05.02.2020 - 17:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Theaterstück im Juz: Wirtschaftsschüler spielen Neonazis

Wirtschaftsschüler proben ein Theaterstück über Rechtsextremismus, das sie am 6. Februar im Juz zeigen. Dabei müssen sie in Rollen schlüpfen, die sehr unbequem sind. Bei den Proben sprechen sie darüber, wie es ist, den Hitlergruß zu zeigen.

In einem aufrüttelnden Theaterstück spielen Jugendliche der Wirtschaftsschule Szenen aus der rechtsextremen Szene nach. Der Leiter des Projekts verbietet, dass ihre Gesichter gezeigt werden. Er hat Angst vor Anfeindungen.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

"Neger, Schlitzauge", murmeln die Jugendlichen vor sich hin. Dann zeigen sie den Hitlergruß. Nur eine Szene aus dem Stück "Acht.Acht". Schüler der 9. und 10. Klasse machen mit bei einem Projekt über Rechtsextremismus mit dem Theaterpädagogen Jean-Francois Drozak.

Am Anfang war es schon sehr komisch, den Hitlergruß zu machen, sagen sie. "Wenn ich daheim so die Hand hebe, würde mich mein Vater zur Sau machen", erzählt Adrian, der im Stück den Jungen Franz spielt, der immer mehr in die rechte Szene abrutscht. "Aber das sind eben nicht wir, sondern die Rollen, die wir spielen", sagt Mitschülerin Angelica.

"Wir sind alle hier hingekommen, weil wir mal Theater spielen wollten. Bei so einem Stück muss man damit rechnen, dass man einen Nazi spielt", sagt Michelle. Sie selbst hat im Stück ein anderes Schicksal: Auch sie wird von der rechten Szene umworben, distanziert sich aber und versucht ihren Freund Franz herauszuziehen. "Hey Antifa, wärst du allein, würdest du schon in einer Blutlache liegen", wird sie deshalb im Stück von Rechtsextremen beschimpft.

Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak reflektiert mit den Schülern ihre Erfahrungen. Genauso wie sie sich über die Proben hinweg langsam an den Hitlergruß gewöhnten, gehe es auch Leuten, die in die rechtsextreme Szene abrutschten.

Das Stück ist bereits 15 Jahre alt, doch immer noch aktuell. Es verwendet Originalzitate aus Interviews, das Nürnberger Studenten mit Polizisten, Sozialarbeitern, Jugendlichen und Neonazis geführt haben. Bei seiner Arbeit hat der Theaterpädagoge schon sehr negative Erfahrungen gemacht, seine Reifen wurden zerstochen, Leute aus der rechtsextremen Szene hätten die Aufführungen gefilmt und ins Netz gestellt. Deshalb verbietet er strikt, dass die Schüler kenntlich fotografiert werden.

Die Handlung, die Rollen, den Text haben die Jugendlichen nicht selbst erarbeitet. Drozak gibt ihnen genau vor, was sie machen sollen. Etwas zu autoritär für ein Stück der Theaterpädagogik, noch dazu über Rechtsextremismus? Drozak sagt, das sei ein ganz normaler Ansatz. Ein andere Möglichkeit wäre, die Jugendliche ein Stück aus ihrer Lebenswelt spielen zu lassen, er sei dann nur Moderator. "Doch hier bin ich ein Regisseur." Der Schauspieler müsse sich der Rolle und dem Stück unterordnen. "Wir diskutieren auch über unsere Rolle und sagen, was wir anders machen sollen", sagt Michelle. Die öffentliche Premiere von "Acht.Acht" ist am Donnerstag, 6. Februar, um 19 Uhr, im Saal des Jugendzentrums.

In einem aufrüttelnden Theaterstück spielen Jugendliche der Wirtschaftsschule Szenen aus der rechtsextremen Szene nach. Der Leiter des Projekts verbietet, dass ihre Gesichter gezeigt werden. Er hat Angst vor Anfeindungen.
In einem aufrüttelnden Theaterstück spielen Jugendliche der Wirtschaftsschule Szenen aus der rechtsextremen Szene nach. Der Leiter des Projekts verbietet, dass ihre Gesichter gezeigt werden. Er hat Angst vor Anfeindungen.

 

 

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