09.04.2019 - 19:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Strom-Autobahn scheint machbar

Dass Tennet sich querstellt, wundert Albert Rupprecht nicht: "Ich erlebe das bei vielen Themen", sagt der Bundestagsabgeordnete, "nur wo Engagement und Einsatz da ist, entsteht Energie." Die soll nun im Süd-Ost-Link entlang der A93 fließen.

Damit der Strom sich seinen Weg durchs Land bahnen kann: Monteure arbeiten an einer Freileitung.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Zwei Jahre hätten Albert Rupprecht und Landrat Andreas Meier (beide CSU) mit einem schwer zu beeindruckenden Energie-Trio gerungen: Netzbetreiber Tennet, die Bundesnetzagentur und auch das Bundeswirtschaftsministerium hätten sich lange nicht bewegt: "Tennet hat's ignoriert, weil's nicht ihr Standardpaket ist", versucht Albert Rupprecht die Haltung des Tochterunternehmens eines niederländischen Stromnetzbetreibers nachzuvollziehen, "die Bundesnetzagentur hat sich auf die formelle Argumentation draufgesetzt - und das Ministerium hat sich nicht eingemischt."

Stinksauer sei Rupprecht geworden: "Das geht nicht, das Anliegen, eine Energieversorgung sicherzustellen mit der geringsten Belastung für Mensch und Natur, so lapidar wegzuwischen." Die ostbayerische Achse habe nicht nachgegeben, in der Sache argumentiert und politisch organisiert: "Jetzt müssen sie ernsthaft prüfen." Dabei sagt Rupprecht ausdrücklich: "Ich kann das Ergebnis nicht vorwegnehmen, aber wenn die Bewertung vorgenommen ist, können wir entscheiden: Ist das belastbar, sind die Kosten vertretbar?" Der Abgeordnete sei jedenfalls guter Dinge: "Alle Fachleute sagen, das kann man lösen." Firmen mit internationaler Erfahrung hätten signalisiert, dass alle Hürden zu meistern sind:

Dort, wo ein Grünstreifen ist, wie an den meisten Streckenabschnitten, bestehe ohnehin kein Problem. Die "minimalinvasive" 525-kV-Technik verkleinere den Graben deutlich. "Auch Jochen Homann, der Chef der Bundesnetzagentur, sagt, diese Methode ist in einem halben Jahr technisch verwertbar."

Brücken: "Anbieter sagen mir, das selbst mehrere hundert Meter überbrückbar sind", erzählt Rupprecht. Auch Unterführungen seien möglich. "Aber natürlich können wir noch nicht alle Fragen lösen", schränkt er ein, "eine Verdichtung wie durch Weiden mit einer Lärmschutzwand, das sind ernstzunehmende Herausforderungen."

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser: Deshalb möchten Rupprecht und Meier bei der "lösungsorientierten Prüfung mit am Tisch sitzen, damit keine Pseudoprüfung stattfindet". Man werde dann energisch den politischen Willen weitergeben.

Ob man mit so einer Lösung auch die Trassengegner besänftigen kann? Nach dem Ausstieg aus der Kernenergie sehe Rupprecht derzeit drei Möglichkeiten: "Gaskraftwerke, die viel zu teuer sind, eine Dezentralisierung, für die ich Sympathien habe, die aber derzeit mangels Speicherkapazitäten und Akzeptanz von Windrädern nicht greifbar ist, und eben der Netzausbau." In der Abwägung von Zeit, Preis und Versorgungssicherheit müsse man den Übergang bewältigen - mit möglichst viel Wertschöpfung in der Region. "Energieminister Aiwanger kann ja ein Konzept vorlegen, das hat er aber nicht gemacht, stattdessen hat er den Netzausbau überall abgesegnet."

"Unterirdische Richtbohrungen, Verlegung neben Wasserstraßen, an oder auch zwischen Autobahnen und ICE-Strecken, Untertunnelung von Autobahnkreuzen - in Belgien anscheinend alles möglich", bezieht sich Landrat Andreas Meier auf ein Amprion-Modellprojekt an der deutsch-belgischen Grenze. Für den Landrat ein Beleg für die Machbarkeit der eigenen Vision.

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Kommentare

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Maria Estl

Eins vorweggesagt: Trassengegner lassen sich nur durch eine Lösung befrieden: Keine Gasse für diese überflüssige Stromtrasse - weder über- noch unterirdisch. Daran sollten sich Landrat Meier und MdB Rupprecht orientieren. Die Forderungen nach einer „ergebnisoffenen, detaillierte Prüfung“ der Autobahnvariante für den Süd Ost Link, die von MdB Albert Rupprecht und Landrat Andreas Meier, beide CSU, nunmehr lautstark vorgebracht werden, hinterlassen bei mir den Eindruck eines letzten verzweifelten Aufbäumens der Stromtrassen bejahenden Politiker gegen den Stromtrassen Widerstand der Bevölkerung im Land- und Wahlkreis. Man hat wohl die Kommunalwahl 2020 und möglicher Weise die Bundestagswahl 2021 im Blick und fürchtet um die Wiederwahl. Und Rupprecht hat stets dem Bedarf der Stromleitung zugestimmt, von wegen "die ostbayerische Achse habe nicht nachgegeben". Das könnte sich nachteilig für ihn auswirken. Landrat Meier gar versucht sich nun in einer Ferndiagnose. Er stellt anhand einiger Fotos fest, dass man die Höchstspannungsleitung Süd Ost Link mit einer mindestens doppelt so hohen Kapazität wie die ALEGRrO - Leitung vom Rheinischen Kohlerevier nach Belgien ganz einfach auch so verlegen kann. Die Fachexperten werden jubeln, dass Meier ihnen nun diese Arbeit abgenommen hat. Gleichzeitig warnt Meier vor einer Pseudo-Prüfung, das sei Augenwischerei. Das kann ich nicht nachvollziehen, für mich ist das Gebaren von Rupprecht und Meier Augenwischerei.

10.04.2019