07.09.2018 - 15:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Suchtkranker muss in Therapie

Das Schöffengericht Weiden verurteilt einen gewaltbereiten 21-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe und Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

Zu einem Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe und Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik wurde ein 21-jähriger Syrer vor dem Schöffengericht Weiden verurteilt.

"Die einzige Chance, die Öffentlichkeit vor dem Angeklagten zu schützen", sah Richter Hubert Windisch darin, diesen in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Wegen mehrfacher gefährlicher und einfacher Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Beleidigung, sowie tätlichen Angriffs auf und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verurteilte Windisch einen 21-jährigen Syrer zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe. Gleichzeitig ordnete er die Unterbringung an, die zwei Jahre oder länger dauern kann.

Faustschlag ins Gesicht

Der junge Mann war im Mai diesen Jahres mehrfach durchgedreht (wir berichteten). Einen Landsmann kratzte er im Gesicht, weil ihm dessen Begleitung nicht gefiel. Einen russischstämmigen Deutschen beschimpfte er und verpasste ihm einen Faustschlag ins Gesicht. Als dessen Mutter sich einmischte, bespuckte er diese und beleidigte sie auf das Übelste. Eine 17-jährige Auszubildende beleidigte er mit derben Worten am ZOB. Deren Freundin bekam, als sie zu Hilfe kam, eine Flasche in den Bauch gerammt.

Weitere Ausbrüche des 21-Jährigen, der 2016 nach Deutschland gekommen war, bekamen Polizeibeamte zu spüren, als sie den Mann schließlich in der Frauenrichter Straße aufgefunden hatten und seine Personalien aufnahmen.

Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder, der den Asylbewerber schon für ein noch anhängiges Verfahren vor dem Jugendschöffengericht untersucht hatte, stellte einen "hangwertigen Konsum" von Cannabis und Alkohol bei dem "suchtkranken Intensivtäter" fest.

"Hochproblematisch"

Rieder befürwortete zwar eine Unterbringung zur Therapie, befürchtete aber, dass der Zweck der Maßregelung in zwei Jahren nicht erreicht werden könnte. Der Mann sei "hochproblematisch und nicht motiviert". Trotz der Bedenken des Sachverständigen plädierte Staatsanwalt Florian Bauer auf die Unterbringung in einer Psychiatrie.

Verteidiger Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn forderte ein Jahr Freiheitsstrafe, die genauso wie die Unterbringung, zur Bewährung auszusetzen sei. Reumütig bat der junge Asylbewerber, der als Einziger von sieben Geschwistern vor der Zwangsrekrutierung in Syrien geflohen war, in seinem Schlusswort um "eine letzte Chance". Richter Windisch und die Schöffen sahen diese nur in einer länger dauernden Therapie.

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