31.01.2020 - 17:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tanzen für das Selbstbewusstsein: Tanzpädagoge Alan Brooks an der Pestalozzi-Mittelschule

Hüpfen, drehen, wenden. Sechstklässler besuchen einen Workshop von Alan Brooks. Doch der bringt ihnen jedoch nicht nur Tanzschritte bei, sondern erinnert sie an ihre Ziele und Träume. Genau das brauchen die Schüler.

von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Die Musik beginnt. Tanzlehrer Alan Brooks schwingt mit den Armen, dreht und beugt sich. Manche Schüler hinter ihm tanzen mit, einige stehen kopfschüttelnd da. Brooks dreht die Musik ab. "Na los, ihr könnt das. Holt das Beste aus euch raus", ruft er. Noch einmal Musik, diesmal schallt es richtig laut durch die Turnhalle der Pestalozzi-Schule. "Jetzt mit voller Energie!" Die Kinder hängen sich rein, drehen und schwingen mit, und am Ende steht die schwierige Choreographie. "Ihr seid vielleicht erstaunt, dass ihr das könnt. Aber da seid ihr die Einzigen. Ich bin nicht überrascht, ich weiß das."

Was Alan Brooks bei diesem Schulprojekt erarbeitet ist kein einfacher Tanzkurs, es ist ein Motivationsworkshop. "Glaubt an euch", ruft er immer wieder. Und das scheint zu wirken. Die Sechstklässler hängen an seinen Lippen. "Ich find's super", sagt die 12-jährige Giuliana Bruner. "Das Aufwärmen ist so lustig und die Tanzmoves." Der gleichaltrige Nico Meyer urteilt: "Der Tanzlehrer ist ziemlich cool, der spricht so gechillt." Und wenn das ein Junge sagt, der schon mit einem Bein in der Pubertät steht, heißt das schon was. "Er sagt, wir sollen unsere Träume verfolgen", erzählt die 12-jährige Sara Beer mit ernstem Blick.

Der 44-Jährige ist eine Woche zu Besuch an der Pestalozzischule für das vom Kultusministerium geförderte Projekt "Tanz in der Schule". Die Schüler kreieren dabei auch selbständig Choreographien. Doch dahinter steht viel mehr, erzählt Brooks. "Die Körperlichkeit kommt in der Schule zu kurz. Immer heißt es 'Ruhe' und 'Nein'. Hier lernen die Kinder, ihre Energie und Bewegung zu kanalisieren. Hier zeigen sie, wie sie wirklich sind."

Jetzt führen die Schüler im Duo ihre selbst erarbeiteten Choreographien. Die anderen schauen zu, aber so wie Brooks sie das gelehrt hat: Als aktive Zuschauer, offen und mit voller Aufmerksamkeit.

"Es ist eine Freude, da zuzuschauen", sagt Lehrerin Kerstin Müller-Jung. "Er zieht die Schüler in seinen Bann." Und er vermittele ihnen das, was sie am dringendsten brauchen: Selbstbewusstein. Das brauchen gerade diese Schüler dringend, die es bis jetzt nicht auf Gymnasium und Realschule geschafft haben. Nicht immer ist fehlendes Können der Grund. "Sie verstecken sich, weil sie sich nichts zutrauen. Sie können mehr erreichen, aber sie trauen sich nicht", sagt Müller-Jung. Genau da setzt der gelernte Ballett-Tänzer Brooks an. "Ihr seid was wert, ihr habt eure Träume, verfolgt sie", ruft er, und es klingt nie übertrieben und pathetisch, sondern echt. Am letzten Workshop-Tag werden die Kids ihre Choreographien vor ihren Mitschülern aufführen, über ihren Schatten springen und ihr Ziel verwirklichen.

Alan Brooks liebt seine Arbeit, betont er, und die Schüler. "I love them. Sie kennen mich nicht, sie haben keinen Grund mir zu vertrauen und trotzdem gibt jede Person alles." Bis er 33 Jahre alt war, hat er als Profitänzer auf den großen Bühnen der Welt getanzt. Doch die Arbeit als Tanzpädagoge hat er schon immer nebenher gemacht. "Ich arbeite lieber mit diesen glorreichen Sechstklässlern in dieser etwas zu kalten Turnhalle, als mit Profitänzern in Paris."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.