23.08.2018 - 18:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Suche nach Borkenkäfern

Die Lage ist dramatisch. Durch die große Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen bekommen Fichten nicht genügend Wasser und sind dem Borkenkäfer ausgeliefert. Die Waldbesitzer müssen handeln.

Gleich gehts los: Markus Klemm, Günter Zagel, Sebastian Höllerer und Moritz Neumann (von links) planen die Erkundung des Borkenkäferbefalls
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

(fuw) Seit April ist es heiß und trocken. Dieses Klima ist ideal für Borkenkäfer, die sich insbesondere in den schutzlosen Fichten einnisten und sich verbreiten. In einigen Gebieten der Oberpfalz sei die Lage teilweise besonders dramatisch, warnt Moritz Neumann, Forstdirektor des Bereichs Forsten in Pressath. Nun erkundet die Bayerische Forstverwaltung bei einer Befliegung der Wälder des östlichen Landkreises den Borkenkäferbefall.

Das ist "ein Service für die Waldbesitzer", betont Luftbeobachter Sebastian Höllerer. Denn eigentlich verpflichtet das Forstrecht die Waldbesitzer dazu, ihre Bäume in gefährdeten Gebieten selbst zu schützen, also besonders Buchdrucker und Kupferstecher unverzüglich und wirksam zu bekämpfen. Zudem müssen die Eigentümer und Nutzungsberechtigten des Waldes die zuständige Forstbehörde über den Befall verständigen.

Bäume schutzlos

"Entlang der Naablinie von Luhe bis Windischeschenbach" dominiere die Fichte, und die sei am stärksten gefährdet, erklärt Höllerer. Durch die Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen bekommen die Fichten zu wenig Wasser. Dadurch können sie nicht genügend Harz produzieren, um sich vor dem Borkenkäfer, insbesondere dem Buchdrucker und dem Kupferstecher, zu schützen, warnt Neumann. Der Käfer bohrt sich durch die trockene Rinde und nistet sich ein. Der Baum trocknet aus und stirbt ab. Es besteht die Gefahr einer Massenvermehrung und eines damit einhergehenden Absterbens von Fichtenbeständen.

Um eine Ausbreitung des Befalls zu verhindern, müssen Waldbesitzer zwischen Oktober und März ihren Waldbestand mindestens einmal überprüfen, zwischen April und September mindestens alle vier Wochen. Eine befallene Fichte erkenne man an herausrieselndem Bohrmehl sowie an der braunen Färbung ihrer Nadeln, erklärt Höllerer. Befallene Bäume müssen möglichst schnell erkannt und eingeschlagen, das Holz aus dem Wald abgefahren, Gipfelmaterial gehäckselt und verbrannt werden. Es sei zwar normal, dass es im Wald Borkenkäfer gibt, sagt Höllerer. Durch die Trockenheit und Hitze seien es aber zu viele.

Waldbesitzer in der Pflicht

Zur Unterstützung, aber auch zur Kontrolle fliegen Neumann und Höllerer wie bereits im vergangenen Jahr das Gebiet ab. Ausgestattet mit einer Kamera und einem GPS-Gerät suchen sie bei einem Rundflug mit der Cessna 172 vom Oberpfälzer Motorfliegerclub aus der Vogelperspektive nach Befallsherden und markieren diese auf einer Karte. Anhand der Ergebnisse gehen Förster auf die Waldbesitzer zu, um sie zu informieren.

Spätestens dann sollten sich diese auch darum kümmern. Ansonsten sei die Forstverwaltung zu einer "Ersatzvornahme" verpflichtet, sagt Neumann. Das bedeutet, sie sorgt sich um die befallenen Fichten und stellt dem Waldbesitzer dann eine Rechnung. Dies sei in diesem Jahr einmal vorgekommen, sagt Neumann. Der Service der Forstverwaltung entbinde den Waldbesitzer also keineswegs von dessen Pflichten. In den kommenden Tagen zieht das Forstamt dann seine Bilanz.

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