08.12.2019 - 14:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Theaterprojekt rückt Pflegeberuf ins Rampenlicht

Ein völlig neues Konzept soll die Lust auf einen Pflegeberuf wecken. Es kombiniert Theater und Informationen – und wird erstmals an der Sophie-Scholl-Realschule getestet. Mit Erfolg.

Spielszene des Theaterprojekts "Ein verunglücktes Kind sucht seine Mutter".
von Siegfried BühnerProfil
Der Umgang mit betroffenen Angehörigen muss gelernt werden. Experte Alexander Siwiec schaut zu und nimmt anschließend dazu Stellung.
Regisseur, Schauspieler und Experten des Theaterprojekts.

Eine Theaterpremiere war angesagt an der Sophie-Scholl-Realschule. „Wenn ich etwas Neues erproben will, mache ich dies immer an der Sophie-Scholl-Realschule in Weiden“, sagte Regisseur und Moderator Jean-Francois Drozak von der Agentur Kunstdünger in Nürnberg. Deshalb ist er mit dem neuen Theaterprojekt „Das junge Pflegemanifest“ erst einmal nach Weiden gekommen. Umfassend wird dabei in Spielszenen und Interviews über den neuen „generalistischen Pflegeberuf“ informiert, der die bisherigen Sparten Altenpflege, Kinderkrankenpflege und Erwachsenenkrankenpflege vereinheitlicht.

Das Theaterprojekt will als „szenische Berufsberatung“ in Form einer „szenischen Talkshow“ verstanden werden. Initiiert und gefördert wird es vom Bayerischen Gesundheitsministerium. Auf die Premiere in Weiden folgen Aufführungen bei Projektwochen an zahlreichen Schulen in ganz Bayern. Der Beifall bestätigte, dass die Premiere ein Erfolg war. Was die Schüler und das Fachpublikum zu sehen bekamen, war eine Kombination von Spielszenen mit Alltagssituationen im Pflegebereich und kurzen dazu geführten Interviews mit Praktikern aus den Pflegeberufen.

Regisseur Drozak war dabei mehr als nur ein Moderator. Man spürte den Schauspieler in ihm. Eher in der Rolle des Entertainers fesselte er die Schüler mit Geschichten aus seinem Leben, streute aber dennoch selbst immer wieder zahlreiche Informationen ein, kombiniert mit pädagogisch wichtigen Wertevorstellungen. Höhepunkt war die Geschichte über seine eigene Krebserkrankung als 22-Jähriger, die mit dem Satz endete „Ohne das Pflegepersonal würde ich heute hier nicht stehen."

Die acht Theaterszenen, aufgeführt von Schülerinnen der Sophie-Scholl-Realschule, spiegeln alle wichtigen Teilbereiche im Pflegeberuf wider. Sie geben dem Moderator die Stichworte und den Interviewpartnern Gelegenheit zur Stellungnahme. Hauptsächlich geht es um Situationen im Seniorenheim, um Gerontologie und Langzeitpflege, um die Arbeit mit geistig Behinderten und um die Versorgung von Frühgeborenen.

Kaum ein wichtiges Thema der alltäglichen Pflegesituation wird in den knapp zwei Stunden ausgelassen. Da informiert der Moderator zum Beispiel, dass sich „die Aufbaugeneration im reichen Land Bayern“ heute in Pflegeeinrichtungen befindet. Und auch darüber, dass es deshalb nur wenig sehr alte geistig Behinderte gibt, weil die Nazis diese Menschen ermordet haben. Aufgrund der Schwangerschafts-Frühdiagnostik würden immer weniger Kinder mit geistigen Behinderungen geboren. Mehrfach führen die Interviewpartnern aus, dass Arbeitslosigkeit bestimmt kein Thema für sie sei. „Ärzte lernen nicht, was Pflegefachkräfte können“ und „Ärzte müssen aus der Situation heraus entscheiden“ waren ebenfalls Schlussfolgerungen aus einer Spielszene.

Dass Pflegefachkräfte Bezugspersonen für Kinder werden müssen, wurde ebenfalls dargestellt. Ausführlich zeigten die Akteure, dass Rituale in der Pflege helfen können. So zum Beispiel wenn die Eltern von Frühgeborenen aufgefordert werden, für jedes Kilo Gewichtszunahme ihres Kinder die entsprechende Menge Gummibärchen mitzubringen. Und „blutig entlassen“ heißt, der Heilungsprozess eines Patienten ist nicht abgeschlossen.

Informationen aus der Praxis lieferten in den Interviews Nastasia Viertauer vom Seniorenheim Franz Zebisch, Georg Schießl von den HPZ-Werkstätten Lebenshilfe, Alexander Siwiec und Michaele Hutzler vom Klinikum Weiden. Schauspielerinnen waren die Schülerinnen Jessica Bauer, Ewelina Budinski, Tabea de la Vega, Emely Hartmann, Rand Jawish, Luisa Krauß, Jessica Niederhaus und Veronika Tolnai.

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