30.10.2018 - 14:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stellt der Raufußkauz dem Gewerbegebiet West IV ein Bein?

Weiden versucht, den Bebauungsplan Gewerbegebiet West IV voranzubringen. Doch alle Bemühungen könnten erfolglos sein, wenn sich die Mitteilung des Bundes Naturschutz bestätigt: In West IV werden Sperlings- und Raufußkauz gesichtet.

Der Sperlingskauz ist so klein wie ein Spatz. Dieses Exemplar hat Alfred Voss in Weiden fotografiert, "nicht weit von West IV entfernt", wie er verrät. Den genauen Standort, an dem seine Bilder entstanden sind, hält der Naturfotograf grundsätzlich geheim.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Kreisvorsitzende Sonja Schumacher und ihr Stellvertreter Hans Babl sehen nicht nur hier eine "Nagelprobe", wie es die Stadt mit ihrem ökologischen Gewissen hält. Unvergessen ist bei den Naturschützern, dass der von ihnen unterstützte Windpark Matzlesrieth ausgerechnet am Brutvorkommen des Schwarzstorchs (auf der Roten Liste) scheiterte. Wie hält es Weiden bei dem (allerdings weniger) geschützten Sperlings- und Raufußkauz?

Interessant sei, ob die vom Planungsbüro der Stadt beauftragten Experten, die das Gelände nördlich der B 470 für die Ergänzung der Speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung durchstreifen, die nachgewiesenen Vorkommen der Käuze (kleine Eulen) ebenfalls dokumentierten, fügt Babl am Montagabend bei einer Pressekonferenz hinzu.

Keine Zusage für Verkauf

Die beiden Vorsitzenden, unterstützt von ihrem Regionalbeauftragten Reinhard Scheuerlein, sehen noch eine ganze Reihe von Hürden, die das Gewerbegebiet West IV zu nehmen habe. So gebe es etwa keine Zusage aus München, dass Wald an die Stadt verkauft werde. Die Sprecher verschweigen aber, dass es sehr deutliche Aussagen gibt: Nach Rechtskraft des Bebauungsplanes werde an interessierte Betriebe veräußert.

Laut Scheuerlein fehlt sogar, wie auf Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Mistrol aus München mitgeteilt wurde, die "Entbehrlichkeitserklärung" der Bayerischen Staatsforsten sowie ein Beschluss des Haushaltsausschusses des Bayerischen Landtages. Auch die Lage der rund 65 Hektar, die die Stadt für West IV verplane, nämlich innerhalb eines ausgewiesenen Landschaftsschutzgebietes, sehe der Bund Naturschutz als Hinderungsgrund. "Diese Tatsache wurde bei der Prüfung der Planungsalternativen durch die Stadt Weiden weitgehend ignoriert."

Wald nicht entbehrlich

Das Waldstück sei nicht entbehrlich. "Als ausgewiesener Erholungs- und als Klimaschutzwald erfüllt dieses Areal unverzichtbare und unersetzbare Aufgaben für die Bevölkerung der Stadt Weiden", betont Hans Babl. Außerdem sei ein Tausch mit Waldflächen, die Weiden in Mittelfranken erworben habe, für die Staatsforsten nachteilig, weil er zu einer Besitzzersplitterung führe.

Die Diskussion über das letztlich nicht zugelassene Volksbegehren zur Begrenzung des Flächenverbrauchs und die Ergebnisse der Landtagswahl hätten gezeigt, dass viele Menschen mit einer zunehmenden Betonierung ihrer Heimat nicht einverstanden seien. Die Frage, ob das Abholzen der staatlichen Waldfläche für West IV zugelassen werde, werten die Naturschützer als Prüfstein für die neue Landtagsmehrheit. "Wir appellieren an die Stadt, die bisherigen Planungen für West IV fallen zu lassen und vorhandene Planungsalternativen ernsthaft zu verfolgen", so Babl.

Gerade hier sieht der designierte Kreisvorsitzende Babl die Stadt in der Pflicht. Innenentwicklung habe stets vor Außenentwicklung zu gehen. In der Stadt gebe es 25 bis 30 Hektar gewerbliches Brachland. Hier müssten endlich die Altlasten beseitigt, die Flächen aufbereitet und neu vergeben werden. Dies habe Weiden bisher sträflich versäumt, obwohl es dafür lukrative Fördermittel gebe. "Irgendwann muss man den Dreck wegräumen." Hier fehle eine nachvollziehbare Flächenanalyse. Ebenfalls nicht transparent seien die Restriktionen, die dazu geführt hätten, dass der Wald in Weiden-West als Gewerbegebiet "ausgeguckt" wurde.

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