Rainer Sindersberger ist in seinem Element. Bei einem Rundgang durch die Räume der Tafel Weiden–Neustadt sprüht er nur so vor Begeisterung. Man merkt, dass er seine Aufgabe als Vorsitzender sehr ernst nimmt und mit großer Leidenschaft ausführt. Ende 2024 hat der bekannte Weidener Bäckermeister diesen Posten von Josef Gebhardt übernommen. Den bundesweiten Tag der Tafel, der jedes Jahr am 15. September stattfindet, möchte er nutzen, um den Blick der Öffentlichkeit auf diese unverzichtbare Einrichtung zu lenken.
„Wir sind mit dem Umbau langsam fertig“, erzählt er. Besonders stolz ist er auf die Ladeneinrichtung, die die Bäckerei Retzer der Tafel überlassen hat, als sie ihren Betrieb aufgab. Auch die alte Kühlanlage, die bereits 25 Jahre auf dem Buckel hatte, konnte erneuert werden. Im letzten Akt werde schließlich noch das Trockenregal umgebaut, so Sindersberger. Hier werden Lebensmittel wie Mehl, Reis oder Cornflakes gelagert. Neu ist auch der helle, freundliche Eingangsbereich, der nun allen Brandschutzauflagen entspricht.
Auf 750 Quadratmetern
Seit 2009 gibt es die Tafel in Weiden. Zunächst war sie am Stockerhutweg untergebracht und konnte 2017 in die Räume eines ehemaligen Lebensmittelmarktes in der Fichtestraße umziehen. Das Angebot und die Möglichkeiten, den Menschen zu helfen, sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Registriert sind aktuell 1500 Abholer. Insgesamt werden 2200 Erwachsene und 1300 Kinder versorgt. Rechnet man das Sozialkaufhaus im ersten und zweiten Obergeschoss dazu, hat die Tafel rund 750 Quadratmeter Fläche zur Verfügung.
„Zum Glück haben wir in Weiden keine Engpässe wie etwa in den Großstädten“, berichtet Sindersberger. „Die Spendenbereitschaft in allen Gesellschaftsgruppen ist sehr hoch“, lobt er. Hilfe kommt von vielen örtlichen Unternehmen, die die Tafel sowohl mit Lebensmitteln als auch mit finanziellen Zuwendungen unterstützen, von Vereinen, Organisationen, privaten Spendern und auch Schulklassen aus Weiden und der Umgebung.
"Die Leute sind da"
Dass bei der Tafel ein guter Geist weht, zeigt auch die große Schar an freiwilligen Helfern. Rund 90 Ehrenamtliche packen mit an, um den Verein am Laufen zu halten. „Wir müssen nirgends bitten oder betteln“, freut sich Sindersberger. „Die Leute sind einfach da.“ Die Helfer stammen aus allen Gesellschaftsschichten. „Ärzte, Hausfrauen, Rentner – es ist alles dabei.“ Auch Leute, die einmal Sozialstunden bei der Tafel ableisten mussten, seien geblieben, weil es ihnen so gut gefallen habe.
Das Rezept für diese große Hilfsbereitschaft ist laut Tafel-Chef das gute Miteinander im Team. „Man muss Empathie mitbringen“, betont er. „Es sind schon Freundschaften entstanden.“ Auch zwei Bufdis unterstützen das Tafel-Team. „Damit haben wir die besten Erfahrungen gemacht“, lobt Sindersberger den Bundesfreiwilligendienst. Insgesamt betreut die Tafel Menschen aus 20 Nationen. Dass dies problemlos klappt, ist für den Vorsitzenden kein Hexenwerk: „Wir differenzieren nicht“, sagt er. „Alle sind willkommen.“
Alle organisatorischen Fäden laufen bei Diana Hermann zusammen. Sie ist als Geschäftsführerin festangestellt, koordiniert die Helferschar und den reibungslosen Ablauf an den Ausgabetagen. Die unzähligen Pläne, die an der Wand im Büro hängen, sind Zeugnis für die umfangreiche Arbeit.
Bewährtes System
Jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag werden die Waren ausgegeben. Das erfolgt nach einem bewährten System. Einmal pro Woche kann sich jeder, der eine Berechtigung besitzt, ein gewisses Kontingent an Lebensmitteln abholen. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, bekommen die Bezieher einen festen Termin, nach dem sie sich richten müssen. Immer vier Personen dürfen gleichzeitig in den großen Abgaberaum, der einer kleinen Markthalle gleicht.
Ein kleiner Obolus muss aber dennoch entrichtet werden. Einzelpersonen zahlen drei Euro und Familien vier Euro für eine Kiste voller Lebensmittel. „Die Leute wissen das sehr zu schätzen, dass sie etwa einen Einkauf für 40 Euro für einen Bruchteil dessen bekommen“, erklärt Sindersberger. Und der Tafel hilft dieser Betrag, die Fixkosten zu decken.
Lebensmittelspenden kommen nicht etwa nur von den rund 35 Märkten aus Weiden und dem Landkreis Neustadt, sondern werden auch durch den Bundes- und den Landesverband vermittelt. Dann kann es schon mal vorkommen, dass plötzlich mehrere Paletten mit Tiefkühlpizza, Chips oder Schokolade eintreffen. „Als der Hype mit der Dubai-Schokolade vorbei war, gab’s diese auch bei uns“, sagt der Tafel-Chef schmunzelnd.
Unbürokratische Hilfe
Rainer Sindersberger möchte aber auch ausdrücklich der Stadt Weiden und dem Landratsamt Neustadt danken, die der Tafel „völlig unbürokratisch“ bei vielen Belangen zur Seite stehen. Als Beispiel nennt der Tafel-Chef den Weidener Bauhof, mit dessen Tipps die Abfallentsorgung optimiert worden ist. „Wir haben früher täglich Kartonagen weggefahren“, sagt Sindersberger. Jetzt steht auf Anraten der Abfallwirtschaft ein Container im Hof, der einmal pro Woche geleert wird. „Das spart Zeit und Geld“, freut sich Sindersberger.
Das nächste Projekt, das die Tafel umsetzen möchte, ist eine Ausgabestelle in Neustadt/WN. „Zusammen mit Bürgermeisterin Tanja Kippes läuft derzeit die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten“, sagt Sindersberger. „Ich hoffe, dass uns das heuer noch gelingt.“ In Vohenstrauß gibt es unter der Leitung von Hedwig Reger seit 2015 eine Ausgabestelle. Hier werden aktuell 90 Familien mit insgesamt 200 Personen versorgt. In Mantel unterstützt die Tafel zurzeit 18 Personen. Dafür zuständig ist Ulrike Schiller.
Groß gefeiert wird der Tag der Tafel am 15. September nicht. Dennoch soll er nicht ganz untergehen. Am Samstag, 19. September, ab 15 Uhr laden die Tafel und die Weidener Ortsgruppe der LmDR (Landsmannschaft der Deutschen aus Russland) zum Grillfest auf dem Tafelparkplatz in der Arndtstraße ein. Es gibt ein Puppentheater und einen Auftritt der Gesangsgruppe „Kalinka“.






















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