Weiden in der Oberpfalz
06.07.2018 - 14:38 Uhr

Täglich ist ein Rad weg

46 Fahrräder sind seit 1.Mai im Stadtgebiet Weiden gestohlen worden. Beinahe täglich wird ein neuer Fall gemeldet. Zuletzt vom Schätzlerbad: Dort verschwand eine Rennmaschine "Stevens Carbon". Wert: 3550 Euro.

Horst Pschierer zeigt, wie es geht: Er legt ein massives Faltschloss um das Rad und eine Laterne. GSB
Horst Pschierer zeigt, wie es geht: Er legt ein massives Faltschloss um das Rad und eine Laterne.

Weiden. Die Polizei schlägt Alarm: "Das ist zurzeit massiv", warnt stellvertretender Inspektionsleiter Roland Ast die Zweiradfahrer. Ast und Polizeisprecher Thomas Fritsch bitten die Bevölkerung um gesteigerte Aufmerksamkeit. Zeugenhinweise aller Art sind willkommen: Entsteht irgendwo ein Depot? Gibt es Personen, die täglich mit einem neuen schicken Bike vorfahren? Bei verdächtigen Beobachtungen auf Fahrradstellflächen gilt ohnehin: "Bitte gleich anrufen!" Es ist davon auszugehen, dass die Täter zusammenklappbare Bolzenschneider oder Akku-Winkelschleifer dabei haben.

Serie nicht erklärbar

Die Polizei steht vor einem Rätsel. Auch in den Vorjahren kamen viele Räder weg, letztes Jahr waren es 93. Diese Zahl ist heuer schon fast erreicht: Aktuell liegt man bei rund 80 Fahrraddiebstählen im ersten Halbjahr. Die Aufklärungsquote in Weiden lag 2017 bei 22 Prozent, 2016 gar bei 34,5 Prozent. Fahrradsachbearbeiter Alfons Schmeidl - jetzt im Ruhestand und aktuell ohne Nachfolger - kannte seine Pappenheimer: Rund 40 Prozent der Fahrraddiebstähle gehörten zur Kategorie Beschaffungskriminalität. Drogenabhängige dealen mit Rädern, um an ihren nächsten Trip zu kommen. Ast: "Räder sind wertvoll. Ich würde fast sagen, sie sind eine Art Zahlungsmittel in Weiden."

Das "Giftler"-Milieu spielt aktuell zwar auch eine Rolle: "Wir haben eine paar örtliche Täter überführt, wie wir sie immer haben." Aber es erklärt den eklatanten Anstieg nicht. Die Aufklärungsquote liegt momentan bei mageren 14 Prozent. Die Polizei hat versucht, grafisch Brennpunkte darzustellen. Auffallend viele Fahrraddiebstähle ereigneten sich im Stadtgebiet Scheibe: also Innenstadt, aber nicht Altstadt. Tatorte sind beispielsweise die Abstellplätze vor Max-Reger-Schule, Augustinus-Gymnasium, Regionalbibliothek, Räder verschwanden aus der Herrmannstraße, Kettelerstraße, Königstraße, Sebastianstraße, Nikolaistraße und am Orthegelmühlbach. Anfang Juni gingen Hinweise auf Kastenwägen mit ausländischem Kennzeichen ein, die sich aber nicht erhärten ließen.

Beim Diebesgut handelt es sich in der Regel um hochwertige Mountainbikes in der Preisklasse um die 300 bis 800 Euro, beliebt sind die Marken "Ghost" und "Cube". Immer wieder sind Schüler unter den Bestohlenen: Vor der Thermenwelt erwischte es einen 13-jährigen Schüler aus Neustadt, der nicht mehr heimfahren konnte. Der jüngste Geschädigte am Rehbühl war elf Jahre alt. In Einzelfällen kamen teurere E-Bikes weg: Aus einem Kellerabteil in der Brenner-Schäffer-Straße verschwanden zwei Stevens-Bikes einer Familie im Gesamtwert von 5000 Euro. Am Lindenstock in Weiden-Ost konnte noch beobachtet werden, wie ein 1500-Euro-Elektrorad über den Zaun gehoben wurde. Weg war's.

Eventuell "Zerlegebetrieb"

Die Vermutung von Erstem Polizeihauptkommissar Ast ist, dass die Bikes in großem Stil verwertet werden. Er erinnert an einen großen Fall 2017, als in der Fußgängerzone eine Wohnung ausgehoben wurde, die eine Art Fahrrad-Zerlegebetrieb war. Fünf Tatverdächtige hatten gemeinschaftlich die Komponenten weitervertickt, unter anderem auf Flohmärkten in Dresden und Berlin oder auch auf Ebay. Das komplette Rad zu verkaufen ist den Tätern offenbar zu gefährlich: Sämtliche gestohlenen Bikes hatten Rahmennummern, die den Besitzern aus der Rechnung auch bekannt waren.

Und: Nahezu alle Fahrräder waren mit Schlössern gesichert - vorausgesetzt, jeder Besitzer sagt die Wahrheit. "Gängige Kabelschlösser zwicke ich alle ab", warnt Erster Polizeihauptkommissar Roland Ast. Er rät: "Sparen Sie nicht am Schloss." 90 Prozent der Schlösser, die er auf Abstellplätzen beobachtet, "taugen nichts". Für wirklich massive Schlösser müsste ein zwei-, wenn nicht gar dreistelliger Betrag investiert werden. Auf den Packungen sind die Sicherheitsklassen vermerkt. Absolute Sicherheit könne allerdings kein Schloss bieten.

So sichern Sie Ihr Rad:
Fahrraddiebstähle in Weiden seit 1. Mai 2018 CA
Fahrraddiebstähle in Weiden seit 1. Mai 2018
  • Faltschlösser aus gehärtetem Metall: Horst Pschierer („Bikestation“) stellt exemplarisch für den Weidener Fachhandel einige gute Modelle vor. Er empfiehlt schwere Faltschlösser aus gehärtetem Metall, wie es sie beispielsweise von Abus gibt. Gerade hat er für eine Kundin den Testsieger bestellt: Das „Abus Bordo Granit XPlus“ wiegt anderthalb Kilo bei einer Länge von 85 Zentimetern. Kostenpunkt: 130 Euro. Kollege Stefan Feiler hat ein Video gesehen: „Das hat geraume Zeit einer Flex standgehalten.“
  • An Bäumen/Laternen anschließen: Laut Polizei ist es immer besser, ein Rad an einen festen Gegenstand anzuketten, als das Schloss nur um das Rad zu zurren. Pschierer achtet immer auch darauf, das Hinterrad mit einzufädeln, um Teileklau zu vermeiden.
  • GPS-Tracker: Auf dem Markt sind Gepäckträgerrücklichter erhältlich, die per GPS die Position eines gestohlenen Rads an ein Smartphone senden. Schon vorher erfolgt eine Alarmierung per Push-Nachricht, wenn das Fahrrad bewegt wurde. Die Modelle sind nicht billig. Velocate bietet eine Lampe für 259 Euro an, lebenslanges Tracking inklusive. Die Lichter gibt es nur für Räder mit Dynamo, also E-Trekking- und Trekking-Räder.
 
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