Das Fernglas liegt immer in Griffweite. Ist der Horst auf dem Alten Rathaus besetzt, dann geht der Blick mehrmals am Tag dorthin. "Ich finde das immer schön zu schauen, was sich da oben tut. Verstehen sich die Vögel? Wird gebrütet? Wer kommt, wer geht?", sagt Helga Bradatsch. Im vergangenen Jahr waren die Beobachtungen etwas schwieriger, da die Störche aufgrund der Dachsanierung in ein anderes Nest auf dem Alten Schulhaus ausweichen mussten.
Im neuen Jahr könnte sich das wieder ändern, denn seit Kurzem ist der neue Horst auf dem Rathaus installiert. "Jetzt bin ich sehr gespannt, für welchen Standort sich die Störche entscheiden werden. Vielleicht werden auch beide besetzt, und es lässt sich ein neues Paar nieder." Zwei Storchenpaare in Weiden? "Das wäre ein Novum und auch eine Herausforderung", sagt Bradatsch. Im Durchschnitt schlüpfen bis zu drei Jungtiere, und die brauchen viel Nahrung. Auf den zugebauten Flächen rund um die Stadt keine leichte Aufgabe für die Vögel. "Die Eltern müssen immer weitere Kreise ziehen."Adolf Küblböckvom LBV Weiherhammer hatte ihr damals die ehrenamtliche Aufgabe der Storchenhorstbetreuerin angetragen, und sie sagte zu. Als LBV-Mitglied unterstützt die Naturschützerin auch viele andere Projekte der Ortsgruppe. Und nicht nur das. Gemeinsam mit ihrem Mann Edmund, dem früheren Anteilseigner der Firma BHS Corrugated Weiherhammer, hat die ausgebildete Chemisch-Technische-Assistentin vor 20 Jahren eine private Stiftung gegründet, die ihr einen vollen Terminkalender beschert. 143 Studenten in Maschinenbau und Elektrotechnik und OTH-Projekte wurden bisher finanziell unterstützt.
In den Kriegswirren aus Berlin nach Annaberg-Buchholz geflüchtet, dann zurück nach West-Berlin, wo sie die Schule besuchte, waren ihre weiteren Stationen München, Nürnberg, Weiherhammer, Schirmitz und schließlich 1995 Weiden. Ihren Mann lernte sie auf einem Faschingsball in München kennen, seit 53 Jahren sind sie verheiratet. Gemeinsam genießt das Ehepaar auch Kunst- und Kulturveranstaltungen. Jahrelang trat die 79-Jährige mit dem "Bayerischen Saitenquintett", das sie leitete, in Weiden und Umgebung auf. Zu Hackbrett und Harfe greift sie auch heute noch gern.
Vielseitig interessiert wie die sympathische Seniorin ist, löst sie außerdem Sudokus, geht regelmäßig zur Wassergymnastik oder wandert mit ihrem Mann in Südtirol. Gerne versorgt sie Freunde und Bekannte mit ihren selbst gemachten Marmeladen. "80 Gläser werden das schon jedes Jahr sein", lacht sie. Während ihr Mann für "Bowidl" schwärmt, kann Bradatsch Pfirsich-Maracuja nicht widerstehen. Aber auch kreative Variationen wie Erdbeer mit weißer Schokolade hat sie im Angebot. "Ich probiere halt gern was Neues aus", sagt Helga Bradatsch und freut sich schon auf die kommende Obstsaison.













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