Bundesregierung für den CO2-Ausstoß beim Heizen und im Verkehr eingeführt und sollen so Anreize für einen sparsamen Energieverbrauch und Klimaschutz schaffen.
Was sind die Alternativen zu Öl und Gas?
Aus ökologischer Sicht gibt es gute Alternativen zu den fossilen Brennstoffen, wie beispielsweise die Wärmepumpe, sagt Gökcel. Jedoch empfiehlt er nicht pauschal in jedes Haus eine Wärmepumpe einbauen zu lassen. „Jedes Heizsystem hat seine Vor- und Nachteile und jedes Haus ist einzigartig und muss entsprechend betrachtet werden. Dementsprechend eignen sich einige Heizungsanlage mehr oder weniger für das jeweilige Objekt und das Vorhaben.“
Dem stimmt auch Frederic Leer vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie zu. Leer plädiert für einen technologisch offenen Ansatz, denn nicht jeder könne sich beispielsweise den Einbau einer neuen Wärmepumpe leisten. Dem Plan der Bundesregierung, jährlich 500 000 Wärmepumpen einzubauen, steht Leer kritisch gegenüber. Es gehe dabei auch um eine sozialgerechte Lösung. Außerdem würden zu viele Fachkräfte fehlen, um bis 2030 insgesamt sechs Millionen Wärmepumpen zu verbauen. Anstatt alle Öl- oder Gaszentralheizungen auszutauschen, sei es auch möglich, seine alte Heizung auf die Brennstoffzellentechnik aufrüsten zu lassen. Aktuell gebe es in ganz Deutschland 21 Millionen Zentralheizungen und davon seien 7 Millionen veraltet. Durch die Aufrüstung sei es bereits möglich, bis zu 40 Prozent an Kosten zu sparen, sagt Leer. Hinzu komme, dass es so auch in Zukunft möglich sei, mit Wasserstoff oder Biomethan zu heizen. Für Wasserstoff könne das bestehende Gasnetze genutzt werden, was wesentlich geringere Investitionen für den Umbau des Energiesystems zur Folge hätte. Ab 2025 soll das Heizen mit Wasserstoff bereits möglich sein. Dadurch können Verbraucher CO2-neutral heizen, wodurch Deutschland die Klimaneutralität erreichen könne, erklärt Leer.
Was sind einfache Maßnahmen zum Energiesparen?
Laut Projektingenieur Gökcel können Verbraucher bereits jetzt mit geringen Maßnahmen Energie sparen. „Erfahrungsgemäß hatten wir es die letzten Jahre über immer etwas wärmer, als wir es eigentlich nötig haben. Mit jedem Grad weniger verbrauchen wir auch 6 Prozent weniger Energie.“ Mithilfe von programmierbaren Thermostatventilen können Verbraucher ihren tatsächlichen Bedarf anpassen, erklärt Gökcel.
So viele Wohnungen gibt es in Bayern
- Wohnungen: 6,1 Millionen
- Wohngebäude: 3 Millionen
- Neubauwohnungen: 55471
























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